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Büttenreden und KasatschokWurzeln des Karnevals auf der Nostalgiesitzung in Siegburg

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J.P. Weber hat im Rhein-Sieg-Forum den ersten Auftritt als Büttenredner.

J.P. Weber hat im Rhein-Sieg-Forum den ersten Auftritt als Büttenredner.

Siegburger Karnevalskomitee verzichtete im Rhein-Sieg-Forum bewusst auf Bläck Föss oder die Höhner.

Siggi Noll aus Niederzissen war sich sicher, dass er der Gast mit der weitesten Anreise bei der Nostalgiesitzung des Siegburger Karnevalskomitees (SKK) im Rhein-Sieg-Forum war. „Im vorigen Jahr bei der Premiere hat es mir hier so gut gefallen, dass wir diesmal noch drei befreundete Pärchen mitgenommen haben.“ Noll kennt sich aus. 25 Jahre war er mit der Stimmungsband Botzedresse in den Sälen der Region unterwegs. Im März 2019 gab die Gruppe ihr letztes Konzert und löste sich auf. 

Aber so ganz los vom Karneval kommt Noll nicht, deshalb besucht er gerne weiter Sitzungen. „Ich habe die letzten acht Karten im November vorigen Jahres bekommen“, freute er sich. „1000 Personen passen bei Sitzungen ins Rhein-Sieg-Forum rein“, so SKK-Präsident Jörg Sola Schröder. Bewusst seien aber nur Karten für 800 Plätze verkauft worden, um durch eine gelockerte Bestuhlung den Menschen die Möglichkeit zu geben, nicht so beengt zu sitzen.

Die Siegburger Prinzessin Siegburgia Elke I. soll „manchmal ganz schön explosiv sein“

Die Tollitäten mit Siegburgia Elke I. und Prinz Helmut IV. an der Spitze eröffneten den Abend. Schröder, als Präsident der Dachorganisation der Siegburger Karnevalsvereine immer bestens informiert, wusste auf der Bühne zu berichten, dass „Siegburgia Elke manchmal ganz schön explosiv ist.“ Und dann ging es schon los. Als  J.P. Weber, als Ausnahmetalent angekündigt, auf die Bühne kam, war plötzlich Ruhe im Saal. Gespannt warteten die Zuschauer auf sein Programm.

Das Siegburger Prinzenpaar Elke I. und Helmut IV. eröffnete die Nostalgiesitzung des Siegburger Karnevalskomitees.

Das Siegburger Prinzenpaar Elke I. und Helmut IV. eröffnete die Nostalgiesitzung des Siegburger Karnevalskomitees.

„Wir Redner sind das Salz in der Suppe des Kölner Karnevals“, betonte er. Und im Prinzip seien die Siegburger auch alle Kölsche. Deswegen sei es für ihn kein Problem, zu Veranstaltungen in den Speckgürtel der Millionenstadt zu fahren. Weber gab zu, sich nicht so genau mit den Gepflogenheiten in Siegburg auszukennen. Immerhin begrüßte er das Prinzenpaar auf seinem Ehrenplatz auf der Bühne mit „Siegburgerine und Prinz Mümmelmann“ - zwar nicht die richtigen Titel, aber das war wohl künstlerische Freiheit.   

Das Publikum klatschte begeistert. Jennifer Just, die früher bei den Troisdorfer Sandhasen tanzte, war mit dabei. Auch ihr - wie den meisten Menschen in der Halle - hatte die erste Nostalgiesitzung im vorigen Jahr so gut gefallen, dass sie auch diesmal unbedingt wieder dabei sein musste. Und nicht nur das. Ihre Tochter Sandra hatte sie gleich mitgenommen. Die 16-Jährige sollte sehen, wie Karneval früher gefeiert wurde. Da hätte doch das heutige Brauchtum seine Wurzeln. Stimmungsbands auf den Sitzungen seien früher die Ausnahme gewesen. „Wir haben ganz bewusst nicht die Höhner, die Bläck Föss oder die Paveier eingeladen“, so Schröder im Gespräch mit der Redaktion. Sie würden nicht in das Format der Nostalgiesitzung passen.

Bei der Nostalgiesitzung im Rhein-Sieg-Forum wollte Jennifer Just (r.) ihrer Tochter Sandra (16) zeigen, wie der Karneval früher war.

Bei der Nostalgiesitzung im Rhein-Sieg-Forum wollte Jennifer Just (r.) ihrer Tochter Sandra (16) zeigen, wie der Karneval früher war.

Viele Clowns, Kostüme aus den 20er Jahren ober bunt benähte Sakkos bestimmten die jecke Garderobe im Saal. Die Farbe Rot war dabei dominierend. Und: Auf eigentlich jedem Tisch, auch wenn dort Bier oder Wein getrunken wurde, stand eine Flasche Wasser.

Der legendäre Kasatschok durfte auf der Nostalgiesitzung in Siegburg natürlich nicht fehlen

Die Tanzgruppe "Kammerkätzchen und Kammerdiener" aus Köln folgte auf J.P. Weber. Mit ihren gekonnten Hebefiguren begeisterten sie das Publikum. Der legendäre Kasatschok mit Solosprung über einen Holzstiel durfte auf der Nostalgiesitzung natürlich nicht fehlen. So war der Sitzungskarneval früher - er hat aber heute in dieser Form noch immer Bestand.    

Dann kam Oli der Köbes auf die Bühne. Im Gegenteil zu J.P. Weber setzte er auf Witze, die ein oder andere Zote war dabei. Das Publikum hatte mehrfach Gelegenheit mitzusingen. So wurde gleich zu Beginn der Sitzung gezeigt, wie unterschiedlich doch die Bandbreite bei den Auftritten von Büttenrednern sein kann.

Oli der Köbes setzte bei seinem Auftritt eher auf Witze.

Oli der Köbes setzte bei seinem Auftritt eher auf Witze.

Das bestätigte Nicole Simons, die in diesem Jahr das erste Mal auf der Nostalgiesitzung war. Sie war mit Freunden gekommen, denen die Premiere im vorigen Jahr sehr gut gefallen hatte.  „Eigentlich gehe ich immer am Karnevalssamstag ins Rhein-Sieg-Forum. Da knubbeln sich die Menschen.“ Die großzügige Bestuhlung für nur 800 Personen empfand sie als angenehm.  Im nächsten Jahr will sie auf jeden Fall  wieder mit dabei sein.