Pächter Felix Heyne und seine Frau Julia Gerlach haben Mobiliar und Speisekarte modernisiert. Eine Ü-80-Runde weiß das zu schätzen.
Hochwassern seit Dekaden getrotztRestaurant „Zur Siegfähre“ feiert 100-jähriges Bestehen

Die Siegfähre ist ein traditionsreiches Restaurant.
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Rita Rausch und ihre Klassenkameradinnen sind alle über 80 Jahre alt, Abschlussjahrgang 1943/44 an der vormaligen Volksschule Sieglar. Seit mehreren Jahrzehnten feiert die Runde ihr Klassentreffen im Troisdorfer Traditionsrestaurant „Zur Siegfähre“. So auch im Jubiläumsjahr des Restaurants am Bergheimer Flussufer, das 2026 an mehren Tagen sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat.

Die Frauengruppe feiert ihren Abschluss an der damaligen Volkshochschule Sieglar seit mehreren Jahrzehnten im Restaurant.
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„Ich war hier schon mit 16 Jahren tanzen, erinnert sich Rausch“: „Und habe fünf Jahre als Spülfrau in der Küche gearbeitet.“ Familie Adscheid habe sie immer gut behandelt. Besagte Familie hatte das Geschäft ein halbes Jahrhundert lang geführt. Alexander Adscheid hat die Pacht Ende 2023 nach über 30 Jahren abgegeben: und zwar an Felix Heyne.

Felix Heyne möchte gerne mehr Veranstaltungen in der Siegfähre ausrichten.
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Der inzwischen 31-Jährige führt das Restaurant mit seiner Frau Julia Gerlach. „Der neue Pächter macht dat jut“, lobt Rita Rausch den ausgebildeten Hotelfachmann. Die 82-jährige Rheidterin zeigt sich auch mit der neuen Einrichtung des Restaurants zufrieden.

Die neue Einrichtung soll den Raum offen halten.
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„Dieses Jahr wurde drinnen komplett erneuert“, erläuert Felix Heyne: „Die alten Stücke waren aus den 80ern – Eiche Rustikal.“ Das habe den Laden im Inneren verdunkelt. „Wir haben uns für freundliche, maritime Farben entschieden, um es hier offener und moderner zu machen.“ Das Außenmobiliar wurde nach Informationen von Heyne bereits im Vorjahr erneuert.
Neue Speisekarte mit altbekannten Klassikern
Auch die Speisekarte hat der Troisdorfer modernisiert. Nicht ohne Widerstand, wie er berichtet. „Es gibt keine Bockwürste im Brötchen oder Brezeln mehr auf die Hand.“ Nachdem ein paar Gerichten gestrichen worden seien, die lange auf der Karte gestanden hatten, sollen ein paar Kunden mit Unverständnis reagiert haben. Er habe aber auch Mahlzeiten ergänzt, etwa den rheinischen Klassiker „Himmel und Äd“.
Das Feedback seiner Gäste nehme er sehr ernst, sagt der Gastronom, der vormals fünf Jahre lang das Gasthaus Bierthe an der Troisdorfer Taubengasse geführt hat. Ihm und seiner Frau sei aber daran gelegen, neben der älteren Zielgruppe, auch jüngere Gäste anzusprechen. „Wir sind zwar Ausflugsziel, aber kein Ausflugslokal.“

Die Fischereibruderschaft Bergheim/Sieg steht in enger Verbindung zum Lokal am Siegufer.
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„Seit 2025 gibt es bei uns den Hafen-Kiosk!“, berichtet Julia Gerlach. Neben Getränken, Pommes, Flammkuchen und Eis gebe es dort auch Leberwursteis für Hunde, so die 31-Jährige weiter. Das Angebot richte sich an Radfahrer, Badegäste, Spaziergängerinnen und deren vierbeinige Begleiter. Für Menschen, die nicht mehr so viel Essen können, werden zudem ein paar Gerichte auf der Karte, wie Königsberger Klopse oder Doradenfilets, auch als halbgroße Portionen angeboten.
Hochwasser kommen häufiger in den Wintermonaten
Der Betrieb des Restaurants ist saisonal, „von O bis O, Ostern bis Oktober“, erläutert Felix Heyne. Er und seine Frau nutzten die freie Zeit zum Reisen. Das sei nach 80-bis-90-Stunden-Wochen auch nötig. Richtig abzuschalten, werde allerdings neben der Vor- sowie Nachbereitung auch durch mögliche Hochwasser an der Sieg erschwert. „Im Ernstfall müssen wir schnell reagieren“, sagt Heyne: „Der Schlamm darf nicht hart werden.“ Überschwemmungen betreffen oftmals die ganze erste Etage, wie auf Fotos zu sehen ist.

Hochwasser an der Sieg ist in den Wintermonaten wahrscheinlicher.
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„Grundsätzlich hat die Siegfähre mehr oder weniger jedes Jahr Hochwasser“, berichtet Julia Gerlach. Seit der Übernahme des Restaurants hatten die Eheleute wiederholt mit Überschwemmungen zu Kämpfen, wie Gerlach schildert: „In der ersten Saison 2024 traf es uns sogar während unseres Pfingstfestes, nur wenige Tage später ein zweites Mal.“ Weiter sagt sie: „2025 stand es im Winter mehr als 1,5 Meter hoch, im Winter 2026 verzeichneten wir etwas mehr als ein Meter im Haus.“
Die 31-Jährigen weisen darauf hin, dass die höhere Hochwasserfrequenz in den Monaten Dezember bis März ein wesentlich Grund für den saisonale Öffnung ihres Hauses sei. „Dafür räumen wir jedes Jahr alles aus – jedes Küchengerät, jeder Stuhl oder Tisch, vom Kugelschreiber bis zum Bierdeckel“, sagt Gerlach. „Nach Hochwasser müssen wir grundreinigen und renovieren“, ergänzt Felix Heyne: „Ohne die nötige Leidenschaft ist der Beruf nicht machbar.“
420 Sitzplätze, 30 Mitarbeitende und Pläne für die Zukunft
Der Pächter gibt an, derzeit 30 Mitarbeitende, inklusive Aushilfen und Studierende, zu beschäftigen. „Für den Service-Bereich haben wir viele Bewerbungen, aber in der Küche wird es zunehmend schwieriger.“ Nach der Modernisierung hat der Außenbereich 300 Plätze, 120 Sitzgelegenheiten gibt es drinnen. Familien- oder Geschäftsfeiern mit 20 bis 50 Personen werden laut Heyne am häufigsten ausgerichtet. Künftig möchte der Troisdorfer mehr Veranstaltungen, wie die mehrtägige Feier zum 100-Jährigen im Juni, organisieren, etwa einen Themenabend mit spanischen Tapas und passender Live-Musik.
Für die ehemalige Siegfähren-Mitarbeiterin Rita Rausch geht das aktuelle Konzept auf: Sie komme nicht nur anlässlich von Klassentreffen ins Restaurant, sondern sei mit Mitgliedern der regionalen Parkinson-Selbsthilfegruppe, die in Troisdorf sitzt, häufiger zu Gast. Rausch hebt hierbei die Barrierefreiheit des Restaurants hervor. „Es ist nur zu empfehlen.“
Die Siegfähre, Zur Siegfähre 7, 53844 Troisdorf, hat dienstags bis samstags ab 11.30 Uhr geöffnet. An Sonn- und Feiertage gibt es ab 09.30 Uhr Frühstück, ab 11 Uhr durchgehend warme Küche. Montags ist Ruhetag.
