Abo

MehrzweckhalleAltenrather Vereine appellieren den Troisdorfer Stadtrat

5 min
Am Ortsrand von Altenrath sollte die Mehrzweckhalle entstehen. Vielleicht, so fürchtet Martin Zündorf vom TuS Altenrath, wird das Grundstück auch "die teuerste Streuobstwiese in Troisdorf"

Am Ortsrand von Altenrath sollte die Mehrzweckhalle entstehen. Vielleicht, so fürchtet Martin Zündorf vom TuS Altenrath, wird das Grundstück auch "die teuerste Streuobstwiese in Troisdorf"

In der schon viele Jahre dauernden Debatte um eine Mehrzweckhalle für den Stadtteil Altenrath haben die Vereine zum zweiten Mal einen Bürgerantrag eingereicht.

Wird das ein Baugrundstück? Oder doch „die teuerste Streuobstwiese in Troisdorf“, wie Martin Zündorf unkt, der 1. Vorsitzende des TuS Altenrath? Die Rede ist von einer Fläche zwischen Heidegraben und der Alten Kölner Straße in Troisdorf-Altenrath. Vor Jahren hat die Stadt das Gelände gekauft; hier sollte die Mehrzweckhalle für das Heidedorf entstehen. 

CDU und AfD stimmten im Troisdorfer Stadtrat für Förderantrag zur Sanierung

Gebaut wurde aber bislang nur das Gerätehaus für die Freiwillige Feuerwehr. Im Stadtrat gab es zuletzt – anders als in der Vergangenheit –keine Mehrheit mehr für einen Neubau. Im Dezember sprachen sich die Fraktionen von CDU und AfD vielmehr dafür aus, stattdessen die Chance auf Zuschüsse für eine Sanierung der alten Josef-Schumacher-Halle auszuloten. Zu teuer sei das Neubauvorhaben, heißt es; die städtische Finanzsituation erlaube das nicht.

Dagegen machen einmal mehr die Altenrather Vereine mobil: Zur Sitzung des Stadtrats am kommenden Dienstag, 24. Februar haben sie zum zweiten Mal nach 2018 einen Bürgerantrag eingereicht und fordern einen Grundsatzbeschluss zum Neubau der Mehrzweckhalle. Der Stadtrat solle beschließen, den Neubau auf der Grundlage des rechtskräftigen Bebauungsplans „zügig voranzutreiben“.

Männer und Frauen auf einer Wiese; sie halten Spaten vor sich.

Vertreterinnen und Vertreter von Parteien und Vereinen aus Altenrath versammelten sich im Juli 2025 zu einem symbolischen Spatenstich.

Dafür sollen, so die Antragsteller, im Doppelhaushalt 2026/27 die nötigen Mittel eingestellt werden. Die Verwaltung soll beauftragt werden, die im Juni 2025 ohne Gegenstimme beschlossene Ausschreibung für die Generalplanung umzusetzen. Dabei machen die Petenten auch Vorschläge für mögliche Alternativen des Gebäudes, mit denen unter Umständen ein günstigeres Bauen möglich wäre.

In der alten Halle gibt es viele Einschränkungen für Vereine

„Irgendwo zwischen frustriert, kämpferisch und noch nicht hoffnungslos“ – so beschreibt Martin Zündorf seine Gemütslage in diesen Tagen. Seit zehn Jahren stehe er an der Spitze des Vereins und habe „das Problem schon von meinen Vorgängern geerbt“. Und schon die hätten sich einige Jahre um eine neue Halle für Altenrath bemüht. Die Josef-Schumacher-Halle aus den 50er Jahren gilt als marode und zu klein, zudem ist sie nicht barrierefrei.

Der TuS mit seinen 400 Mitgliedern sei sicherlich der Hauptnutzer der Halle, erklärte Zündorf. Eine Sanierung nütze dem Verein nichts – es werde „kein Quadratzentimeter“ Fläche gewonnen, Sportarten wie Volleyball könne der Verein dann noch immer nicht unter Wettbewerbsbedingungen anbieten. Zu eng ist die Halle auch für das Ausrichten von Fußballturnieren. 

Damit nicht genug, fürchtet Martin Zündorf auch die unausweichliche Schließzeit während einer Hallensanierung: Mindestens zwei Jahre, so seine Schätzung, werde in Altenrath kein Sport möglich sein. „Da schauen sich die Eltern nach einer Alternative um“, sagt er mit Blick auf das Kinderturnen für Drei- bis Neunjährige. „Und die kommen nicht zurück“.

Unterzeichnet haben den Bürgerantrag auch die Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr, der Awo Ortsverein, die Schießsportfreunde und das Tanzcorps und – als eigenständiger Verein – die KG Altenrather Sandhasen. Deren stellvertretender Vorsitzender Torsten Wolf benennt die Probleme bei Veranstaltungen: 400 Menschen finden dann Platz auf Bierbänken. 

Eine alte Turnhalle, Mädchen und junge Frauen in schwarzer Trainingskleidung.

Trainieren kann das Tanzcorps Altenrather Sandhasen in der Josef-Schumacher-Halle, für Turniere ist allerdings kein Platz.

Stühle sind nicht drin, wie er vorrechnet. Dann könnten für die drei jährlichen Sitzungen nämlich nur noch 300 Karten verkauft werden und damit seien kostendeckende Veranstaltungen nicht möglich. An die Grenzen der alten Halle stießen auch die Aktiven des Tanzcorps, weiß er. „Die sind mehrfacher Deutscher Meister“, wollten gerne auch einmal Turniere ausrichten. Unter den aktuellen Gegebenheiten sei das aber nicht möglich. Und daran ändere auch eine Sanierung nichts.

Das ist ein Bau aus den 50er Jahren. „Man weiß gar nicht, was da rauskommt
Torsten Wolf, Altenrather Sandhasen, zu den Risiken einer Sanierung

Bedenken hat Wolf  angesichts der Risiken einer jeden Sanierung. „Das ist ein Bau aus den 50er Jahren“, sagt er. „Man weiß gar nicht, was da rauskommt“. Am Ende habe man dann ein Projekt wie die Kölner Oper oder den Bahnhof Stuttgart 21, wo die Kosten um ein Vielfaches über dem ursprünglichen Ansatz liegen. Ohne, dass sich die Rahmenbedingungen für die Vereine verbesserten.

Der bislang geplante Abriss der alten Halle und die Vermarktung des Grundstücks in der Ortsmitte könnten nicht nur Geld einbringen, sondern zudem die Antwort geben auf eine demographische Frage, sagt Wolf. „Viele ältere Leute wollen gerne im Dorf bleiben“, weiß er. „Aber nicht in einem Haus.“ Kleinere Wohnungen in der Ortsmitte würden gefragt sein.

Die SPD habe seit Jahren eine klare Haltung zur geplanten Halle in Altenrath, sagte auf Anfrage der Fraktionsvorsitzende René Wirtz. Das Projekt sei für die Stadtteilentwicklung sehr wichtig, es gebe politische Beschlüsse, die bislang nicht widerrufen seien. „Wir stehen an der Seite der Bürger“, kündigte Wirtz vor der Stadtratssitzung an.

CDU Troisdorf hofft auf Fördergeld für Sanierung

„Wir müssen sehen, was die Stadt sich leisten kann“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedhelm Herrmann; der Finanzbedarf bei einer Sanierung sei deutlich geringer als bei einem Neubau. Und es gebe ja jetzt „die Chance, dass es eine Förderung gibt“: Aus dem Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ nämlich. Auf der anderen Seite stehe das Risiko, „dass die Kosten entgleiten“ und dann auch freiwillige Leistungen gekürzt werden müssten. Für die Vereinsposition habe er Verständnis, der Bau einer Mehrzweckhalle sei aber „ein übertriebener Wunsch“.

Die CDU habe das Planverfahren bis vor dem Satzungsbeschluss mitgetragen, erklärte Herrmann das wechselnde Abstimmungsverhalten seiner Fraktion im vergangenen Sommer. „Wir wollten aber nicht das Signal geben, das ist fest.“ Am 11. Juni hatte die CDU-Fraktion wie alle anderen Fraktionen im Stadtentwicklungsausschuss die Änderung von Flächennutzungsplan und Bebauungsplan für die Mehrzweckhalle einhellig mitgetragen. Sechs Tage später, am 17. Juni, votierten die Christdemokraten ebenso einstimmig gegen diese Pläne. 

Die CDU-Fraktion wolle „nicht dazu beitragen, dass durch Finalisierung des Sat- zungsbeschlusses der Weg zur Verschwendung von öffentlichen Mitteln bereitet wird“, erklärte damals laut Niederschrift der Vorsitzende Friedhelm Herrmann. Die Sanierung wäre zudem „ein beispielhafter Beitrag“ für den ressourcenschonenden Umgang mit Rohstoffen und Flächen sowie im Sinne des Klimaschutzes.