Das „Überparteiliche Bündnis gegen Sondermülltourismus“ hatte seit 2008 den Protest gegen die Lagerstätte im Spicher Wald angeführt.
Am 31. AugustAnlieferung von Sondermüll in Troisdorf endet endgültig – Wie es dazu kam

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Viele Jahre spielte im Spicher Wald ein eher stilles Kapitel der Troisdorfer Stadtgeschichte: Hinter den Bäumen entlang des Mauspfads erstreckte sich die Sondermülldeponie. Am 31. August endet dort die Anlieferung von Müll. Seit 1986 waren hier hinter hohen Bäumen Boden- und Bauschutt, mineralische Produktions- und Kunststoffabfälle aus den Fabriken des späteren Evonik-Konzerns angeliefert und gelagert worden. Aber auch Schmelzrückstände wie das giftige Bleistein oder sogenannte Filterkuchen, wie Bürgermeister Alexander Biber noch 2022 bestätigte.
Eingestuft war die Anlage als Deponie der Klasse III – mit der Genehmigung für „gefährliche Abfälle“. Höher reicht nur Klasse IV für Lagerstätten unter Tage. Betreiber ist seit 2009 die Firma Mineralplus, die Gelände und Deponie von der Evonik Degussa Immobilien übernommen hatte.
Hell wurde es im Dezember 2008 auf der Deponie. Strahler leuchteten für riesige Maschinen das Baufeld aus: Hier ließ die Evonik eine Spundwand errichten, um anströmendes Grundwasser abzuleiten. Gefahr sei nicht im Verzug gewesen, sagte damals Evonik-Sprecherin Alexandra Boy, die Evonik erfülle eine Vorgabe der Bezirksregierung.
Betreiber wollten Deponie in Troisdorf für Müll aus ganz Europa öffnen
Ein Jahr später indes formierte sich Protest quer durch alle politischen Parteien und Initiativen: Die Evonik hatte Pläne öffentlich gemacht, die Deponie für Sondermülltransporte von Drittfirmen aus Deutschland und von eigenen Standorten im EU-Ausland zu öffnen. Die Naturfreunde Spich mobilisierten zu einer ersten Kundgebung rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Wir wollen keine internationale Giftmüllhochburg“, skandierten die Naturfreunde, die unter anderem eine mögliche Verunreinigung des Grundwassers befürchteten.

Eine Mehrheit von CDU, FDP/UWG und AfD hat sich für den möglichen Ausbau der Deponiestraße durch den Spicher Wald ausgespochen.
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Gegen die Öffnung der Deponie formierte sich damals das „Überparteiliche Bündnis gegen Sondermülltourismus“ (ÜBS). Beteiligt: die CDU, SPD, Grüne und FDP, die Linke, die UWG Regenbogen, die Bürgerinitiative Naturfreunde Troisdorf, die Bürger für lebenswertes Wohnen, der Ortsring Spich, der Stadtsportverband, der BUND Rhein-Sieg-Kreis, das Bündnis Heideterrasse und das Troisdorfer Umweltzentrum.
Wirtschaftliche Gründe wurden seitens der Betreiber für den geplanten Schritt angeführt: Angesichts der geringen Menge an Abfall sei die Deponie nicht wirtschaftlich zu betreiben. Mit Unterschriftensammlungen und Kundgebungen zogen die Gegner des Vorhabens gegen die Pläne zu Felde; bis zu 1000 Menschen stellten sich bei Kundgebungen den Plänen entgegen. Mit Erfolg: Im März 2010 gab das Unternehmen die Pläne auf, Müll aus dem Ausland in Spich anzunehmen.

Bis zu 1000 Teilnehmer mobilisierten die Gegner der Deponie bei ihren Kundgebungen.
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„Da uns ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn in der Region wichtig ist“, wie das Unternehmen damals erklärte. Dritte aus Deutschland sollten aber hier anliefern dürfen. Das stand in einer Vereinbarung, die 2010 zwischen der Stadt, der Evonik und der Konzerntochter Mineralplus ausgehandelt wurde. Die Vereinbarung hielt aber auch fest, dass nur noch eines von drei weiteren Feldern verfüllt und die Deponie Ende 2026 geschlossen werde.
„Ein fairer Kompromiss“, erklärte damals Detlef Heine, Geschäftsführer der Betreiberfirma Mineralplus. Die verabredeten 70.000 Tonnen Müll seien das Mindeste, um die Deponie wirtschaftlich zu betreiben. „Zehn Hektar weniger Deponiefläche und 40 Prozent weniger Sondermüll als ursprünglich vorgesehen“, kommentierten Vertreter des ÜBS in einer gemeinsamen Mitteilung.
Streit gab es immer wieder auch um die Deponiestraße durch den Spicher Wald
„Mission erfüllt“, hieß es denn auch in den Reihen der Partner, weshalb das ÜBS ankündigte, seine Arbeit weitgehend einzustellen. Gleichwohl gab es auch Kritik aus den Reihen der Naturschützer an der bundesweiten Öffnung und 30 täglichen Lkw-Fahrten.
Kaum zu trennen von den Auseinandersetzungen um die Deponie war der Streit um die Deponiestraße: Als Entlastung für den Ortsteil Spich vom Lastwagenverkehr zum Industriestadtpark wurde der Ausbau der Straße erwogen, über die bislang nur Lieferverkehr zur Deponie gestattet ist. In wechselnden Konstellationen verhielten sich in Abstimmungen die Fraktionen des Stadtrats. Zuletzt stimmte eine Mehrheit aus CDU, FDP/UWG und AfD dafür, Geld für eine Machbarkeitsstudie und erste Planungen bereitzustellen.
Der Müllberg in Troisdorf bekommt einen drei Meter dicken Deckel
Mit Verspätung begannen 2021 die Arbeiten mit dem Ziel, die Oberfläche der Deponie abzudichten. „Alle notwendigen Vorarbeiten sind erfolgt“, verkündete im Februar jenes Jahres die Firma Steag, Mutterkonzern des Betreiberunternehmens Mineral Plus. Aber auch in der Zeit seit dem ursprünglich geplanten Baubeginn 2017 sei man nicht untätig gewesen, sagte Sprecher Daniel Mühlenfeld.
Vorarbeiten an der Zufahrt seien notwendig gewesen, aber auch die Vorbereitung des Bodens auf dem Deponiegelände. Sieben bis acht Jahre Bauzeit seien geplant, die gesamte Deponie erhalte einen drei Meter dicken Deckel. Bestehend zunächst aus einer Ausgleichsschicht, dann einer Gasdrainage und einer Dichtung aus Ton, auf die eine Kunststofffolie folge, wie 2019 ein Vertreter von Mineral plus erklärte.

Die Sondermülldeponie im Spicher Wald wird geschlossen
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Diese wird dann mit einer zwei Meter dicken Erdschicht für die Rekultivierung bedeckt. Eingearbeitet wird auch eine elektronische Dichtungskontrollschicht, mit der sich auf 20 Quadratmetern genau ein mögliches Loch in der Dichtung nachweisen lässt.
Mindestens 35 Jahre Nachsorge für Sickerwasser- und Grundwassermessungen
Mineralplus steht auch nach dem Ende des Deponiebetriebs noch für Jahrzehnte in der Verantwortung: Mindestens 35 Jahre Nachsorge für Sickerwasser- und Grundwassermessungen müsse das Unternehmen leisten, sagte schon 2017 Geschäftsführer Detlef Heine. „Meistens aber 15 Jahre mehr.“
Dann dürfte in Troisdorf das Kapitel Sondermülldeponie wohl endgültig geschlossen werden. Im Juni 2022 hatte Mineralplus noch einmal einen Vorstoß unternommen, doch noch eine Verlängerung zu erreichen.„Einig wie wohl noch nie“, so damals der Berichterstatter, waren sich die Fraktionen im Stadtrat: Einstimmig lehnten sie das Ansinnen ab. Bürgermeister Alexander Biber (CDU) drohte damals sogar mit einer Millionenklage gegen den Deponiebetreiber, falls der seinen Vertrag nicht erfülle.
