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Seit März gibt es das InselcaféAuf dieser Insel in Troisdorf können Trauernde reden – oder schweigen

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Eine Frau mit langen grauen Haaren sitzt an einem kleinen Tisch unter Bäumen.

Das Inselcafé für Trauernde hat Conny Ihnken-Gutermuth in Troisdorf inittiert. 

Seit dem 1. März öffnet alle 14 Tage sonntags das Inselcafé für Trauernde. Eine klassische Trauergruppe soll es aber nicht sein.

„Niemand ist eine Insel“, hat der englische Dichter John Donne im Jahr 1624 geschrieben. Und: „Jeder ist Teil eines Ganzen“. Im Leben von Conny Ihnken-Gutermuth indes gibt es Tage, an denen sie sich genau so fühlt. Als die Insel, auf der sie gestrandet ist, während das Leben der Welt an ihr vorbeiströmt. Dann wird die Trauer um ihren Mann übermächtig, der im August 2024 gestorben ist.

Es gibt aber auch das Inselcafé, das Ihnken-Gutermuth initiiert hat und das sie seit dem 1. März regelmäßig öffnet: Alle 14 Tage sonntags in den ungeraden Kalenderwochen kommen im Evangelischen Gemeindehaus an der Kronprinzenstraße in Troisdorf Menschen zusammen, die trauern. Dort treffen Ihnken-Gutermuth und die beiden anderen Frauen, die sich bereiterklärt haben zu einem Gespräch, Leute, denen sie sich nicht erklären müssen. Und Menschen, die sich, so Gutermuth, „mit guten Ratschlägen extremst zurückhalten.“

Ratschläge sind Bauchschläge
Conny Ihnken-Gutermut, Initiatorin des Inselcafés

Geh doch mal wieder raus, schau nach vorn. Du könntest dich im Fitness-Studio anmelden, im Chor singen. „Ratschläge sind Bauchschläge“, kommentiert Conny Ihnken-Gutermuth diese Empfehlungen, die auch ihre Gegenüber reichlich gehört haben. Dass ihnen das Vorgeschlagene vielleicht gut tun würde, wissen sie selbst. Aber manchmal geht es einfach nicht.

„Was es eigentlich braucht, ist jemand, der die Trauer mit einem aushält“,sagt die 63-jährige Conny. Jemand, der mit dem oder der Trauernden schweigt. Oder der sagt: „Komm, wir machen das gemeinsam.“ Dass die Besucherinnen und Besucher des Cafés solche Kontakte knüpfen können, wünscht sich die Initatiorin.

Das Inselcafé ist ein Angebot des Stadtteilzentrums Troisdorf

Schnell habe sie selbst nach dem Tod ihres Mannes gemerkt, dass ihr die Begegnung mit Menschen wichtig war, „die wissen, was das bedeutet". Zugleich suchte sie aber auch Kontakte, die nichts mit Trauer zu tun haben. Seit Februar 2025 engagiert sich die 63-Jährige im Kirchencafé der Gemeinde, bei Pfarrer Sebastian Schmidt fand sie ein offenes Ohr, als sie ihre Idee des Inselcafés vortrug.

„Es ist kein religiöses Angebot“, betont Schmidt, es ist ein Angebot des Stadtteilzentrums im Johanneshaus. Und es ist auch keine Trauergruppe mit professioneller Betreuung. „Einfach dazukommen“ sollen die Interessierten, betont Conny Ihnken-Gutermuth. „Denn bei aller Trauer brauchen wir alle auch wieder Normalität“. 

32 Menschen standen vor der Tür, als am 1. März das erste Inselcafé stattfand, inzwischen hat sich die Zahl bei etwa zehn Personen pro Treffen eingependelt. Wer kommt, ist da. Eine Anmeldung gibt es ebenso wenig wie die Notwendigkeit, abzusagen. „Wenn der Kuchen alle ist, dann ist er eben alle“, sagt die Initiatorin.

Mancher Gast hat zuvor kaum noch das Haus verlassen

Ob sie kommt oder nicht, sei sehr von der Tagesform abhängig, sagt Ihnken-Gutermuths Gegenüber, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Und die Dritte im Bunde an diesem Vormittag – auch sie bleibt lieber anonym – bestätigt das: Manchmal sei sie die ganze Woche davon überzeugt, am Sonntagnachmittag ins Johanneshaus zu kommen. Doch dann stelle sie am Morgen fest „es geht nicht“. 

Jedes Mal ist jemand zum ersten Mal dabei, wenn das Café mit den schön eingedeckten Tischen öffnet: darunter eine Trauernde, die schon viele Anlaufstellen vorher „ausprobiert“ hat. Mit dabei ist die Frau, die zuvor ein ganzes Jahr ihre Wohnung fast nicht verlassen hat. Oder der ältere Mann, der ebenfalls kaum mehr vor die Tür kam.

Seit dem 1. März findet alle 14 Tage sonntags in den ungeraden Kalenderwochen das Inselcafé im Johanneshaus an der Kronprinzenstraße in Troisdorf statt

Schön eingedeckte Tische warten auf die Gäste des Inselcafés.

Mehrheitlich sind es die Frauen, die kommen. „Es liegt auch daran, dass die Frauen ofter übrig bleiben“, vermutet die Frau mit dem grauen Kurzhaarschnitt. Frauen seien aber „eher in der Lage, mit ihren Gefühlen nach draußen zu gehen“, glaubt Conny Ihnken-Gutermuth. Verwitwete Männer gingen auch mit der Trauer oftmals rationaler um, die erzählen eher auf einer sachlichen Ebene. „Sie sind sehr oft aus der Generation Männer weinen nicht“, weiß ihr Gegenüber. 

Willkommen ist in Troisdorf auch, wer nichts sagen möchte

Für alle beginnt der Nachmittag mit einem Stück Kuchen. Jeder und jede kann in Ruhe erst einmal ankommen. Niemand werde gefragt, warum er da ist, wen oder was er verloren hat. „Weil es darum nicht geht“, betont die Initiatorin. Neugier von außen gehöre nicht zur angestrebten Normalität, zu der Leichtigkeit, die das Café vermitteln soll. Viele der Gespräche kreisten auch nicht um die Trauer. Willkommen ist aber auch, wer nichts sagen möchte.

Dass die Treffen immer an einem Sonntag stattfinden, ist kein Zufall. „Wir haben alle gelernt, dass die Wochenenden lang und leise und einsam sind“, sagt Ihnken-Gutermuth. Da ist das Café eine schöne und noch dazu niederschwellige Ablenkung. „An Pfingsten ist Kirmes bei uns im Ort“, erzählt eine 73 Jahre alte Teilnehmerin. Auch solchem Rummel geht sie gerne aus dem Weg.

Im Zweifelsfall würde das Inselcafé  auch an Heiligabend öffnen

Inzwischen  hat Initiatorin Ihnken-Gutermuth tatkräftige Unterstützung gefunden. Eine Teilnehmerin backt ehrenamtlich den Kuchen, zwei weitere haben sich angeboten, die Troisdorferin zu vertreten, wenn sie – wie im Juli geplant – einmal im Urlaub ist. Denn eines hat sich Conny Ihnken-Gutermuth fest vorgenommen: An keinem der turnusmäßig anstehenden Termine soll das Insel-Café ausfallen. „Auch wenn es Heiligabend ist.“

Das Inselcafé im Johanneshaus, Kronprinzenstraße 14, ist sonntags in den ungeraden Kalenderwochen von 14.30 bis 17 Uhr geöfffnet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Das Johanneshaus ist barrierefrei. Weitere Auskunft online.