Nach der Kündigung der städtischen Zuschüsse geht der Ortsverein finanziell schwierigen Zeiten entgegen.
BegegnungsstätteAwo macht ein Angebot gegen die Einsamkeit in Troisdorf

Der Vorstand der Awo Troisdorf-Mitte gibt nicht auf (von links): Alfons Romberg, Gabi Jaax und Bernhard Kühne.
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„Wir machen nicht zu“, versichert fast trotzig Alfons Romberg. Aber als Kassierer des Ortsvereins Troisdorf-Mitte der Arbeiterwohlfahrt weiß er auch genau, dass dessen Zukunft seit dem 1. Januar deutlich düsterer aussieht als zuvor. Nachdem die Awo bei der Ausschreibung des Stadtteilzentrums für die Innenstadt nicht zum Zuge gekommen war, hatte die Stadt ihre Zuschüsse am Jahresende auslaufen lassen.
Stadt Troisdorf beendete Zahlungen am Jahresende
1000 Euro zuzüglich der Miete für die Begegnungsstätte am kleinen Durchgang zwischen dem Wilhelm-Hamacher-Platz und der Kölner Straße machten die städtischen Zahlungen an die Awo aus. Die Kleiderstube gleich nebenan indes trägt sich komplett selbst. „Wir können noch eine Zeitlang durchhalten“, sagt die Awo-Vorsitzende Gabi Jaax; „wir müssen uns aber etwas überlegen.“ Auf keinen Fall wollten sie der Angestellten kündigen.
Mehr als 30 Stunden in der Woche ist – nicht zuletzt dank der Beschäftigung der hauptamtlichen Kraft – die Begegnungsstätte geöffnet, die nach Agnes Klein benannt wurde: Sie war es, die Ende der 1940er Jahre nach dem Krieg die um 1920 gegründete Arbeiterwohlfahrt wieder belebte. Erste Treffen fanden in privaten Wohnungen statt, später wurde eine Wohnung der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft an der Bodelschwinghstraße die erste Begegnungsstätte.
1998 zog die Awo mit ihren vielen Aktivitäten in ein ehemaliges Brautmodengeschäft. Hier gibt es einen größeren Raum einschließlich Küchenzeile, außerdem einen kleinen Raum für die Treffen verschiedener Gruppen. Ein kleines Büro und ein kleiner Hof samt Pavillon im Freien komplettieren die nutzbaren Flächen. Vollständig barrierefrei waren die Räume von Anfang an, sagt Gabi Jaax nicht ohne Stolz.
Für den Spanischzirkel in Troisdorf wird noch eine Leitung gesucht
Bunt ist das Programm, das hier jede Woche geboten wird: Hier treffen sich Interessierte zum Sprachzirkel für Niederländisch und Englisch; „für Spanisch suchen wir wieder jemanden“, berichtet Alfons Romberg. Jede Woche gibt es Bingo, ein Klassiker ist die offene Gruppe am Dienstagnachmittag. „Die gab es schon in der Bodelschwinghstraße.“ Seit 20 Jahren wird die regelmäßige Seniorengymnastik angeboten, seit 2019 trifft sich die Doppelkopf-Runde.
„Wir suchen immer nach neuen Angeboten“, sagt Gabi Jaax, und sie betont: „Wir gehen auf die Wünsche der Mitglieder und Besucher ein.“ Dank guter Verbindungen zum Kreisverband der Awo und zu anderen Anlaufstelle könnten die fast aussschließlich ehrenamtlich Aktiven zudem vielen Ratsuchenden weiterhelfen. Ausflüge, gemeinsame Reisen und Konzerte stehen ebenfalls im Jahresprogramm.
Wir sind offen für alle, die das Grundgesetz achten und andere Menschen oder Gruppen nicht ausgrenzen
Rund 120 Personen besuchen jede Woche die unterschiedlichen Gruppen, rechnen Jaax, ihr Stellvertreter Bernhard Kühne und Romberg zusammen. Durchschnittlich 40 Personen nehmen außerdem an verschiedenen Angeboten teil, für die die Awo nur den Raum bereitstellt. Einzige Bedingung für den Besuch: „Wir sind offen für alle, die das Grundgesetz achten und andere Menschen oder Gruppen nicht ausgrenzen.“
Trotz der finanziell ungewissen Zukunft hat der Awo-Ortsverein Troisdorf Mitte auch noch Pläne. „Wir möchten ein regelmäßiges Sonntagscafé anbieten“, sagt die Vorsitzende Gabi Jaax. Alfons Romberg würde sich auch freuen, wenn mehr junge Leute die Arbeit mittrügen. „Das Ehrenamt bewegt sich meistens im Rentenalter.“ Unverrückbar ist aber bei allem Wandel das hauptsächliche Ziel: „Wir machen ein Angebot, damit die Leute nicht vereinsamen.“
