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Landesamt bestätigt Sichtung in Troisdorf„Ja, es war ein Wolf!“

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In Troisdorf, im Stadtteil Friedrich-Wilhelms-Hütte haben Anwohnerinnen am Morgen (19. Januar) einen  Wolf gesehen und fotografiert, der aus Richtung Wohngebiet über den Siegdamm und das Feld und Richtung Sieglarer See lief. Das Lanuk bestäigte die Sichtung mittlerweile.

In Troisdorf, im Stadtteil Friedrich-Wilhelms-Hütte haben Anwohnerinnen am Morgen (19. Januar) einen  Wolf gesehen und fotografiert, der aus Richtung Wohngebiet über den Siegdamm und das Feld und Richtung Sieglarer See lief. Das Lanuk bestäigte die Sichtung mittlerweile.

Anhand der Fotos, die Anwohnerinnen am Montag, 19. Januar, gemacht hatten, konnte das Lanuk bereits bestätigen, dass auf dem Siegdamm ein Wolf unterwegs war.

Bei dem großen Tier, das mehrere Anwohnerinnen und Anwohner im Troisdorfer Stadtteil Friedrich-Wilhelms-Hütte über den Siegdamm haben laufen sehen, handelt es sich tatsächlich um einen Wolf. Das haben Fachleute des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (Lanuk) anhand der ihnen eingesandten Fotos bestätigt, wie Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia auf Anfrage mitteilte.

Am Montagmorgen, 19. Januar, begegneten mehrere Menschen dem Wolf. Anscheinend sei er aus der Wohngegend gekommen, beschrieb es Sonja Hirschberger, die um 8.15 Uhr mit einer Freundin und zwei Hunden spazieren ging. „Sehr entspannt“ habe das Tier den Siegdamm überquert und sei dann über die Wiese Richtung Sieglarer See gelaufen. 

Bei dem Troisdorfer Wolf könnte es sich um ein Jungtier auf der Suche nach einem eigenen Revier handeln

Ob es sich bei dem Tier um einen Rüden oder eine Fähe, also einen weiblichen Wolf, handelte, habe sie in der Aufregung nicht sehen können. Und auch die Wolfsexperten des Lanuk hätten keine nähere Einordnung treffen können, sagt Kaiser de Garcia. „Ja, es war ein Wolf. Geschlecht oder Alter waren aber nicht zu definieren.“

Die Vermutung liegt dennoch nahe, dass es sich um ein Jungtier gehandelt haben könnte. „Es sind aber derzeit vermehrt jüngere Tiere unterwegs“, sagt die Sprecherin des Landesamts. Daher würden auch landesweit vermehrt Sichtungen gemeldet. „Das sind anderthalb bis zwei Jahre alte Jungtiere, die ihr elterliches Rudel verlassen und sich auf die Suche nach einem Geschlechtspartner und einem neuen Standort begeben.“

Über ein Feld lief der Wolf schließlich in Richtung Sieglarer See.

Über ein Feld lief der Wolf schließlich in Richtung Sieglarer See.

Auch der Eindruck der Spaziergängerinnen, dass der Wolf wenig Scheu gezeigt habe, könne die Vermutung stützen, dass es sich um ein junges Tier gehandelt haben könnte. „Er hat wohl eher weniger Erfahrung“, schätzt Kaiser de Garcia. „Wölfe meiden Menschen.“ Warum es immer wieder Sichtungen der großen Raubtiere in Städten gebe, liege daran, dass sie Autos und Häuser nicht mit Menschen in Verbindung brächten. „Deswegen gerät ein Wolf auf der Wanderschaft in besiedelte Strukturen, weil er da keine Menschen erwartet. Der Mensch selber, der Geruch – da hat ein Wolf eine natürliche Scheu.“

In der Hinterlassenschaft eines Wolfes sind Knochen und Fellreste zu erkennen

Woher das Tier stamme, dessen Auftauchen in Friedrich-Wilhelms-Hütte nun amtlich bestätigt wurde, könne man allerdings nicht sagen: Ist es ein Jungtier des Leuscheider Rudels, oder  hat es auf seiner Wanderschaft bereits eine weite Strecke zurückgelegt? „Man kann nur über DNA-Proben nachweisen, um welches Tier es sich handelt“, erläutert Kaiser de Garcia. „Fellreste, Kotproben, im schlimmsten Fall eine Bissspur von einem Tierriss – das kann man genetisch analysieren und Verwandtschaftsbeziehungen nachweisen.“ Es gebe mittlerweile eine „riesige“ Datenbank.

Die Hinterlassenschaft eines Wolfs unterscheide sich deutlich von der eines Hundes, sagt die Sprecherin. „Hunde werden gefüttert, so sehen auch die Hinterlassenschaften aus, eine homogene Masse. Bei Wölfen sieht man in den Losungen auch Fell und Knochenreste. Wölfe machen auch gerne da, wo es gut sichtbar ist.“

In NRW eingesandte Proben werden vom Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen analysiert, das die größte Datenbank zur Genetik der Wölfe in Deutschland unterhält und mit anderen Instituten europaweit in Beziehung steht. Die in NRW gefundenen Spuren werden analysiert und mit anderen schon vorher gefundenen genetischen Wolfsspuren aus Deutschland und Europa verglichen. So können Wanderbewegungen der Wölfe nachvollzogen werden. Denn zwei Arten von Wölfen siedeln sich wieder in Deutschland an, wo sie seit fast 180 Jahren ausgestorben waren: der alpine Wolf aus dem Süden und Tiere aus Osteuropa. Anhand von Genanalysen sei nachzuweisen, welchen Ursprung die Tiere hätten. Das lasse Rückschlüsse auf die Entwicklungen der Wolfspopulation zu, so wisse man, dass in NRW mehr aus Osteuropa eingewanderte Tiere heimisch seien.

Die Sichtung eines mutmaßlichen Wolfs im Dezember in Sankt Augustin-Hangelar habe bislang noch nicht bestätigt werden können, so die Lanuk-Sprecherin. „Das liegt bei anderen Fachleuten.“