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Straßen vergleichsweise sicherVerkehsunfallbilanz – Weniger Unfälle in Rhein-Sieg, aber mehr Verletzte

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Am Bahnübergang Frankfurter Straße/An der Brölbahn ist im Mai 2025 ein Radfahrer von einem Güterzug erfasst und tödlich verletzt worden.

Am Bahnübergang Frankfurter Straße/An der Brölbahn ist im Mai 2025 ein Radfahrer von einem Güterzug erfasst und tödlich verletzt worden.

Von den sieben im Verkehr getöteten Menschen kamen allein vier an Bahnübergängen ums Leben. Die Zahl der Leichtverletzten stieg um 8,2 Prozent.

Die Zahl der von der Polizei registrierten Verkehrsunfälle im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis ohne Bad Honnef und Königswinter ist im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent gesunken – auf exakt 9768 Fälle. Gleichzeitig stieg die Zahl der Verunglückten um 7,2 Prozent: Insgesamt wurden 1500 Menschen verletzt, sieben von ihnen so schwer, dass sie starben.

Das geht aus der polizeilichen Verkehrsunfallbilanz 2025 hervor, die am Mittwoch, 11. März, veröffentlicht wurde.

Die Kreispolizei startete die Aufklärungskampagne "Bleib stehen, bleib am Leben" am Bahnübergang Bröltalstraße in Hennef.

Die Kreispolizei startete die Aufklärungskampagne "Bleib stehen, bleib am Leben" am Bahnübergang Bröltalstraße in Hennef.

Dennoch sind Verkehrsteilnehmende auf den Straßen im Kreis vergleichsweise sicher unterwegs. Darauf weist die sogenannte Unfallhäufigkeitszahl hin – sie gibt die Zahl der Unfälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner an. Für die Region an Rhein und Sieg liegt sie bei 2591, landesweit in Nordrhein-Westfalen bei 3638. Im Vergleich der 47 Polizeibehörden belegt die Kreispolizei damit den dritten Platz.

Landrat Sebastian Schuster dankte den Bürgerinnen und Bürgern, die durch umsichtiges Verhalten zu mehr Sicherheit beitrügen. „Rücksicht, Aufmerksamkeit und die Einhaltung der Verkehrsregeln sind entscheidende Faktoren, um Unfälle zu vermeiden und Leben zu schützen“, so Schuster. Zugleich lobte er die Arbeit seiner Mitarbeitenden, die sich täglich für die Verkehrssicherheit engagieren.

In Neunkirchen-Seelscheid sind im Februar 2025 zwei Autos frontal zusammengestoßen.

In Neunkirchen-Seelscheid sind im Februar 2025 zwei Autos frontal zusammengestoßen.

Die Zahl der tödlich Verunglückten ist zwar rückläufig: Statt elf im Jahr 2024 waren es im vergangenen Jahr sieben. Auffällig ist jedoch, dass vor allem Verkehrsteilnehmende zu Fuß oder auf Zweirädern betroffen waren. Vier der Todesopfer starben an Bahnübergängen, darunter ein 73 Jahre alter Radfahrer. Alle hatten versucht, trotz geschlossener Schranke oder Halbschranke die Gleise zu überqueren. Ein Rollstuhlfahrer und ein Pedelecfahrer kamen ebenfalls ums Leben. Als einziger Insasse eines Autos starb ein Beifahrer bei einem Unfall in Neunkirchen-Seelscheid.

Die Behörde hat auf den besorgniserregenden Trend reagiert und die Kampagne „Bleib stehen – bleib am Leben“ gestartet. Der Slogan wurde vor Bahnübergängen auf Gehwege gesprüht. Zudem überwacht die Polizei diese Bereiche verstärkt und ahndet Verstöße konsequent. Beim offiziellen Start der Aktion erwischten die Beamten gleich eine Jugendliche, die kurz vor einem herannahenden Zug die Gleise überquerte. Parallel veröffentlicht die Polizei Beiträge und Videos in den sozialen Netzwerken.

Bahnübergänge verzeihen keine Fehler. Lieber spät ankommen als nie.
Stephanie Spengler, Leiterin der Direktion Verkehr

Die Leiterin der Direktion Verkehr, Polizeirätin Stephanie Spengler, warnte eindringlich: „Bahnübergänge verzeihen keine Fehler. Züge können weder ausweichen noch schnell bremsen. Lieber spät ankommen als nie.“ Gleichzeitig konnte sie Positives berichten: Weniger Kinder verunglückten insgesamt. Doch auch diese Entwicklung hat eine Kehrseite: Bei Unfällen mit Fahrrädern und E-Scootern wurden jeweils elf Kinder mehr leicht verletzt als im Vorjahr.

Insgesamt ist die Zahl der Verletzten, insbesondere durch Elektrokleinstfahrzeuge wie E-Scooter, deutlich gestiegen. Sechs Menschen wurden schwer verletzt – vier mehr als 2024 – und 80 leicht, nach 37 im Vorjahr. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Jugendlichen: Hier stieg die Zahl der Verunglückten auf 18, ein Anstieg um 13 Opfer. Die Polizei setzt daher verstärkt auf Prävention und Aufklärung.

Weniger Verletzte bei Pedelec-Fahrenden

Bei Unfällen mit Radfahrenden stieg die Zahl der Verletzten um rund zehn Prozent auf 273, zwei Menschen starben an den Folgen. Besonders betroffen waren Jugendliche, junge Erwachsene und Erwachsene. Erfreulich ist die Entwicklung bei Pedelec-Fahrenden, es gab acht Verletzte weniger.

Seniorinnen und Senioren waren 2025 als Autofahrende deutlich häufiger unter den Verletzten: Die Zahl stieg von 63 auf 91. Auch bei Motorradfahrenden gab es ein Plus, von 87 auf 98. Bei den Schwerverletzten war dagegen ein Rückgang zu verzeichnen: Sieben weniger als im Vorjahr, also 18 statt 25. Todesfälle gab es keine.

Auf Platz zwei der Unfallursachen steht unangepasste Geschwindigkeit

Die häufigste Unfallursache waren Vorfahrts- und Vorrangverletzungen, verantwortlich für rund ein Fünftel aller Unfälle. An zweiter Stelle lag nicht angepasste Geschwindigkeit mit etwa 15 Prozent. Mit zwölf Prozent führten falsches oder unachtsames Abbiegen zu Zusammenstößen. Weitere Regelverstöße, Fehleinschätzungen oder Ablenkungen folgten auf den Plätzen dahinter.

Die Kreispolizei setzt neben Kontrollen auch auf Prävention und Aufklärung. Dazu zählen Verkehrserziehung in Kitas und Grundschulen, Schulwegtrainings für Erstklässler, Fahrradtrainings und -prüfungen für Viertklässler, der Crash-Kurs NRW, Schulungen zum „Toten Winkel“ sowie Rad- und Pedelec-Trainings für Seniorinnen und Senioren.

Eine halbe Schulklasse kann sich in einem toten Winkel eines Lastwagens verstecken.

Eine halbe Schulklasse kann sich in einem toten Winkel eines Lastwagens verstecken.

Einen besonderen Schwerpunkt legt die Polizei auf die Verkehrsunfallnachsorge. Die Spezialisten für Opferschutz nehmen proaktiv Kontakt zu Betroffenen und Angehörigen auf und bieten ihnen gezielte Unterstützung an.