Bodyguard und SexsymbolDer geheime Schatten des Präsidenten – Wer ist der Mann an Selenskyjs Seite?

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Wolodymyr Selenskyj (vorne), Präsident der Ukraine, besucht im April 2021 – Monate bevor Wladimir Putin seinen Angriff startete, die Region Donezk. Begleitet wird er wie immer von Maxim Donez.

Wolodymyr Selenskyj (vorne), Präsident der Ukraine, besucht im April 2021 – Monate bevor Wladimir Putin seinen Angriff startete, die Region Donezk. Begleitet wird er wie immer von Maxim Donez.

Wo Selenskyj ist, da ist auch Maksim Donez. Der 45-jährige Bodyguard ist inzwischen zum Tiktok-Star und Frauenschwarm geworden.

Es gibt kaum ein Foto des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, auf dem sein Leibwächter nicht zu sehen ist. Meist unscharf im Hintergrund, wenige Meter vom Präsidenten entfernt, die Umgebung genau im Blick. Maksim Donez weicht Selenskyj nicht von der Seite. Sei es beim Besuch der ukrainischen Armee an der Frontlinie, an den Schauplätzen der schlimmsten Gräueltaten der russischen Besatzer oder beim Kurztrip in die USA zu Joe Biden: Der 45-jährige Personenschützer ist immer dabei.

Doch Donez ist längst nicht mehr nur Selenskyjs Leibwächter, sondern auch ein Tiktok-Star. Auf der Social-Media-Plattform gibt es unzählige Videos, die ihn an der Seite des ukrainischen Präsidenten zeigen. Die kurzen Tiktok-Clips auf den Fanseiten, die nicht Selenskyj, sondern Donez in den Mittelpunkt stellen, wurden inzwischen millionenfach angeklickt. Die größte Fanseite, die Donez für seine „maskuline Art“ und seine Professionalität umschwärmt und den Tiktok-Hype um ihn losgetreten hatte, veröffentlichte das erste Video im Oktober 2022. Es zeigt Donez beim Schwimmen und ist überschrieben mit den Worten „Selenskyjs Leibwächter Maksim ist 🔥“. Einige Medien bezeichnen ihn inzwischen als „Sexsymbol“.

Selenskyjs Leibwächter: Tiktok-Star, Frauenschwarm, Lebensversicherung

In einem anderen Fanvideo, das den Leibwächter bei seiner Arbeit zeigt, wird die Frage gestellt: „Wer ist euer Lieblingsmitglied im Team Selenskyj?“ Die Antwort in den mehr als 1500 Kommentaren ist eindeutig: Maksim Donez. Der Leibwächter selbst hat keinen öffentlichen Tiktok-Account und ist auch auf keinen anderen Social-Media-Plattformen aktiv. Seine Fan-Community flutet das Internet dafür umso mehr mit Videos des Bodyguards. Einige ukrainische Medien bezeichneten ihn zuletzt als „Traummann“ vieler Frauen. Das Portal „Life“ schreibt: „Ukrainische Frauen haben einen neuen Schwarm – den Leibwächter von Selenskyj.“

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Donez ist die Lebensversicherung des Präsidenten. In der Öffentlichkeit zeigt er sich meist schwer bewaffnet, mit kugelsicherer Weste und im Camouflage-Outfit. Er beschützt den ukrainischen Präsidenten an den gefährlichsten Orten der Ukraine und war bereits im Wahlkampf 2019 an der Seite von Selenskyj zu sehen. Wenige Wochen später wurde er dann zum Leiter des Sicherheitsdienstes des Präsidenten ernannt. Über sein Privatleben ist nicht viel bekannt. Medienberichten zufolge stammt er aus der Region Dnipropetrowsk und hat an der Nationalen Wirtschaftsuniversität Kiews Ökonomie studiert. Unbestätigten Berichten zufolge ist er 45 Jahre alt, verheiratet und hat ein Kind. Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, ob es sich um eine Tochter oder einen Sohn handelt.

„Er kennt überall jeden“

Selenskyjs ehemalige Pressesprecherin Iuliia Mendel sagte dem US-Magazin „Newsweek“ über den Bodyguard: „Er ist super fleißig und dem Präsidenten sehr ergeben.“ Über Donez sei nicht viel bekannt, und was man wisse, dürfe man nicht sagen. „Er kennt überall jeden, er weiß, was als Nächstes passiert und kennt jeden Schritt des Präsidenten“, so Mendel. Selenskyj sei sehr flexibel und ändere oft seine Pläne. Das sei immer eine Herausforderung für Donez. „Aber er kommt damit zurecht und das zeigt, dass er ein echter Profi ist.“

Joe Biden (r), Präsident der USA, geht mit Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, während eines unangekündigten Besuchs an der Kathedrale mit der goldenen Kuppel von St. Michael. Im Hintergrund zu sehen: Maksim Donez.

Joe Biden (r), Präsident der USA, geht mit Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, während eines unangekündigten Besuchs an der Kathedrale mit der goldenen Kuppel von St. Michael. Im Hintergrund zu sehen: Maksim Donez.

Bevor Donez durch Präsident Selenskyj ins Rampenlicht rückte, war er der Leibwächter des ukrainischen Oligarchen Ihor Kolomojskyj. Dieser ist Unternehmer und Milliardär, Hauptgesellschafter einer Privatbank und im Besitz eines TV-Senders, für den Selenskyj vor seiner Präsidentschaft tätig war. Außerdem war Donez der Personenschützer des Geschäftsmanns und ehemaligen Gouverneurs der Region Odessa, Ihor Palytsia.

Bodyguard für trockenen Humor bekannt

Selenskyjs Büroleiter Andriy Yermak erzählte vor einiger Zeit von einem amüsanten Vorfall mit Donez. In einem Interview über den Besuch von Boris Johnson in Kiew berichtete Yermak, dass Johnson am Ende des Treffens Selenskyj gesagt habe, er würde gerne einen Spaziergang durch Kiew machen. Selenskyj habe sich daraufhin an Donez gewandt und ihn informiert, dass Johnson um einen Spaziergang bittet. Der Bodyguard habe mit ernster Miene geantwortet: „Dann lassen Sie Herrn Johnson spazieren gehen.“ Natürlich sind die beiden Staatschefs dann gemeinsam durch Kiew spaziert, Donez wie immer schwer bewaffnet an Selenskyjs Seite.

Bundeskanzler Olaf Scholz ist ebenfalls schon auf den Bodyguard getroffen, wie Fotos seines Besuchs in Kiew zeigen.

Doppelgänger von Selenskyj?

In Russland hat man Donez sogar schon einmal für einen Doppelgänger Selenskyjs gehalten. Wladimir Solowjow, einer der wichtigsten Propagandisten des Kremls, hatte vor einigen Tagen auf Telegram erklärt, er traue seinen Augen nicht, weil die Ähnlichkeit mit Selenskyj so groß sei, dass es sich um einen Doppelgänger handeln müsse. Doch bis auf die gleiche Frisur sind die Ähnlichkeiten eigentlich recht gering. Nachdem Solowjow darauf hingewiesen wurde, dass es sich um Selenskyjs Leibwächter handelte, löschte er seine Telegram-Nachricht wieder.

Dass Selenskyj noch am Leben ist, könnte auch Donez zu verdanken sein. Denn nach offiziellen Angaben hat es allein seit Februar 2022 mindestens zwölf versuchte Attentate auf den Präsidenten gegeben.

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