Sofern und sobald die Schweizer Finanzmarktaufsicht die Pläne des Netzwerk-Riesen billigt, bringt Facebook 2021 eine eingeschränkten Version der Digitalwährung „Libra“ auf den Markt. Das berichtet die „Financial Times“ (FT). Von der Idee, einen einzelnen Token herauszubringen, der von verschiedenen Währungen gedeckt wird, hat sich das Unternehmen aber offensichtlich zunächst verabschiedet. Stattdessen setzt Facebook auf erstmal auf eine Version, die 1:1 vom Dollar unterstützt wird, so die FT. Die anderen Versionen sollen später folgen.
Kryptowährung: Scholz begrüßt digitalen Euro
Das setzt die europäische Zentralbank und etliche nationale Notenbanken unter Druck, die fieberhaft an einem sogenannten E-Euro arbeiten. Der sollte eigentlich vor einer Privatwährung erscheinen. Erst vergangene Woche hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) in einer Web-Konferenz der Bundesbank gemahnt, man müsse „jetzt die Weichen stellen“. Scholz sagte weiter: „Unregulierte digitale Währungen sind keinesfalls eine Option“ mit Blick auf „Libra“. Er begrüße die Initiative der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine digitale Version des Euro. „Wir brauchen ausgewogene, aber schnelle Entscheidungen“, sagte Scholz.
Bei der EZB laufen bereits interne Tests mit einer Digitalwährung, zugleich können sich Bürger sowie Fachleute zum Für und Wider eines digitalen Euro äußern. Gegen Mitte 2021 will die Zentralbank über den Start eines digitalen Euro-Projekts entscheiden. Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen stünde ein digitaler Euro unter Aufsicht einer Zentralbank, die die Stabilität der Währung sichert. Andere Notenbanken sind bei dem Thema bereits weiter. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte auf derselben Konferenz, „der digitale Euro würde den Verbrauchern einen digitalen Anspruch auf die Zentralbank bieten, der so sicher wie Bargeld ist“. Weidmann betonte, ein solches Angebot ziele nicht darauf ab, Bargeld zu ersetzen. Auf jeden Fall müssten Vor- und Nachteile eines digitalen Euro sorgfältig abgewogen werden.
Instant Payments – EU-Standard Ende 2021?
Neben den Arbeiten an einem digitalen Euro gibt es weitere Initiativen in Europa: So will die EU-Kommission zum Beispiel sekundenschnelles Bezahlen – sogenannte Instant Payments – bis Ende 2021 in der ganzen Europäischen Union zum Standard machen. Auch Überweisungen in Länder außerhalb der EU sollen einfacher und billiger werden. Zudem wollen mehrere große Euro-Banken ein einheitliches europaweites System aufbauen, das Bezahlen per Karte und Smartphone abdeckt („European Payments Initiative“ – kurz EPI).
Hauptargument der Notenbanken und der EZB gegen „Libra“ und Co. ist es, Kryptowährungen nicht Privatunternehmen oder undemokratischen Regimes zu überlassen. (RND, dpa)
