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Beginn der PrüfungenWie sich Kölner Schülerinnen aufs Abi vorbereiten

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Layla Iman Oufkir, Abiturientin.

Der Abitur-Jahrgang in NRW ist in diesem Jahr zwar so klein wie noch nie, doch allein in Köln stehen in diesen Tagen für immerhin 2000 junge Menschen die Klausuren an. Zwei Abiturientinnen erzählen von ihren Plänen, Zielen und Wünschen.

Layla Iman Oufkir (18), Gesamtschule Köln-Rodenkirchen

Ich bin echt nervös. Schriftliche Prüfungen lagen mir noch nie. Mündliche Note eins, schriftlich drei – so war das bei mir fast immer. Am Freitag schreibe ich meine erste Prüfung: Leistungskurs Pädagogik. Da muss ich also das geballte Wissen von zwei Jahren Unterricht mitbringen. Den Gedanken finde ich einfach gruselig.

Früher habe ich noch mehr mit Prüfungsangst gekämpft. Als mich vor einer Klausur wieder einmal die Panik überkam, fragte mich eine Lehrerin: „Iman, stirbst du daran, wenn du nicht bestehst? Wäre es wirklich das Ende der Welt?“ Das hat mir geholfen. Ich denke immer noch daran, wenn eine Prüfung ansteht. Dann atme ich tief durch und sage mir: Es ist nur ein Blatt Papier. Es kann meinem Wert als Mensch nichts anhaben. Ich bin zudem Muslima. Mein Glaube hilft mir, den Leistungsdruck auszuhalten, herunterzukommen und loszulassen.

Mit dem Lernen habe ich vor drei Wochen angefangen – am letzten Tag vor den Osterferien, dem letzten Tag unserer Mottowoche. Seitdem habe ich täglich meist drei bis vier Stunden den Stoff wiederholt. Jetzt, wo die Prüfung näher rückt, lerne ich länger. Meine Freunde helfen mir sehr: Ich verstehe Zusammenhänge am besten, wenn jemand sie mir laut erklärt. Und eine gute Freundin kann am besten lernen, wenn sie Dinge laut erklärt. Das passt perfekt – wir lernen jetzt zusammen.

Mein zweiter Leistungskurs ist Englisch, die Klausur schreibe ich am 30. April. Zwei Tage vorher steht die Grundkursprüfung in Deutsch an. Meine mündliche Prüfung lege ich in Physik ab, der Mai wird für mich also sehr physiklastig. Mein Physiklehrer betreut auch die Schülervertretung, in der ich mich engagiere, er ist sehr nett; Ich hoffe einfach, er führt auch nett durch die Prüfung. Am meisten freue ich mich auf die Zeit nach den Prüfungen.

Weil dieses Jahr weniger Leute Abitur schreiben, war die Planung für unsere Abi-Feier deutlich einfacher: Viele schöne Locations waren noch nicht ausgebucht. Und ich freue mich auf meine Freizeit, auf die Wochen, in denen meine ältere Schwester zur Uni geht, meine zwei kleinen Brüder zur Schule und ich die Tage einfach mit meinen Freunden verbringen kann. Im Sommer fliege ich zu meinen Großeltern nach Marokko, genieße die Sonne und entscheide, wie meine Zukunft aussehen soll.

Darüber bin ich noch unentschlossen. Ich habe nicht einmal eine Tendenz, was ich im Herbst studieren könnte. Dabei bin ich meine Optionen schon intensiv mit einer Talentscoutin durchgegangen. Ich könnte viele Berufe und Studiengänge nennen, die nicht zu mir passen, aber was bringt mir das? Was meine berufliche Zukunft angeht, hoffe ich noch auf eine Erleuchtung.


Tárá Kurt (19), Trude-Herr-Gesamtschule Köln-Mülheim

Momentan bin ich bin viel entspannter als gedacht. Das verunsichert mich fast. Die Vorabiturphase fand ich sehr stressig – wieso empfinde ich die Zeit jetzt nicht so schlimm? Ich glaube, es liegt daran, dass ich jetzt mehr Freiheiten habe: Ich kann selbst entscheiden, wann und wie ich lerne.

Meine erste Prüfung schreibe ich am 22. April. Es ist Biologie – das Fach, vor dem ich am meisten Bammel habe. Man muss einfach viel auswendig lernen und Wissen auch anwenden. Seit zehn Tagen übe ich zwei bis sechs Stunden, weniger mit Lernzetteln, mehr mit Altklausuren. Nach der Bio-Prüfung habe ich sechs Tage Zeit, dann schreiben wir Deutsch. Zwei Tage später ist Englisch dran – mein zweiter Leistungskurs. Vor den beiden Fächern habe ich keine großen Sorgen. Gerade in Englisch bin ich ganz gut, da reichen mir drei bis vier Tage Vorbereitung.

Tárá Kurt, Abiturientin

Meine mündliche Prüfung habe ich erst im Juni, was bedeutet: Ich habe den ganzen Mai frei. Direkt nach den schriftlichen Prüfungen fahre ich mit meinen Freunden für eine Woche nach Italien, erst danach übe ich für die mündliche Prüfung in Pädagogik.

Momentan könnte ich einen Abitur-Schnitt von 1,2 bis 2,4 erreichen. Ich würde mich als eher stressresistent bezeichnen. Stress motiviert mich, ich brauche ihn, um voranzukommen. Wirklich gestresst bin ich nur, wenn mir neben Schule, Lernen, meinem Ehrenamt bei der Bezirksschülervertretung und meinen Nebenjob keine Zeit für soziale Kontakte bleibt. Das war bei den Vorabiklausuren der Fall.

Am schwierigsten finde ich beim Lernen den ersten Schritt: Die Überwindung, sich hinzusetzen und einfach anzufangen. Ich persönlich kriege das ganz gut hin, aber wünsche mir trotzdem, wir hätten das Lernen besser gelernt. Es wäre gut, wenn Lernstrategien stärker in den Schulalltag integriert werden.

Am meisten freue ich mich auf den Moment, wenn ich aus der Prüfung gehe und weiß: Ich habe alles hinter mir. Vor mir liegt die freie Zeit. Ein letzter Sommer, den meine Freunde und ich zusammen genießen können, bevor der nächste Lebensabschnitt beginnt. Ich freue mich auf das warme Wetter, aufs Am-Rhein-Sitzen ohne Prüfungsgedanken, auf das Nichtstun und Leben genießen.

Wir sind durch die Umstellung auf G9 ein kleiner Abiturjahrgang. Das nimmt mir etwas Druck: Der NC (Numerus Clausus) für einige Studiengänge könnte dieses und nächstes Jahr niedriger sein. Vielleicht mache ich nach dem Sommer ein FSJ in einer Förderschule. Dort habe mich bei einem Praktikum in der elften Klasse richtig wohl gefühlt. Vielleicht fange ich auch direkt mit dem Studium an. Ich schwanke noch zwischen Lehramt und Jura. Eigentlich wollte ich seit der Grundschule Lehrerin werden, doch mit der Zeit fühlte sich dieser Plan A immer mehr nach Plan B an. Ich will einfach wissen, ob Jura zu mir passt. Deshalb geht meine Tendenz dahin. Ich bin neugierig auf das Studium, das Uni-Leben und die Inhalte. Und mir gefällt der Gedanke, vielleicht in einigen Jahren als Staatsanwältin zu arbeiten.