- Alexander Wehrle ist weiter in China, um eine Einigung im Fall Modeste zu erwirken
- Die Zeit drängt, am Donnerstag schließt das Transferfenster
Köln/Tianjin – Die Zeit drängt. Alexander Wehrle weilt weiterhin in China. Der Geschäftsführer des 1. FC Köln wird auch an diesem Montag versuchen, in Tianjin zu einer Lösung im Transfertheater um Anthony Modeste zu gelangen. Denn bis Sonntag war dies noch nicht der Fall.
Am 31. Januar endet die Winter-Wechselfrist. Sollte der Stürmer, dessen Rückkehr von Tianjin nach Köln der FC am 17. November verkündet hatte, bis dahin keine Fifa-Spielberechtigung erhalten haben, wird der Franzose wohl frühestens im Sommer für Köln auflaufen dürfen. Gut möglich ist aber, dass Wehrle in China doch noch der Durchbruch in den Verhandlungen gelingt.
Wehrle kann in Tianjin der Durchbruch gelingen
Denn der FC sieht sich mit guten Karten im Verhandlungspoker. Wehrle hat bereits darauf verwiesen, dass Modeste seinen bis 2020 datierten Vertrag nach (dem liberalen) Schweizer Recht abgeschlossen und diesen auch so gekündigt hat. Und das, weil die Chinesen ihren „vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen sind“, wie es Modeste selbst erklärte.
Die Chinesen wiederum sprachen bisher von einem Vertragsbruch und akzeptieren die Kündigung nicht. Sie fordern als Entschädigung eine Ablösesumme, die rund zehn Millionen Euro betragen soll und von Modeste den Verzicht auf dessen Gehaltsforderungen. Angeblich geht es um irrwitzige 30 Millionen Euro.
Folgt man der Argumentationslinie des FC, hat Tianjin gar keine Rechte am Spieler mehr und kann von keinem Klub der Welt, also auch nicht vom 1. FC Köln, eine Ablöse einfordern. Denn dafür fehlt die rechtliche Grundlage. Ein entscheidender Teil der Lösung dürfte wiederum sein, dass Modeste auf weite Teile seine Forderungen verzichtet.
Die Verhandlungen sind allerdings noch komplizierter geworden, da es Wehrle nach der Inhaftierung von Shu Yuhui (50), dem milliardenschweren Boss des Gesundheitskonzern Quanjian und Geldgeber des Fußball-Klubs aus Tianjin, mit ganz neuen Ansprechpartnern zu tun hat. Der Klub befindet sich mittlerweile unter staatlicher Kontrolle und wurde in Tianjin Tianhai umbenannt. Und einige dieser neuen Bosse sind nicht nur im Fall Modeste offenbar noch nicht so ganz im Bilde.
Modeste droht mit dem Gang vor das Sportgericht
Der 30-jährige Franzose hat sich in der Nacht zum Samstag erstmals selbst öffentlich zu Wort gemeldet. Modestes Worte auf Instagram waren ein Mix aus Hilferuf, Anklage und Drohung. „Meine Leidenschaft, mein Beruf ist der Fußball. Während der nächsten sechs Monate nicht auf dem Platz zu sein, ist unvorstellbar“, schrieb Modeste auf Französisch.
Er bleibe über seinen Anwalt offen für eine Vermittlung, um den Konflikt zu beenden. Zugleich kündigte er aber juristische Konsequenzen an, wenn es zu keiner Einigung kommt. „Falls es vor dem 31. Januar 2019 keine Mediation gibt und der chinesische Klub die Situation nicht entschärft, so dass ich spielen kann, werde ich den Internationalen Sportgerichtshof Cas anrufen. Ich werde kämpfen und meinen Rechten Geltung verschaffen, denn ich habe meine Verpflichtungen gegenüber dem Klub stets respektiert, ohne Ausnahme“, betonte Modeste und schrieb sogar von einer „extremen Böswilligkeit“ der Chinesen.
Zwar erhöhte Modeste mit seinem Vorgehen den Druck noch einmal, ob er allerdings dem in China verhandelnden Wehrle einen Gefallen getan hat, ist zumindest fraglich.
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