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Interview

FC-Trainerin Britta Carlson
„Wir haben Bonucci und Chiellini bei uns“

6 min
Fussball, Olympia: Einkleidung der Frauen Fussball Nationalmannschaft fuer die Olympischen Spielen 2024 am 08.07.2024 auf dem Messegelaende in Duesseldorf. Katrhin Hendrich Deutschland, 03,hinten und Marina Hegering Deutschland, vorne auf dem Weg in die Messehalle. Foto: Kirchner-Media/TH *** Soccer, Olympic Dressing of the womens national soccer team for the Olympic Games 2024 on 08 07 2024 at the exhibition grounds in Duesseldorf Katrhin Hendrich Germany, 03 ,back and Marina Hegering Germany , front on the way to the exhibition hall Photo Kirchner Media TH Copyright: xKirchner-Media/THx

Kennen sich schon lange: Marina Hegering (vorne) und Kathy Hendrich, hier zusammen beim DFB

Am Samstag starten die FC-Frauen in Frankfurt in die neue Bundesliga-Saison. Mit dabei: ein extrem routiniertes Innenverteidigerinnen-Duo.

Frau Carlson, wie groß ist die Vorfreude auf den Saisonstart des 1. FC Köln am Samstag bei Eintracht Frankfurt (12 Uhr)?

Es ist immer schön, wenn die Woche vor dem Spieltag anfängt und wir nach einer langen Vorbereitung in die Spieltagsroutine kommen. Die Vorfreude ist groß. Wir haben ein schönes Auswärtsspiel mit einem starken Gegner. Nur ein Heimspiel wäre schöner gewesen.

Auf welchem Niveau sehen Sie Ihre Mannschaft?

Mit der Vorbereitung sind wir im Großen und Ganzen zufrieden, vor allem weil die   Spielerinnen alle extrem hart gearbeitet haben. Sie machen es uns Trainern gerade sehr schwer zu entscheiden, wer spielt und wer im Kader ist. Besser geht’s nicht. Wo man genau steht, kann man vorher immer ganz schwer sagen, auch wenn die Ergebnisse durchweg positiv waren und wir alle Gegner dominieren konnten. Mit Twente und Leuven haben wir bewusst Gegner mit internationaler Erfahrung gewählt. Jetzt kommt mit Eintracht Frankfurt noch einmal ein anderes Kaliber, das bereits Pflichtspiele in der Champions-League-Qualifikation absolviert hat. Trotz eines Kaderumbruchs konnte die Eintracht sich mit einigen Top-Spielerinnen verstärken und zeigt sich im gewohnten Spiel. Im letzten Jahr haben wir die Eintracht im Auswärtsspiel am Rande einer Niederlage gehabt, kennen sie gut und haben bei uns auch die Kaderqualität nochmal erhöhen können. Wir fahren gut vorbereitet nach Frankfurt.

Sie haben in der Vorbereitung mehrfach betont, dass es noch etwas dauern wird, bis alles richtig rund läuft.

Am ersten Spieltag ist man nie bei 100 Prozent, weder physisch noch taktisch. Man lernt von Spiel zu Spiel und in jeder Trainingseinheit dazu, findet sich immer mehr. Nach der ersten Abstellungsperiode hat man dann eine erste Standortbestimmung. Man braucht einfach ein bisschen Zeit, Abläufe zu festigen und auch die neuen Spielerinnen zu integrieren.

Der FC hat sich mit Platz sieben und 37 Punkten in der vergangenen Saison selbst eine hohe Messlatte gesetzt. Gibt es deshalb eine neue Erwartungshaltung?

Ja, aber eine schöne. Ich empfinde das nicht als Druck, sondern als Herausforderung, das zu bestätigen. Das haben wir uns auch als Ziel gesetzt: Wir wollen uns im Mittelfeld etablieren. Etablieren heißt zunächst einmal, das zu bestätigen, was wir in der vergangenen Saison erreicht haben. Das wird schwer genug, weil alle Klubs investieren. Ich freue mich darauf, dass wir jetzt anders wahrgenommen werden. Der nächste Schritt ist, die einzelnen Spielerinnen und somit auch das Team weiterzuentwickeln, noch dominanter und effizienter im eigenen Ballbesitz und Umschaltspiel zu werden.

Der FC war lange ein Fahrstuhlmannschaft, dann nur noch Abstiegskandidat – ist Köln inzwischen ein etablierter Bundesligist?

An dem Etablieren arbeiten wir noch. Wir sind uns aber sicher, dass wir uns mehr Respekt in der Liga verschafft haben. Ein wichtiger Baustein ist da unser Trainerteam, das überragende Arbeit leistet, mich in vielen Bereichen unterstützt und ergänzt. Wir wachsen stetig miteinander. Auch im Team um das Team haben wir extrem gute Leute, die für unsere Mannschaft und den FC brennen. Hinzu kommt unsere Sportdirektorin Nicole Bender-Rummler, die ständig daran arbeitet, die Infrastruktur zu verbessern, sei es bei der Kabine, beim sportlergerechten Essen oder um die allgemeinen Bedingungen weiter zu professionalisieren. Dieses Investment ist extrem wichtig. Gleichzeitig haben wir nach und nach die Kaderqualität erhöhen können. All das zusammen ist keine Leistung einer einzelnen Person. Es ist eine Gesamtleistung des Teams, des Vereins. Das Gesamtpaket macht es aus, dass man die nächsten Schritte machen kann. Nur so bekommt man auch eine gewisse Beständigkeit und macht die Entwicklung nicht allein von einer Trainerin oder einem Trainerteam abhängig. Wenn ein gesamter Verein diese Entwicklung möchte, eine klare strategische Ausrichtung hat und entsprechend investiert, ist das die Grundlage.

Britta Carlson, Trainerin des 1. FC Köln

Britta Carlson, Trainerin des 1. FC Köln

Wie nehmen Sie persönlich die Entwicklung des FC seit Ihrem Amtsantritt im Januar 2025 wahr?

Sehr positiv. Ich nerve die Verantwortlichen auch immer ein bisschen. Aber das gehört zu einer Entwicklung dazu. Ich glaube, der Verein hat mich auch deswegen bewusst geholt, weil ich einen ganzheitlichen Ansatz verfolge, der sich nicht nur auf die Mannschaft und das Training bezieht. Ich versuche, auch in anderen Bereichen zu unterstützen. Wir versuchen gemeinsam, überall Dinge anzupassen, zu verbessern und zu hinterfragen. Ich bin inzwischen etwas älter und habe Erfahrungen auf verschiedenen Positionen sowohl im Verein als auch auf Verbandsebene sammeln können. Das macht es einfacher Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Aber wie gesagt, erfolgreich ist man nur, wenn man vertrauensvoll zusammenarbeitet.

Der FC hat mit Kathrin Hendrich zum ersten Mal eine aktuelle deutsche Nationalspielerin verpflichtet.

Es ist schon etwas Besonderes. Kathy hat bei vielen Topvereinen auf höchstem Niveau gespielt und zuletzt noch Auslandserfahrung gesammelt. Das ist auch wichtig, um noch einmal persönlich zu wachsen. Sie ist nicht nur eine klasse Fußballerin, sondern auch ein unfassbar toller Mensch, die unsere Mannschaft aus dem letzten Jahr kennt. Da hatte sie sich bei uns fit gehalten. Die Verpflichtung hat sicherlich auch nach außen eine große Bedeutung, weil sie die Attraktivität des Vereins widerspiegelt. Darüber hinaus haben wir auch andere aktive und ausländische Nationalspielerinnen für uns gewinnen können. Dazu haben wir mit Caro Elsen, Jule Schiffarth, Alina Kerschbaumer und Merle Hokamp vielversprechende Talente. Wir wollen attraktiv für Spielerinnen werden, die sehen, dass hier ihr nächster Entwicklungsschritt möglich ist.

Hendrich oder Marina Hegering – wer trägt die Kapitänsbinde?

Wir haben nichts geändert. Marina und Laura Feiersinger bleiben Kapitäninnen.

Sie haben damit in der Innenverteidigung auf jeden Fall das routinierteste Duo. Haben Sie auch das beste Duo der Bundesliga?

Das würde uns sehr freuen. Wir haben mit einem Augenzwinkern gesagt, dass wir Bonucci und Chiellini bei uns haben, was mit Blick auf das Alter und die Erfahrungswerte sicherlich nicht so verkehrt ist. Ob das am Ende das beste Duo oder vielleicht sogar ein bestes Trio geben wird, werden wir sehen. Alle im Team haben sich gefreut, dass sie da ist, auch wenn das natürlich auch mehr Konkurrenz bedeutet. Kathy ist sehr schnell hier rein- und angekommen und trotzdem muss sich auch Kathy ihren Platz hart erarbeiten. Wir haben mit Elise Stenevik, Amelie Bohnen, Merle Hokamp und Celina Degen weitere richtig gute Innenverteidigerinnen.

Ist Hendrich schon bereit für die Startelf?

Lassen wir uns überraschen.

Mit welchem Ziel gehen Sie in die neue Saison? Ist ein Angriff auf die Top 3 realistisch?

Wir wollen erstmal das bestätigen, was wir erreicht haben. Ein Angriff auf die Top 3 ist nicht unser Ziel. Ich hätte natürlich nichts dagegen, wenn wir am Ende der Saison weiter oben stehen als im letzten Jahr. Für uns geht es zunächst darum, dass wir uns im Mittelfeld der Liga etablieren. Das ist unsere Herausforderung und unser Primärziel. Am Ende des Kalender-Jahres werden wir unsere Ziele noch einmal anschauen und gegebenenfalls neu bewerten oder anpassen. Wir haben gemeinsam Etappenziele und ein Halbjahresziel formuliert.

Welches Potenzial sehen Sie mittel- und langfristig beim FC?

Wir wollen den Blick nach oben richten. Das hängt auch davon ab, wie sich die Dinge verändern und wie viel der Verein weiterhin bereit ist zu investieren. Man sieht, wie stark der Frauenfußball wächst, wie sich die Infrastruktur und die Kaderqualität entwickeln. Ich denke, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Mir gefällt, dass der FC nachhaltige, überlegte Schritte angeht. Das macht mehr Sinn, als etwas von heute auf morgen aus dem Boden zu stampfen. Auch in die Infrastruktur der Nachwuchsakademie wird weiter investiert, sodass wir auch in Zukunft immer wieder Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs in der Bundesliga-Mannschaft sehen werden.