Nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach steckt der 1. FC Köln weiter tief im Abstiegskampf, Geschäftsführer Thomas Kessler verweigert ein Bekenntnis zu Trainer Lukas Kwasniok
Analyse des DerbysKessler verzichtet auf stützende Worte – Kwasniok wackelt

Lukas Kwasniok erlebte einen fordernden Tag im Rhein-Energie-Stadion. Der Trainer steckt in einer tiefen Krise.
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Das Wichtigste zuerst
Das rheinische Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach ist am Samstag in Müngersdorf ohne Sieger geendet. Am Ende eines Spiels, das zwar ereignisreich war, jedoch qualitativ eher der wackligen Tabellenposition beider Mannschaften entsprach, stand ein 3:3 (2:2), das beide Mannschaften nur bedingt weiterbringt. Der FC steckt weiter tief in der gefährlichen Zone des Tableaus und holte aus den vergangenen 18 Partien nur zwei Siege. So kommt man im Abstiegskampf nicht vom Fleck.
Entsprechend vielsagend fiel das Fazit des Kölner Sportgeschäftsführers Thomas Kessler aus: „Wir sind an einem Punkt angekommen, dass wir wieder einen Dreier holen müssen. Wir können alle die Tabelle lesen“, sagte der 40-Jährige, und auf die Frage, ob es weitergehe mit Trainer Lukas Kwasniok: „Wir müssen das sachlich und rational analysieren. Wir haben eine große Enttäuschung, ich werde in Ruhe eine Nacht drüber schlafen. Wir haben uns drei Punkte erhofft, jetzt werden wir uns unsere Gedanken machen. Unterm Strich ist der Punkt heute zu wenig.“ Die Zeichen stehen also eindeutig auf Trennung – der Sonntag dürfte ein Tag der Entscheidungen werden am Geißbockheim.
Die Tore
Es ging früh los am Samstag in Müngersdorf. Cenny Neumann hatte er wenige Minuten vor dem Anpfiff erfahren, dass er für den am Knie verletzten Tom Krauß in der Startelf stehen würde. Kurz nach dem Anpfiff stand erstmals Jens Castrop vor ihm. Der ehemalige Kölner Jugendspieler dribbelte spielerisch leicht am zu zögerlichen Startelf-Debütanten vorbei und traf flach durch Schwäbes Beine zum 1:0 für die Gäste, keine Minute war da absolviert.
Die Fans hatten kaum Zeit, in tiefere Sorge zu verfallen. In der 3. Minute schlug Isak Johannesson einen langen Ball aus dem Zentrum in den Mönchengladbacher Strafraum, wo sich Said El Mala ebenfalls leicht gegen Joe Scally durchsetzte und aus der Drehung traf. Leicht abgefälscht trudelte der Ball an Moritz Nicolas vorbei zum Ausgleich ins Tor. Eine eingespielte Variante, Johannesson war exakt für diese Art Ball in die Tiefe auf dem Platz, um die letzte Reihe der Gladbacher unter Druck zu setzen.
Die Freude über den Ausgleich steigerte sich, als Ragnar Ache den FC nur vier Minuten später in Führung brachte. Jakub Kaminksi setzte sich auf der rechten Seite durch, passte scharf ins Zentrum und fand Ache, der frei durchgelaufen war und den Ball mit dem rechten Außenrist ins Tor schob.
Die Dinge waren also neu sortiert in Müngersdorf, nach der Hektik des Anfangs war es nun an der Zeit, die Lage zu beruhigen. Doch das gelang bei weitem nicht, und wieder war Cenny Neumann beteiligt. Erneut setzte sich Castrop gegen den Jugendnationalspieler durch und flankte in den Strafraum, wo Philipp Sander zunächst noch an Eric Martel hängen blieb, im Nachschuss jedoch zum Ausgleich traf.
Keine Kölner Führung zur Halbzeit also. Stattdessen schossen nach einer Stunde die Gäste das 3:2, und wieder spielte Neumann eine Rolle: Castrop, zuvor minutenlang am Fuß behandelt, wackelte den Kölner Rechtsverteidiger aus, legte sich den Ball nach innen und traf aus 25 Metern mit rechts in den Winkel – ein Sonntagsschuss, der Neumanns Startelf-Debüt endgültig zum Desaster machte. Er habe keine Alternative gehabt, sagte Kwasniok später, Jan Thielmann nach vierwöchiger Pause einzusetzen, wäre „verantwortungslos“ gewesen.
Die zweite Halbzeit war insgesamt inhaltlich kaum zumutbar, wenig funktionierte, doch dann profitierte der FC von einer neuen Stärke – dem Offensiv-Standard: Florian Kainz schlug einen Eckball vor das Gladbacher Tor, Martel stieg hoch und köpfte platziert ein. Schon beim 1:1 in Hamburg in der Vorwoche hatte der FC nach einem Eckball ausgeglichen. 3:3 – dabei blieb es. Auch, weil Martel wenig später vom Platz flog und der FC den Rest der Partie in Unterzahl bestreiten musste, was die Schluss-Offensive deutlich ausbremste.
Sie wissen um meine Qualität, ich weiß um den tollen Job, den ich habe. Man muss erstmal einen finden, der mehr Überzeugung in sich trägt. Ich werde um diesen verdammten Job hier kämpfen, mit allem, was ich habe
Das war gut
Die Kölner Mannschaft zeigte zwar weder offensiv noch defensiv ein funktionierendes Gesamtkonzept, doch kämpften die Spieler tadellos bis zur letzten Minute.
Das war schlecht
Das fußballerische Auftreten insgesamt: Es gab Kleinigkeiten, die funktionierten; hier ein Pass, da eine Einzelaktion. Doch in Summe passte aufseiten der Kölner Mannschaft zu wenig zusammen, um gegen Mönchengladbach drei Punkte zu holen. Es war besonders in der zweiten Halbzeit eine Partie, die keine Argumente lieferte, so weiterzumachen. Der Strich, der die drei Letzten der Liga von den 15 anderen trennt, ist den Kölnern in den vergangenen Wochen zu nahe gekommen, um nicht ernsthaft über Veränderungen nachzudenken.

Jens Castrop erwies sich im Derby als zu stark für Cenny Neumann.
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Spieler des Spiels
Jens Castrop, der mit zwei Toren und einem auch emotional fulminanten Auftritt an alter Wirkungsstätte zum entscheidenden Mann auf dem Platz wurde – und Cenny Neumann ein Startelf-Debüt bescherte, von dem er sich nur schwer erholen wird,
Moment des Spiels
Die rund zehn Minuten, in denen Eric Martel erst Gelb sah, dann zum 3:3 traf und dann mit Gelb-Rot vom Platz flog. Der Mittelfeldspieler war das ganze Derby in einer Person: alles versucht, ein paar Momente gehabt, die aussahen, als habe man die Dinge unter Kontrolle – um am Ende vorzeitig das Spielfeld zu verlassen. Auch Martels Nachmittag geriet nicht so, dass man anschließend sagen konnte, dass es genau so weitergehen sollte.
Das sagen die Trainer
Eugen Polanski (Borussia Mönchengladbach): „Ich versuche mal, das Spiel zusammenzufassen, was extrem schwierig wird. Wir kommen überragend rein, schießen nach dreißig Sekunden den Führungstreffer, hätten dann die nächsten beiden Tore besser verteidigen müssen, um auswärts was mitnehmen zu können. Kommen dann trotzdem noch mal relativ schnell zurück, schießen das 2:2. Dann sind wir halt in Minute 20. Also das beschreibt eigentlich dieses Derby extrem gut. Es war extrem viel Derby, glaube ich, drin in diesem Spiel. Vielleicht aber für beide Trainer zu wenig fußballerischer Inhalt.“
Lukas Kwasniok (1. FC Köln): Zu den möglichen Gedanken in der Vereinsspitze über seine Entlassung: „Sie wissen um meine Qualität, ich weiß um den tollen Job, den ich habe. Man muss erstmal einen finden, der mehr Überzeugung in sich trägt. Ich werde um diesen verdammten Job hier kämpfen, mit allem, was ich habe, weil ich absolut der Überzeugung bin. Ich bin der richtige Mann am richtigen Ort, mit der richtigen Mannschaft, mit dem richtigen Verein.“
Er habe bereits vergleichbare Situationen überstanden, etwa in Jena: „Keiner hat daran geglaubt, aber es gab genau einen, und das war meine Wenigkeit. Der Verein hat mich damals gestützt, und von den letzten sieben Spielen haben wir sechs gewonnen. Ich bin davon überzeugt, dass am Ende harte Arbeit und Fleiß belohnt werden – nicht auf halbem Weg, du hörst ja nicht auf halbem Weg auf, sondern am Ende. Ich werde das, solange ich das darf, zu 100 Prozent tun. Und die Überzeugung dafür fühle ich, weil der Verein mir dieses Gefühl gibt.
Das sagen wir
Das Derby bot alles – nur keine drei Punkte für den 1. FC Köln. Es war spektakulär, wie Thomas Kessler nach der Partie Komplimente an die Mannschaft verteilte, den Punkt einordnete – und mit keiner Silbe den Trainer stützte. Lukas Kwasniok hatte seit dem Sommer kaum Rückhalt im Verein, und nie schien ein Trainer abhängiger von Ergebnissen zu sein als Kwasniok. Nach nur zwei Siegen aus 18 Partien scheint diese Abhängigkeit nun ihre Wirkung zu zeigen. Eine fast beispiellose Siegesserie hätte den Trainer retten können – allerdings hätte die wohl gegen Mönchengladbach beginnen müssen. Doch das ist nicht geschehen.

