Beim 1:1 in Hamburg rettet Said El Mala dem 1. FC Köln einen Punkt – durch eine einstudierte Eckballvariante
1. FC Köln nach 1:1 in HamburgEl Malas Glücksgefühle am zweiten Pfosten

Said El Mala traf am Samstagabend aus kurzer Distanz per Kopf.
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Lukas Kwasniok war in Plauderlaune, sein Kollege Merlin Polzin lauschte gern. „Sehr amüsant, dir zuzuhören“, befand der Trainer des Hamburger SV auf der Pressekonferenz nach dem 1:1 im Volksparkstadion. Im Duell der Aufsteiger war der HSV zwar durch ein Traumtor des Portugiesen Fabio Vieira in Führung gegangen. Doch noch vor der Halbzeitpause hatte der 1. FC Köln durch Said El Mala ausgeglichen. Per Kopf nach einem Eckball – was zuvor wohl keinem Kölner im Traum eingefallen wäre.
Jakub Kaminski schlug in der 45. Minute eine Ecke zum Tor, Eric Martel blockte den Hamburger Wunderteenager Luka Vuskovic, Rav van den Berg verlängerte – und am zweiten Pfosten stand Said El Mala bereit, um aus kurzer Distanz zu vollenden. Ein Zufall war das nicht. „Nee, wir haben das trainiert“, sagte El Mala nach seinem neunten Saisontor. „Wir wussten, dass Hamburg auf den zweiten Pfosten nicht so stark ist. Ich hatte das Glück, da hinzulaufen, und dass der Ball direkt auf meinen Kopf kam. Ich musste nicht mehr viel machen“, kommentierte der 19-Jährige zurückhaltend.
Wieder hatte El Mala den Kölnern Punkte beschert. In seinem ersten Jahr als Bundesligaprofi ist er weiter die Lebensversicherung auch seines Trainers. Der widmete den Treffer allerdings vor allem seinen Assistenten, die sich die Eckballvariante ausgedacht hatten. „Das war ein Co-Trainer-Tor. Die ausübende Gewalt war dann Said – indem er auf den zweiten Pfosten durchgelaufen ist. Am zweiten Pfosten wird das Geld verdient, vor allem bei Ecken. Das sind einfache Tore“, beschrieb der Trainer.
Die Idee, die Abläufe bei Eckbällen anzupassen, war zwar kein Geniestreich, zumal Standards in der Bundesliga aus gutem Grund selten trainiert werden. Nur rund zwei Prozent der Eckbälle führen direkt oder indirekt zu einem Tor, auf eine Saison gerechnet liegt der Anteil der Eckballtore in der Bundesliga bei etwa zehn Prozent. Das ist nicht viel. Gerade eine Mannschaft im Abstiegskampf, die traditionell wenige Tore erzielt, ist jedoch auf Treffer nach Standards angewiesen. Zumal die Tendenz im modernen Fußball eher in Richtung mehr Standardtore geht, weil die athletisch hochgerüsteten Mannschaften einander kaum mehr etwas aus dem Spiel gestatten. Und Köln traf bislang deutlich zu selten.

FC-Trainer Lukas Kwasniok litt in Hamburg mit seiner Mannschaft.
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Kwasniok war erleichtert: Eine halbwegs herzeigbare Ausbeute bei ruhenden Bällen könnte im engen Rennen um den Klassenerhalt ein entscheidender Faktor werden. Entsprechend gelöst war Kwasniok. Und blickte zurück auf fröhliche Zeiten. Er habe mal einen Spieler gehabt, „ich weiß, das interessiert eigentlich keinen“, hob Kwasniok an, um es dann trotzdem zu erzählen. „Shipnoski in Saarbrücken“, sagte der Kölner Trainer beinahe triumphierend, als habe er eine weltbewegende Erkenntnis mitzuteilen: Shipnoski habe die Hälfte seiner Tore am zweiten Pfosten gemacht – sei „immer einfach durchgelaufen“.
Die Tore brachten Shipnoski später einen Vertrag bei Fortuna Düsseldorf ein, Zweite Bundesliga. „Liebe Grüße gehen raus an Schippi – jetzt spielt er in Freiberg. Ich hoffe, dass er immer noch durchläuft“, erzählte Kwasniok, und der Saal im Volksparkstadion lachte. „Ich sage doch: immer amüsant, dir zuzuhören“, kommentierte Polzin fröhlich.
Heute wäre vielleicht ein Sieg möglich gewesen für uns – in Summe wäre er vielleicht verdient gewesen. Aber wir wollen nicht vermessen sein. Jeder Punkt ist Gold wert
Tatsächlich hatte sich Nicklas Shipnoski als deutlich zu leicht für die Zweite Liga erwiesen. Nie wieder traf er wie unter Kwasniok im Saarbrücker Ausnahmejahr. Nach nur einem Tor in zwölf Einsätzen wechselte der Stürmer über Regensburg, Bielefeld und Mannheim nach Freiberg, wo er nun in der Regionalliga Südwest für alle Zeit am zweiten Pfosten lauert. Das Tor in Hamburg belege auch El Malas Entwicklung, die „in den nächsten Jahren noch weitergehen wird“, wie Kwasniok betonte: Sein Ausnahmespieler habe nun gelernt, „sich nicht nur auf sich selbst zu verlassen, sondern eben auch auf den Co-Trainer, der sagt: Lauf durch.“ Lukas Podolski, mit dem El Mala immer wieder verglichen wird, erzielte als 18-Jähriger in seiner Debütsaison zehn Treffer, allerdings absolvierte er damals nur 19 Einsätze. El Mala hat in dieser Saison bislang in allen 26 Partien auf dem Platz gestanden.
Blick aufs Derby
Weitere Tore fielen am Samstagabend nicht mehr. Die zweite Halbzeit verlief insgesamt ohne Höhepunkte. In der Schlussphase hätte Köln zwar noch durch Eric Martel den Siegtreffer erzielen können, doch Elfadli hatte nach einem Eckball das 2:1 für den HSV auf dem Kopf. Das 1:1 war bei weitem kein Befreiungsschlag, auch für die Hamburger nicht, die nach starken Wochen vor 57.000 Zuschauern ins Spiel gegangen waren, um den entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt zu tun.
So müssen beide Mannschaften weiter bangen, Köln mit nun 30 Punkten aus 26 Spielen deutlich intensiver als der HSV. „Heute wäre vielleicht ein Sieg möglich gewesen für uns – in Summe wäre er vielleicht verdient gewesen. Aber wir wollen nicht vermessen sein. Jeder Punkt ist Gold wert“, sagte Kwasniok. Er lenkte den Blick bereits auf das Derby am kommenden Samstag (15.30 Uhr) in Müngersdorf. „Es ist besser, 1:1 in Hamburg zu spielen und dann zu Hause gegen Gladbach zu gewinnen, als umgekehrt.“

