Kölner Stadt-Anzeiger · Community

Kommentare · 0

Abo

FC-Trainer unter DruckVorstand spricht Wagner das Vertrauen aus

4 min
René Wagner geht mit einer breiten Brust ins Derby – der Trainer des 1. FC Köln muss sich derzeit nicht um seinen Job sorgen.

René Wagner geht mit einer breiten Brust ins Derby – der Trainer des 1. FC Köln muss sich derzeit nicht um seinen Job sorgen. 

Nach drei Spielen ohne Sieg ist der 1. FC Köln mit einem schlechten Gefühl in die Länderspielpause gegangen. Doch die Klubspitze steht klar hinter dem jungen Cheftrainer.

Intern beschäftigt das Derby Mannschaft und Trainer des 1. FC Köln nicht mehr als jedes andere Spiel. Zwar ist die Vorbereitung eine andere, weil der Gegner mit einem neuen Trainer nach Müngersdorf kommt und daher eine Prognose der zu erwartenden Spielweise schwierig ist. Außerdem steht das Spiel am Ende der längsten Länderspielpause, die es jemals nach einem vierten Bundesligaspieltag gegeben hat. Doch in der täglichen Arbeit steht das Derby, zumal zehn Tage vor seinem Anpfiff, in der Aufmerksamkeit noch nicht ganz oben. Die ganz normale Trainingsarbeit ist angesagt – am Mittwoch erneut hinter verschlossenen Toren und mit auffälliger Intensität, wie zu hören und an den Gesichtern der FC-Profis auch deutlich abzulesen war.

Es herrscht also arbeitsame Ruhe im Grüngürtel, und auch von Horst Steffen war am Mittwoch keine Spur. Der Trainer hatte sich am vergangenen Wochenende das Regionalliga-Spektakel der Kölner U21 gegen Hilden (4:3) angesehen – keine schlechte Wahl für einen, der momentan ohne Anstellung ist. Dass der ehemalige Bremer und Elversberger bereits in Stellung gebracht ist, um im Falle einer Kölner Derbyniederlage für René Wagner zu übernehmen, wäre eine denkbare, wenngleich etwas unrealistische Deutung des Besuchs. Schließlich wäre es mindestens kühn, nach einer geheimen Unterredung mit der Kölner Klubspitze im Geißbockheim schnurstracks ins Franz-Kremer-Stadion zu gehen, um dort den Nachwuchs seiner künftigen Mannschaft anzusehen.

Andererseits könnte es sich selbstverständlich um eine besonders perfide Art der Ablenkung handeln, denn am besten versteckt man seine Absichten doch immer noch, indem man sie vor aller Augen präsentiert. So oder so ist der Gedanke an ein Treffen im Geißbockheim sehr unwahrscheinlich, auch aus einem weiteren Grund. Denn sowohl FC-Sportchef Thomas Kessler als auch der für das Sportliche zuständige Vizepräsident Ulf Sobek verbringen die Länderspielpause im Ausland. Sogar Vize Jörg Alvermann und Präsident Jörn Stobbe waren am Wochenende auf Reisen – ein designierter neuer Cheftrainer Horst Steffen wäre also auf das größte denkbare Machtvakuum im Geißbockheim gestoßen. Oder hätte eine sehr seltsame Telefonkonferenz erlebt.

Das alles ändert nichts daran, dass der 1. FC Köln mit dem schweren Gepäck zweier unglücklicher Partien in diese Pause gegangen ist. Sowohl daheim gegen Werder Bremen als auch beim HSV hätten die Kölner gewinnen können. In Hamburg führten zwei absurde Abwehrfehler in die Niederlage, und obwohl es noch nie geholfen hat, nach einem Fußballspiel festzustellen, man sei doch eigentlich klar besser gewesen, bleibt es dabei, dass es in jedem der Spiele Phasen gab, die intern für Zuversicht sorgen.

René Wagner genießt unser volles Vertrauen. Wir haben uns vor der Vertragsverlängerung mit ihm Kriterien zurechtgelegt und uns gefragt, was muss ein Trainer können. Und da legt er in allen Bereichen eine brutal hohe Punktzahl hin. Jetzt müssen wir natürlich schauen, dass wir die Ergebnisse kriegen, denn dann hört so eine Diskussion schnell auf
FC-Präsident Jörn Stobbe

Der Ärger über ein Spiel, das man trotz guter Aussichten nicht gewinnen konnte, ist oft genug größer als über eine klare Niederlage. Überhaupt hat René Wagner nach dem dürren Finale der vergangenen Saison keinen großen Kredit – ein Erfolg im Derby über bislang punktlose Mönchengladbacher könnte das drastisch verändern. Am Geißbockheim weiß man das.

Das Vertrauen der Öffentlichkeit könnte sich der Trainer mit einem Derbysieg vorerst sichern, intern gibt es ohnehin keine Zweifel am 38-Jährigen. Auf den lärmigen Fluren des Geißbockheims, wo in diesen Tagen lautstark Wände verrückt werden und ein neues Raumkonzept entsteht, ist der Glaube an René Wagner stabil. Thomas Kessler ist ohnehin weiter überzeugt von seinem Trainer, der morgens um halb sechs das Büro auf- und erst wieder abschließt, wenn alle gegangen sind. Der Klub will Kontinuität auf der Trainerposition – und ist überzeugt davon, mit René Wagner den richtigen Mann für diesen Plan gefunden zu haben.

Auf dem Trainingsplatz regelmäßig am Ball: René Wagner

Auf dem Trainingsplatz regelmäßig am Ball: René Wagner

Sebastian Sebulonsen, gezeichnet von der Trainingseinheit am Mittwochvormittag, hielt seine Meinung zu Wagner ebenfalls nicht zurück – und sagte in der üblichen norwegischen Redseligkeit: „Er ist gut“, und dann sogar noch einmal: „Er ist gut.“ Der Gedanke, es ohne Zampano an der Linie und stattdessen mit Fleiß und Kompetenz zu versuchen, ist nach wie vor stark. Daran haben drei Spiele ohne Sieg nichts geändert.

Auch Präsident Jörn Stobbe hat seine Ansicht nicht verändert. Auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigte er, dass der Vorstand mit Thomas Kessler klar auf einer Linie ist, selbst eine Niederlage gegen Mönchengladbach könnte das wohl nicht erschüttern. „Es bleibt dabei, was ich jüngst gesagt habe: René Wagner genießt unser volles Vertrauen. Wir haben uns vor der Vertragsverlängerung mit ihm Kriterien zurechtgelegt und uns gefragt, was muss ein Trainer können. Und da legt er in allen Bereichen eine brutal hohe Punktzahl hin. Jetzt müssen wir natürlich schauen, dass wir die Ergebnisse kriegen, denn dann hört so eine Diskussion schnell auf.“