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FC vor letztem HeimspielBleibt El Mala eine weitere Saison in Köln?

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Said El Mala wird in absehbarer Zeit zur großen Karriere ansetzen - in der kommenden Saison könnte er allerdings noch für den 1. FC Köln auflaufen.

Said El Mala wird in absehbarer Zeit zur großen Karriere ansetzen - in der kommenden Saison könnte er allerdings noch für den 1. FC Köln auflaufen.

Es gibt Hinweise, dass Said El Mala noch ein Jahr beim FC spielt – Sponsoren wollen helfen, und es gibt die Aussicht auf eine legendäre Rückennummer

Schon vor den letzten Spielen dieser Saison steht fest: Said El Mala hat eine kaum zu fassende Premierensaison in der Bundesliga gespielt. Der 19-Jährige kommt nach 32 Einsätzen auf zwölf Tore und vier Vorlagen – und ist damit nicht nur der zehntbeste Scorer der Liga. In den Top Ten der Torjägerliste ist er neben Deniz Undav (18 Treffer, Platz 2) auch der einzige Deutsche. El Malas Chancen auf eine WM-Nominierung sind damit unverändert gut, zumal noch zwei Partien vor ihm liegen, in denen er sich empfehlen kann: Am Sonntag (17.30 Uhr/Dazn) daheim gegen den 1. FC Heidenheim. Und eine Woche später gegen den FC Bayern in der Allianz-Arena – auf der größten Bühne der Liga.

El Mala hat mehrfach bewiesen, dass ihm Druck wenig ausmacht. Er lässt sich nicht nur klaglos auf die Bank setzen. Sondern hat auch die Gabe, eine Partie als Einwechselspieler aus dem Stand verändern zu können. Damit hat er sich in dieser Saison viel Respekt erarbeitet, denn was man angesichts dieser Erfolgsgeschichte leicht vergisst: Vor einem Jahr spielte El Mala noch in der Dritten Liga. Und Köln in der Zweiten.

Was El Mala in Köln geliefert hat, dürfte auch den Bundestrainer weiterhin interessieren, denn Julian Nagelsmann wird El Malas Qualitäten beim langen Turnier in Kanada, Mexiko und den USA dringend brauchen. Einen jungen Mann mit fußballerischer Wucht, der geduldig ist und das Innere des Teamcamps nicht nach außen trägt, hat man gern dabei. Dass Nagelsmann den Kölner nur zu einem Kurzbesuch bei der A-Nationalmannschaft bestellte und ihn nicht einsetzte, war also kein Makel: Bei Said El Mala ist ohnehin klar, was man bekommt. Außerdem kennt man den Spieler beim DFB aus der U21. Am Sonntag wird der DFB in Müngersdorf vertreten sein, um El Mala noch einmal zu beobachten. Am letzten Spieltag in der Allianz-Arena wird Deutschlands Fußballprominenz ohnehin vollzählig vertreten sein.

„Ich bin mal gespannt, was der Bundestrainer noch entscheiden wird“, sagte FC-Geschäftsführer Thomas Kessler in dieser Woche. El Malas Zukunft beim FC ist damit unberechenbar, es ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Im vergangenen Sommer lag Köln ein Angebot aus der Premier League vor, bevor El Mala auch nur eine Minute Bundesliga gespielt hatte. Brighton & Hove Albion war früh dran – aber nicht früh genug: Köln hatte das Potenzial des Spielers erkannt, einen Vertrag bis 2030 ohne Ausstiegsklausel geschlossen und sich nicht unter Druck setzen lassen. Thomas Kessler wusste: Einen Spieler wie El Mala für die in diesen Zeiten eher konventionelle Summe von rund 30 Millionen Euro ziehen zu lassen, hätte ihm wohl keine Ruhe beschert, im Gegenteil. Nach den Erkenntnissen dieser Saison wäre es womöglich nicht einmal mehr eine Heldentat, El Mala für 50 Millionen zu verkaufen, zumal niemand weiß, was der WM-Sommer bringt.

Ich bin mal gespannt, was der Bundestrainer noch entscheiden wird
FC-Geschäftsführer Thomas Kessler über Said El Malas WM-Chance

Brighton jedenfalls hat erkannt, dass der Vorteil des frühen Vorstoßes nicht mehr gegeben ist: El Mala steht in den Datenbanken sämtlicher Spitzenklubs Europas, daher zog sich Brighton zuletzt aus dem Werben um den Spieler zurück. El Mala wird zu einem Klub anderer Größe wechseln. Sollte er wechseln.

Wird er denn wechseln? El Mala wird mit jedem Einsatz und jedem Tor wertvoller. Eine schwere Verletzung kann niemand ausschließen. Doch ist diese Gefahr kein Anlass, jeden wertvollen Spieler gleich zu verkaufen. Nach Informationen dieser Redaktion geht die Tendenz beim 1. FC Köln derzeit in eine Richtung, die zuletzt kaum mehr zu erwarten gewesen war. Mehrfach besprach sich El Malas Familie zuletzt mit den Verantwortlichen am Geißbockheim, und je öfter man miteinander sprach, desto deutlicher wurde der Trend, den Spieler ein weiteres Jahr in Köln wachsen zu lassen. Zwar gab es nach Brightons Rückzug weitere Angebote, etwa aus Newcastle, Brentford und von Nottingham Forest. Doch El Malas Familie lehnte Verhandlungen ab. Einzig der FC Chelsea war zuletzt noch im Rennen, allerdings nur mit der Option, dass Köln El Mala für eine Saison zurückleihen könnte. Eine Leihe konnten sich die Londoner zwar vorstellen. Aber eher zu ihrem Zweitteam Racing Straßburg.

Kein finanzieller Druck

El Malas Gehalt steigt in Köln in der nächsten Saison auf 1,72 Millionen Euro im Jahr. Das wäre noch nicht das Einkommen, das er auf dem Höhepunkt seiner Karriere erreichen wird. Doch entstünde kein Druck, Köln sofort verlassen zu müssen. Zumal El Mala bereits jetzt eigene Sponsorenverträge hat, zu denen in der kommenden Saison noch welche dazukommen können: FC-Hauptsponsor Rewe soll an einer engeren Zusammenarbeit mit dem Kölner Starspieler interessiert sein, ebenso die Deutsche Telekom.

Auch der FC sieht keinen Grund zur Eile. „Wir sind in der Situation um Said entspannt. Er ist ein ganz, ganz toller Junge mit einem tollen Charakter, der richtig Spaß macht. Nach der Saison werden wir in Ruhe besprechen, wie es weitergeht“, sagt Kessler.

Im Fall eines Verkaufs würde sich das Transferbudget des FC entscheidend verändern – und der Bedarf in der Offensive gleich mit. Ein Angebot könne „natürlich auch erst Ende August kommen. Wenn es ein Volumen hat, dann liegt es in der Natur der Sache, dass wir natürlich auch ein Interesse haben, das Geld zu reinvestieren“, sagt Kessler. Einen Weltmeister El Mala, für den spät in der Vorbereitung ein großes Angebot eingeht, würde der FC gehen lassen, das steht außer Frage. Er mache seine aktuellen Kaderentscheidungen allerdings „jetzt nicht allein an der Personalie Said El Mala fest“, sagt Thomas Kessler.

Said El Mala bei seinem Auftritt gegen Union Berlin am 32. Spieltag

Said El Mala bei seinem Auftritt gegen Union Berlin am 32. Spieltag

Lukas Podolski spielte seine erste Bundesligasaison in Köln als 18-Jähriger, damals erzielte der spätere Weltmeister in 19 Einsätzen zehn Tore. Anschließend fuhr er zwar mit der deutschen Elf zur EM, kehrte nach dem Sommer aber zurück nach Köln – und ging mit dem FC sogar in die Zweite Liga.

El Mala könnte sich also Podolski zum Vorbild nehmen und womöglich auch in einer anderen Sache Kontakt zum ewigen Kölner aufnehmen: Denn seit Podolski den FC verließ, ist dessen Rückennummer Zehn nicht mehr vergeben worden. Womöglich wäre El Mala in der Saison 2026/27 ein würdiger Nachfolger.