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Kölner Triumph über Union BerlinLektionen in Leidenschaft

René Wagner hat innerhalb von drei Tagen erlebt, was es bedeutet, Cheftrainer des 1. FC Köln zu sein. Der Blick geht bereits auf das Bundesligaspiel gegen Union.

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FC-Trainer René Wagner erlebte einen aufreibenden, aber letztlich erfolgreichen Pokalabend in Müngersdorf.

FC-Trainer René Wagner erlebte einen aufreibenden, aber letztlich erfolgreichen Pokalabend in Müngersdorf.

Der Blick ging gleich nach vorn, der kuriose Spielplan legte das nahe. Nach dem mit 5:0 Toren gewonnenen Pokalspiel des 1. FC Köln gegen Union Berlin steht für den FC am Sonntag (15.30 Uhr) gleich das nächste Duell mit den Köpenickern an, diesmal in der Hauptstadt. Mit dem Kantersieg im Rücken dürfte die Vorbereitung entspannt verlaufen – möchte man jedenfalls denken. Doch eine solche Gleichung ist mit René Wagner nicht zu machen. „Wir bereiten uns auf ein komplett anderes Spiel am Sonntag in Berlin vor“, sagte der Trainer in der Nacht zum Mittwoch.

Die Hoffnung, dass zumindest die Unioner nicht grundlegend anders auftreten, nährte immerhin deren Trainer Mauro Lustrinelli. „Eine Stolperung – das kann passieren“, sagte der Schweizer gelassen. Er werde die Partie „in Ruhe mit dem Team besprechen. Schön, dass am Sonntag die Revanche ansteht.“

Köln gegen den 1. FC Union ist dabei nicht die einzige Partie, die gleich zweimal nacheinander stattfindet: Auch der HSV und Eintracht Frankfurt treffen schon am Wochenende erneut aufeinander. Bleibt zu hoffen, dass die Auslosung am Sonntagabend (ab 19.15 Uhr) in der ARD-Sportschau diesem Trend nicht folgt. Träfen die Kölner erneut im Pokal auf das Team, das sich ihnen auch am folgenden Bundesliga-Spieltag entgegenstellt, bekämen sie es Anfang Dezember mit dem FC Augsburg zu tun. Doch das ist weit weg.

Die Kölner durften am Dienstag eine erfolgreiche Nacht bejubeln, mit mehreren Protagonisten – manchen mehr, manchen weniger erwartbaren. Joël Schmied zum Beispiel kam nach den zuletzt wackligen Wochen ins Team und dürfte seinen Platz vorerst von Luka Lochoshvili erobert haben. Dass Köln zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentor blieb, war für den Verteidiger zwar die wichtigere Nachricht. Doch zuletzt haperte es vor allem in der Offensive, besonders beim schlimmen 0:0 gegen Schalke 04. „Das war heute gut für die Seele und auch für den Kopf. Am Wochenende haben wir zwar endlich mal zu null gespielt, waren aber trotzdem enttäuscht, nur diesen Punkt geholt zu haben“, sagte der Schweizer.

Es tat gut, dass vorne jeder mal getroffen hat. Das Selbstvertrauen und die positive Energie nehmen wir mit für Sonntag
FC-Verteidiger Joel Schmied

Schmied freute sich für die Kollegen in der Offensive. „Es tat gut, dass vorne jeder mal getroffen hat. Das Selbstvertrauen und die positive Energie nehmen wir mit für Sonntag. Wir haben endlich mal sehr effektiv gespielt. Gefühlt jeder Schuss war ein Treffer.“

Neben Nationalspieler Said El Mala, der die Partie mit zwei Treffern und einer Vorlage zum Spektakel machte, glänzte Linton Maina mit einem Tor und einer Vorlage. Bislang hatte das Zusammenspiel der beiden Angreifer nur unzureichend funktioniert, und auch am Dienstag geriet Mainas erster Ball auf El Mala eher unbrauchbar. Doch dann schickte El Mala seinen Kollegen mit feinem Steilpass los, Maina traf den Pfosten. Wenig später bediente Maina El Mala vor dem 1:0 (32.), fünf Minuten nach der Pause revanchierte sich El Mala, bevor er nach einem Dribbling per Linksschuss traumhaft für die Entscheidung sorgte. Der Rest war eine Mannschaft im Fluss, die eingewechselten Johannesson und Sebulonsen legten noch nach.

Tom Krauß lieferte gegen Union einen großen Kampf.

Tom Krauß lieferte gegen Union einen großen Kampf.

Maina, der in dieser Saison bislang dadurch auffällt, dass er sein Repertoire erheblich erweitert hat, lieferte ebenfalls sein bestes Saisonspiel. „Heute hat vieles geklappt. Wir waren gut auf die zweiten Bälle, wir waren aggressiv“, sagte Maina – und freute sich, die Berliner kontrolliert zu haben. „Wir wissen, dass Union eine eklige Mannschaft sein kann. Wir haben uns Chancen heute herausgespielt und endlich die Tore gemacht. Vor allem nach dem Samstag freut mich das extrem“, sagte der Angreifer.

Abseits der brillierenden Offensive gab es eine besondere Besetzung: Tom Krauß, der seit Ellyes Skhiris Verletzung viel Verantwortung übernehmen muss und derzeit vorbildlich damit umgeht, führte sein Spiel am Dienstag auf ein neues Niveau. Eigentlich war er als defensiver Mittelfeldspieler vorgesehen, ließ sich jedoch tief zurückfallen und gab den linken Part einer Dreierkette, um bei Ballbesitz aus der Tiefe das Kölner Spiel auszulösen. Das gelang hervorragend, Krauß spielte die meisten Pässe des Abends, seine Passquote von 92 Prozent übertraf nur Schmied (97). Krauß gewann entscheidende Bälle, Zweikämpfe – rieb sich auf. „Den Jungen kannst du überall auf den Platz stellen, er wird immer sein Herz reinlegen“, lobte sein Trainer.

Die andere Seite

René Wagner erlebte nach den „Wagner raus“-Rufen des Schalkespiels die andere Seite der Kölner Leidenschaft. „Ich glaube, das war ein bisschen ein Crashkurs beim 1. FC Köln“, sagte der Trainer. „Man hat erlebt, was hier passieren kann, wenn Leute unzufrieden sind mit Ergebnissen oder mit einer Leistung – und was passieren kann, wenn wir den Fußball auf den Platz bringen, den wir wollen. Aber im Fußball gehört manchmal auch ein bisschen Glück dazu“, ergänzte er.