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Kommentar zum 1. FC KölnDie Bilanz eines soliden Bundesligisten

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Timo Schultz' Maßnahmen haben zu einer deutlichen Verbesserung geführt, wenngleich der 1. FC Köln weiter zittern muss.

Timo Schultz' Maßnahmen haben zu einer deutlichen Verbesserung geführt, wenngleich der 1. FC Köln weiter zittern muss.

Sechs Punkte aus fünf Partien – der 1. FC Köln hat sich unter seinem neuen Trainer merklich stabilisiert. 

Sechs Punkte aus fünf Spielen, das ist die Zwischenbilanz des neuen Kölner Trainers Timo Schultz. Auf eine vollständige Saison hochgerechnet, bedeutete diese Ausbeute 41 Punkte und den sicheren Klassenverbleib in der ersten Bundesliga. Der FC ist unter Schultz damit rechnerisch ein solider Bundesligist. In der vergangenen Saison erspielte die Mannschaft insgesamt 42 Zähler und lief auf dem elften Rang ein. Allerdings mit einem deutlich besser besetzten Kader.

Die Entwicklung ist bemerkenswert, denn grundsätzlich braucht es Zeit, ehe die Maßnahmen eines neuen Trainers greifen. Der FC hat sich in den vergangenen Wochen verblüffend schnell auf den neuen Chef eingestellt. Timo Schultz hat gut daran getan, die Arbeit seines Vorgängers zu achten. Die Wahrheit ist aber auch, dass er das Kölner Spielkonzept mehr als nur ein wenig angepasst hat.

Unter Steffen Baumgart spielte Köln einen Stil, der für teils umfassende Begeisterung sorgte: Bei der Mannschaft, die in einer vollends neuen Dimension lernte, dass Mut und bedingungsloser Einsatz Zutaten sind, mit denen man im Profifußball Spiele gewinnen kann.

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Beim Publikum, das sicher sein konnte, dass auf dem Rasen zuverlässig der Teufel los war.

Zuletzt allerdings auch immer mehr bei den Gegnern, die wussten, was sie erwartete und die funktionierende Gegenstrategien entwickelten.

Köln spielte ein System, das sich zunächst selbst verstärkte. Und implodierte, als der Erfolg ausblieb: Mit den Spielen ging die Überzeugung verloren. Plötzlich war nichts mehr übrig von der Herrlichkeit.

Dieser extrem fragile Fußball ist nun abgelöst. Noch immer spielt Köln mit großem Engagement. Doch dosiert die Mannschaft ihre Ressourcen, wirkt bei aller Entschlossenheit planvoller. Die Beruhigung, die Timo Schultz seinen Leuten im Training wie im Spiel verordnet, hat Kräfte freigesetzt.

Keine Leistungsexplosion, aber eine merkliche Verbesserung

Eine Leistungsexplosion hat das alles nicht zur Folge gehabt, dafür ist der Wettbewerb in der Bundesliga zu fordernd, ist die Mannschaft zu limitiert – war Steffen Baumgarts Arbeit zu gut, um riesige Potenziale brachliegen zu lassen. Doch haben die Kölner an den wenigen Schrauben gedreht, die sie erreichen konnten. Neben einer angepassten Spielidee galt der Faktor Fans als Hilfe im Überlebenskampf, und am Sonntag erwies sich einmal mehr, dass die Kölner auf ihren Anhang zählen können. Die Atmosphäre in Sinsheim war besonders, die Kölner Mannschaft wurde auch von den 6000 Gästefans getragen. Die Unterstützung haben sich die Kölner Profis verdient.

Bleibt die personelle Maßnahme, der Jugend eine Chance zu geben. Justin Diehl war vor seiner Erkrankung ein Faktor und wird weitere Beiträge leisten. Und der junge Max Finkgräfe ist nicht nur wegen seines Treffers am Sonntag eine Offenbarung. Die Auftritte des Teenagers verzaubern den Verein. Und haben geholfen, den FC auf dem Relegationsrang zu stabilisieren. Am Freitag kommt Werder Bremen nach Müngersdorf. Für den FC die nächste Gelegenheit, den Punkteschnitt zu bestätigen – und Rang 15 anzugreifen.

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