Dem FC gelingt gegen Bremen der Befreiungsschlag. Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze wächst – und das Restprogramm spricht für die Kölner. Zwei Routiniers stehen vor dem Abschied.
Nach Sieg in Schlüsselspiel gegen BremenKölner Erlösung und leise Abschiede

Jubel und Erleichterung beim 1. FC Köln: Isak Johannesson (v.r.), Jakub Kaminski und Said El Mala
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Der Moment, in dem sich am Sonntagnachmittag im Rhein-Energie-Stadion die Anspannung in pure Erleichterung verwandelte, ließ sich beinahe greifen. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel eine Last von den Schultern der Profis des 1. FC Köln. Es war mehr als nur ein Sieg, mehr als drei Punkte – das 3:1 war ein Befreiungsschlag, der weit über das Sportliche hinaus Wirkung entfaltete. Nach acht vergeblichen Anläufen hatte der Bundesliga-Aufsteiger endlich wieder ein Fußballspiel gewonnen. Das musste und durfte ausgelassen zelebriert werden.
„Der Sieg war unfassbar wichtig“, sagte Torhüter Marvin Schwäbe, der die Bedeutung des Erfolgs gar nicht erst relativieren wollte. „Man hat gesehen, was für einen großen Schritt wir heute machen können.“ Spieler und Fans feierten gemeinsam einen Sieg, der sich wie eine Befreiung anfühlte. Auch Trainer René Wagner, der somit ein gelungenes Heimdebüt feierte, sprach von einem besonderen Moment – und blieb dennoch seiner Linie treu, den Fokus auf das Team zu richten. „Es fühlt sich für uns super an“, erklärte er. „Ich bin überglücklich für die Spieler. Sie haben sich das verdient.“ Es gehe nicht um Einzelne, sondern um den Verein und das gemeinsame Ziel Klassenerhalt.
Die Zahlen unterstreichen die Dimension dieses Erfolgs. Nur zwei von 19 Partien hatte der FC zuvor gewonnen, die Verunsicherung war von Woche zu Woche gewachsen und die Entlassung von Trainer Lukas Kwasniok die Folge. Dass nach dem 2:2 in Frankfurt, Wagners erstem Spiel in der Verantwortung, gegen Bremen nun der Knoten platzte, verstärkte die Wirkung zusätzlich. „Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht“, fand Schwäbe.
Auch wenn beileibe nicht alles perfekt war. Vor allem in fast 70-minütiger Überzahl nach der Roten Karte gegen Bremens Marco Friedl nach einem als Notbremse gewerteten Foul (24.) und mit einer komfortablen 2:0-Führung nach den Toren von Said El Mala (7., Elfmeter) und Ragnar Ache (65.) im Rücken ließ der FC Konsequenz vermissen und betrieb in der Schlussphase Chancenwucher. „Vielleicht hatten wir nicht die absolute Sicherheit im letzten Drittel“, räumte Wagner ein. „Das Stadion wird dann auch mal unruhig, wenn der Ball zurückgespielt wird.“ Es waren Szenen, die an die jüngste Vergangenheit erinnerten – an die Phase, in der Selbstvertrauen Mangelware war.
Und doch zeigte die Mannschaft eine neue Qualität: Sie hielt stand. Als Bremen nach einem Elfmeter noch einmal verkürzte, kippte die Stimmung kurzzeitig. „Gebraucht hätte ich den Stress hinten raus nicht mehr“, gab Schwäbe offen zu. „Aber es war klar, dass es noch mal hektisch wird.“ Genau in diesen Momenten aber bewies der FC die nötige Widerstandsfähigkeit. Den Schlusspunkt setzte schließlich Isak Johannesson in der siebten Minute der Nachspielzeit – und sorgte für kollektives Aufatmen. „Der Sieg sollte der Mannschaft Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben“, befand Wagner. Vertrauen, Zusammenhalt, Energie – Begriffe, die nach Wochen der Unsicherheit wieder eine Rolle spielen. „Nur so geht es“, sagte der Trainer. „So möchte ich arbeiten.“
Auch der Blick auf die Tabelle sorgt für zusätzliche Erleichterung. Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze ist gewachsen, die Ausgangslage hat sich spürbar verbessert. Die seit vier Spielen ungeschlagene Mannschaft hat sich Luft verschafft – und sich zugleich eine neue Perspektive erarbeitet.
Zuversichtlich stimmt auch der Blick auf das Restprogramm. Denn im Vergleich zur direkten Konkurrenz im Tabellenkeller hat der FC durchaus einen Vorteil. Während andere Teams noch mehrfach auf Gegner aus der oberen Tabellenhälfte treffen, wirkt der Spielplan der Kölner auf dem Papier günstiger. Leiser Abschied von Kainz und HeintzFür den FC gilt: Bereits am Freitag (20.30 Uhr) kann er den vielleicht entscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Gewinnt er beim FC St. Pauli, dann hätte er die Kiezkicker, die auf dem Relegationsplatz stehen, auf acht Punkte distanziert und mindestens weiterhin neun Zähler Vorsprung auf Wolfsburg und den ersten direkten Abstiegsplatz. Bei dann nur noch vier ausstehenden Spielen müsste schon sehr viel schiefgehen, damit dieser Vorsprung nicht reicht. „Wir wissen ganz klar, was wir zu tun haben“, brachte es Schwäbe auf den Punkt.
Routiniers Kainz und Heintz nicht im Kader und vor dem Abschied
Doch bei aller Erleichterung bleibt auch Raum für nachdenkliche Töne. Zwei Routiniers, die viele Jahre das FC-Trikot trugen, stehen vor dem Abschied. Die Personalien Florian Kainz und Dominique Heintz stehen für eine Entwicklung, die sich schon länger abgezeichnet hat. Der frühere Kapitän Kainz (33) spielt sportlich keine Rolle mehr – und wird seine Karriere beenden. Ein Abschied, der leise daherkommt, fast im Schatten des Aufschwungs. Ähnlich gestaltet sich die Situation bei Heintz. Auch er gehört zu den erfahrenen Spielern, die aktuell außen vor sind. Die Routiniers gehörten nicht dem Kader an. „Es tut mir unfassbar leid“, befand Wagner. Heintz' Vertrag läuft aus und wird nicht verlängert. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler teilte das dem 32-Jährigen mit. Das waren die Abschiedstöne an einem ansonsten für den FC perfekt gelaufenen Spieltag.

