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Said El Malas EvolutionDie Entdeckung des Zentrums

Nach den Verletzungen im Kölner Angriff setzt Trainer René Wagner auf das taktische Potenzial des Neu-Nationalspielers.

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Said El Mala entschied mit seinem Treffer zum 2:1 das Derby gegen Borussia Mönchengladbach.

Said El Mala entschied mit seinem Treffer zum 2:1 das Derby gegen Borussia Mönchengladbach.

In der 57. Minute des Derbys bewies Said El Mala seherische Fähigkeiten: Er sprintete in einen verunglückten Rückpass des Mönchengladbacher Verteidigers Daiki Hashioka und lief frei auf das Tor der Gäste zu. „Er hat gegen den Ball eine Gabe“, sagte René Wagner vor dem Spiel am Freitagabend (20.30 Uhr) bei Eintracht Frankfurt. Der Kölner Trainer beobachtete das nicht zum ersten Mal. Die Szene erinnerte ihn an eine Situation gegen Bayer 04 Leverkusen in der Vorsaison, als El Mala ebenfalls „die Situation schnupperte“, wie Wagner beschrieb. Der Neu-Nationalspieler verfügt nicht nur über ein brachiales Tempo. Tom Krauß staunte nach dem Derby über den Kollegen: „Wenn der auf 37 km/h beschleunigt.“ El Mala hat auch den Riecher für die Situationen, in denen er seine Geschwindigkeit einsetzen und Abschlüsse suchen kann. Acht Torschüsse verzeichnete er im Derby, während keiner seiner Kollegen auf mehr als zwei Versuche kam.

El Malas Positionierung im Derby resultierte nicht allein aus den Verletzungen im Testspiel gegen Viktoria Köln. Dort verloren die Kölner nacheinander ihre Mittelstürmer Thijs Dallinga wegen eines Kreuzbandrisses und Ragnar Ache aufgrund einer Oberschenkelverletzung. El Mala weiß mit den Besonderheiten der Aufgabe im Sturmzentrum viel anzufangen. „Er hat es letztes Jahr auch schon gespielt, als Ragnar Ache ausgefallen ist. Auch da hatte er schon solche Aktionen. Wenn ich zum Beispiel an das Spiel in Dortmund denke – da ist er zweimal allein aufs Tor zugelaufen. Solche Situationen kriegt er, wenn er aus dem Zentrum kommt“, beschrieb Wagner.

In der zweiten Halbzeit rückte Marius Bülter vom Flügel weiter nach vorn. Er sollte El Mala als Partner für Positionswechsel dienen – und „damit Said sich seine Momente schnappen kann“, wie der Trainer sagte. Der Ballgewinn in der 57. Minute lieferte dafür das passende Beispiel. Allerdings übersah El Mala dann den Mitspieler: Marius Bülter lief frei durch – doch El Mala versuchte selbst den Abschluss und blieb an Moritz Nicolas im Tor der Borussia hängen. Bülter wählte in dieser Szene nicht den idealen Laufweg. Er hätte sich weiter zur Seite orientieren müssen; im Moment des Abschlusses kam er El Mala womöglich zu nah, um bei vollem Tempo angespielt zu werden. Doch wäre die Wahrscheinlichkeit eines Treffers sehr hoch gewesen, hätte El Mala gepasst.

Dennoch ist der 20-Jährige im Zentrum eine besondere Bedrohung für den Gegner – eine Bedrohung, die sich realisierte, als er nach zahlreichen Fehlversuchen den 2:1-Siegtreffer erzielte. Ein Freund habe ihm vor der Partie gesagt, er werde im Derby einen Hattrick erzielen – und ein wenig habe er sich geärgert, dass es trotz der vielen Chancen nur zu einem Treffer gereicht habe, sagte El Mala nach dem Spiel. Es sei schwer, mit vergebenen Chancen umzugehen. Doch „zeichnet es mich aus, nach einer vergebenen Möglichkeit nicht den Kopf in den Sand zu stecken“, erklärte der Angreifer.

Der Spieler sei offen für die neue Aufgabe gewesen, berichtete Wagner. „Er hat nach den Ausfällen gefragt, ob er dort infrage kommt, weil er sich da wohlfühlt und selbst besser werden will. Deswegen gibt uns das noch einmal eine andere Komponente im Offensivspiel. Ich glaube, dass er dadurch an eine Position gekommen ist, wo er nicht sauber wegverteidigt werden kann, sondern eine Rolle hat, in der er freier kommt. Und ich hoffe, dass uns das mehr Variabilität in der Offensive geben kann“, sagte der Coach.

Wenn ich zum Beispiel an das Spiel in Dortmund denke – da ist er zweimal allein aufs Tor zugelaufen. Solche Situationen kriegt er, wenn er aus dem Zentrum kommt
FC-Trainer René Wagner

„Wenn er außen glatt verteidigt werden kann, hat er schon mal Probleme, weil er oft gegen zwei Gegner spielen muss, weil er gedoppelt wird“, beschreibt Wagner. „Wenn er aber aus dem Zentrum nach außen schwimmen kann, findet er eher mal einen Moment, wo er frei wird. Wir müssen schaffen, dass er genau diese Freiläufe bekommt, genau diese Freiheiten sich auch erarbeitet“, sagt Wagner.

Passt El Mala seine Positionierung an, macht ihn das zu einem besseren Spieler, erklärt Wagner. Der Plan erinnert an einen der besten Fußballer aller Zeiten. Auch Cristiano Ronaldo begann seine Karriere als trickreicher Außenbahnspieler. Wie der 1,87 Meter große El Mala verfügt der Portugiese über eine außergewöhnliche Physis. Vom Tempodribbler, der seinem Publikum Übersteiger in Serie bot, bevor er vom Flügel ins Zentrum dribbelte, um seinen rechten Fuß zum Einsatz zu bringen, wurde Ronaldo im späteren Verlauf seiner Karriere zu einem Stürmer, der immer häufiger auch ohne Ball den direkten Weg ins Zentrum suchte. Seine Läufe waren gefürchtet. Im 4-3-3-System von Real Madrid öffneten ihm die Partner im Zentrum jene Räume, indem sie auf den Flügel auswichen oder sich zurückfallen ließen.

FC-Trainer René Wagner hat große Pläne mit seinem Stürmer Said El Mala.

FC-Trainer René Wagner hat große Pläne mit seinem Stürmer Said El Mala.

Dass Ronaldo bei Real mit Benzema stürmte und El Mala in Köln mit Marius Bülter, deutet eine gewisse Fallhöhe an. Womöglich ist der 1. FC Köln kein Weltklub vom Format Reals. Doch El Malas taktische Entwicklung verdient in diesem Kontext Erwähnung – zumal er in seiner Kindheit gewiss verfolgte, wie Ronaldo und Benzema das Offensivspiel neu definierten.

Steigerungspotenzial im Passspiel

Weitere Parallelen zeigen sich in El Malas Umschaltspiel und seiner Robustheit im Pressing. Daiki Hashioka erlebte dies am Sonntag. Was ihn allerdings zudem mit dem jungen Ronaldo verbindet, ist das Steigerungspotenzial im Kombinations- und Passspiel sowie bei der Übersicht gegen den Ball. Bislang agiert El Mala in Köln überwiegend als solitäre Drohung für die gegnerische Abwehr, um mit Einzelaktionen jederzeit das Spiel zu entscheiden. Erhält er einen Partner an seiner Seite, mit dem er die Laufwege synchronisiert, wäre die nächste Evolutionsstufe erreicht.

El Mala dürfte das wissen. René Wagner hat es jedenfalls längst erkannt.