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Vor FC-Spiel in KölnPolizei ermittelt erste Tatverdächtige nach Krawallen

Die Zahl der Verletzten erhöht sich auf zwölf. Beim Risikospiel gegen Schalke am Samstag setzt der FC mehr Sicherheitskräfte ein.

Schlägerei im Oberrang der Nordtribüne des Rhein-Energie-Stadions beim Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach am 11. Oktober.

Schlägerei im Oberrang der Nordtribüne des Rhein-Energie-Stadions beim Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach am 11. Oktober.

Vor dem Spiel des 1. FC Köln gegen Schalke 04 am kommenden Samstag (15.30 Uhr) im Rhein-Energie-Stadion hat die Polizei neue Erkenntnisse zu den Ausschreitungen beim Derby am 11. Oktober gegen Borussia Mönchengladbach veröffentlicht.

Danach hat sich die Zahl der Verletzten bei den Krawallen im Gästeblock auf der Nordtribüne von den bislang bekannten sieben auf zwölf Personen erhöht. Zwei Ordner erlitten Knalltrauma, drei Polizeibeamte leichte Verletzungen. Damit sind insgesamt neun Verletzungen auf den Einsatz von Pyrotechnik und Feuerwerkskörpern zurückzuführen.

Bislang wurden drei Tatverdächtige identifiziert, zwei von ihnen sind 20, einer 54 Jahre alt. Die Auswertung der Videoaufzeichnungen ist noch nicht abgeschlossen, heißt es auf Anfrage. Weitere Identifizierungsmaßnahmen laufen. Es sei davon auszugehen, dass weitere Tatverdächtige ermittelt werden können. Nach Angaben des 1. FC Köln wird der Gästeblock permanent durch Video überwacht. Das gesamte Material werde derzeit auch von beiden Vereinen ausgewertet.

Ermittlungen wegen schweren Landfriedensbruchs

Die Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen werden wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs sowie wegen einfacher und gefährlicher Körperverletzung geführt. Zudem wird wegen möglicher Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz und das Versammlungsgesetz, zum Beispiel wegen Vermummung, ermittelt. Darüber hinaus werden im Zusammenhang mit dem Derby weitere Strafverfahren geführt, darunter Hausfriedensbruch, einfache und gefährliche Körperverletzung sowie Diebstahl.

Die Polizei stuft auch die Partie gegen Schalke 04 als Risikobegegnung ein und setzt Kräfte der Bereitschaftspolizei ein, um rivalisierende Fangruppen zu trennen. An bekannten Treffpunkten in der Stadt sollen zivile Kräfte mögliche Provokationen und Ausschreitungen frühzeitig erkennen. Einsatzleiterin Mareike de Valck sagte mit Blick auf die Vorfälle beim Derby gegen Borussia Mönchengladbach: „Gewaltexzesse im Stadion wie beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach sind nicht akzeptabel. Die Gefährlichkeit von Pyrotechnik ist dabei noch einmal deutlich geworden.“

In einer Stellungnahme äußert sich der 1. FC Köln mit Betroffenheit. „Hinter der durchbrochenen Sektorentrennung im Oberrang Nord saßen überwiegend FC-Fans, darunter Familien mit Kindern. Dass sie das Stadion an diesem Tag mit Angst verlassen haben, ist das, was uns seit dem Derby am meisten beschäftigt, und wofür wir uns weiterhin nur entschuldigen können. Der Schutz dieses Bereichs und die Ermittlung der Täter stehen seitdem im Mittelpunkt der Aufarbeitung.“

Vier Leuchtraketen in der Größe von zwei Kugelschreibern

Die Zerstörung der Sicherheitsglaswand zwischen dem Gäste- und Heimbereich ist nach Angaben des Vereins von einer Einzelperson mit einem Nothammer vorgenommen worden. „Eine solche Zerstörung der Sektorentrennung hat es zuvor nicht gegeben, daher wurden wir von diesem Vorgang überrascht“, heißt es weiter. „Außerdem wurden aus dem Gästeblock Böller und Leuchtraketen in den Kölner Sitzplatzbereich geworfen und geschossen. Die insgesamt vier Leuchtraketen wurden allesamt vom gleichen Täter abgeschossen; sie entsprechen in ihrer Größe in etwa zwei zusammengeschraubten Kugelschreibern. Die Verletzten gab es mehrheitlich nicht an der durchbrochenen Glaswand, sondern durch diesen Einsatz von Pyrotechnik, insbesondere durch die Leuchtspurschüsse und die Böller.“

61 Betretungsverbote und 55 Gefährderansprachen vor dem Schalke-Spiel

Nach dem Derby habe die Polizei konstruktive Gespräche mit ihren Kooperationspartnern geführt. „Ob und wie gut die Stadionallianzen NRW funktionieren, bewerten wir aber nicht nur anhand einzelner Spieltage“, sagte de Valck. Polizeipräsenz bleibe nötig, da nicht alle Menschen verantwortungsvoll mit den ihnen eingeräumten Freiheiten umgingen.

Im Vorfeld erließ die Polizei Bereichsbetretungsverbote gegen zehn Anhänger des 1. FC Köln und sechs Anhänger von Schalke 04; weitere 55 Kölner Anhänger erhielten eine Gefährderansprache.

Das NRW-Innenministerium hat nach den Ausschreitungen beim Gladbach-Spiel noch einmal klargestellt, dass der 1. FC Köln verpflichtet ist, für einen Sicherheits- und Ordnungsdienst zu sorgen, „der quantitativ und qualitativ“ in der Lage ist, die Sicherheit im Stadion zu gewährleisten. Dazu gehören auch Einlasskontrollen, die verhindern, dass pyrotechnische Gegenstände ins Stadion gelangen. Das sei nicht Aufgabe der Polizei.

Innenministerium kritisiert Gewalt im Derby als „völlig unverständlich“ und „nicht hinnehmbar“

In der Kooperationsvereinbarung „Stadionallianzen“ zwischen den NRW-Vereinen der ersten, zweiten und dritten Liga sei festgehalten, dass die Polizei „grundsätzlich und mithin ohne Anlass keine offene Präsenz im Stadion zeigt. Die im Rahmen des Derbys aufgetretenen Störungen – die zu dem erforderlichen Polizeieinsatz geführt haben – sind einzig und allein durch Gewalttäter verursacht worden, waren völlig unnötig, unverständlich und sind nicht hinnehmbar“, heißt es auf Anfrage aus dem NRW-Innenministerium.

Um die Sicherheit bei Bundesligaspielen zu verbessern, hätten die Vereine die Möglichkeit, den Ticketverkauf für Steh- und Sitzplatzbereiche zu beschränken. Das sei beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach offenbar nicht erfolgt.

Die mit einem Nothammer in einem Teil eingeschlagene Sicherheitsglasscheibe auf der Nordtribüne, die die Fanlager trennen soll, wird bis zum Schalke-Spiel am Samstag ersetzt und durch Video überwacht werden, teilte der 1. FC Köln mit. Die Zahl der Ordner werde um 15 Prozent erhöht. Auf der Nordtribüne soll an der Sektorentrennung zusätzliches Sicherheitspersonal positioniert werden.

Zwei Wochen nach dem Schalke-Spiel steht in Müngersdorf die nächste Risikopartei an. Am Sonntag, 8. November, 15.30 Uhr, ist dort Bayer Leverkusen zu Gast.