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René Wagner vor dem DerbyTrainer zwischen Emotion und Matchplan

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Der Trainer des 1. FC Köln will die Situation kontrollieren, doch fällt ihm das angesichts des steigenden Drucks immer schwerer.

René Wagner kennt sich aus mit Derbysiegen. Wahrscheinlich galt sein Verweis am Freitag daher vor allem den drei Triumphen mit dem 1. FC Köln über Borussia Mönchengladbach, die er einst als Steffen Baumgarts Co-Trainer erlebte. Er sei lange genug im Verein, um die Bedeutung des Derbys einzuschätzen, sagte er am Freitag: „Ich habe miterlebt, was danach passieren kann.“

Vielleicht dachte der Kölner Chefcoach an die Triumphe – möglicherweise aber auch an das Heimderby im vergangenen Frühjahr. Damals musste Lukas Kwasniok nach einem 3:3 gegen den Rivalen vom Niederrhein gehen. Eric Martel hatte zwar fünf Minuten vor Schluss noch ausgeglichen. Nach zuvor zwei Punkten aus sechs sieglosen Spielen stürzte die Partie den Verein in tiefe Sorge. Schon das Auswärtsduell im Borussiapark hatte Köln 1:3 verloren. Die Saison 2025/26 war also auch mit Blick auf die Derbys eine, die den Kölner Fans kaum gute Erinnerungen bescherte. Das durfte so nicht mehr weitergehen. Kwasnioks Nachfolger: René Wagner.

Wagner kennt daher mehrere Perspektiven auf die Partien gegen Mönchengladbach. „Es bedeutet uns genauso viel wie den Fans, wie der Stadt. Wir wollen Vollgas geben, wir wollen das Spiel gewinnen. Wir wollen dafür sorgen, dass die Gladbacher bei null Punkten bleiben. Das ist unser einziges Ziel“, sagte der Trainer am Freitag. Das ist ein Befund, jedoch noch keine Derby-Emotion, mit der er seine Zuhörer mitreißt.

Dabei geht es für Wagner um mehr als ein Spiel. Es geht auch um ihn, den 38-Jährigen, der vor einem halben Jahr die Chance erhielt, eine Bundesligamannschaft zu trainieren. Der Klassenerhalt gelang ihm, viel mehr nicht. Nach dem 1:3 gegen bereits abgestiegene Heidenheimer im Saisonfinale war klar: Dieser Trainer würde mit einer Hypothek ins neue Fußballjahr gehen. Entsprechend schnell drehte sich die öffentliche Meinung gegen den Trainer. Es brauchte nur ein nicht einmal verlorenes Pokalspiel bei einem Drittligisten, um die Stimmung einzutrüben.

Weniger die Leistungen als die Ergebnisse der folgenden vier Bundesligaspieltage haben dafür gesorgt, dass der anstehende Sonntag zu einem frühen Kipppunkt der Saison werden könnte. Die Klubführung betonte zuletzt zwar, dass Wagner selbst bei einer Niederlage bleibt. Doch würde der Druck auf den jungen Trainer dann eine neue Dimension erreichen.

Was drumherum passiert, nehme ich natürlich wahr. Es ist auch relativ schwer, das gerade nicht wahrzunehmen
FC-Trainer René Wagner zum Druck im Kölner Umfeld

Wagner weiß das. „Was drumherum passiert, nehme ich natürlich wahr. Es ist auch relativ schwer, das gerade nicht wahrzunehmen“, sagte er lakonisch, als empfände er es selbst als lachhaft, so zu tun, als sei die Stimmung da draußen ihm gegenüber neutral.

Dennoch ist er nicht bereit, sein Tun von seiner persönlichen Lage beeinflussen zu lassen. „Das würde meinen Job nicht erleichtern, im Gegenteil“, erklärte er und räumte dennoch ein, dass in seinem Kopf „der eine oder andere Gedanke schwirrt, der da nicht hingehört“. Davon müsse er sich lösen. Grundsätzlich wirkt Wagner wie ein Mann, dem wichtig ist, dass nur er der Herr über seine Gedanken ist, zumal im Fußballkontext. Offenbar funktionieren seine Filter nach wie vor. Aber er merkt, dass mittlerweile Themen in seinem Kopf auftauchen, die er dort nicht selbst platziert hat.

René Wagner hat sich in den vergangenen Tagen in die Arbeit gestürzt, doch ob er den emotionalen Zugang zum Derby findet, wird sich zeigen müssen.

René Wagner hat sich in den vergangenen Tagen in die Arbeit gestürzt, doch ob er den emotionalen Zugang zum Derby findet, wird sich zeigen müssen.

Die Stimmen, die ihn kritisieren – die im Falle einer Derby-Niederlage noch lauter seine Ablösung fordern werden, nimmt Wagner wahr, und dass er das öffentlich einräumt, ist eine Neuigkeit. Dennoch gibt er sich stabil. Er müsse sich darauf konzentrieren, mit der Mannschaft Punkte zu holen. Überhaupt zähle für ihn die interne Kommunikation „mit den Menschen, die hier verantwortlich sind. Da gibt es diese Stimmen nicht.“

Auch das gehört zu den Stabilitätsmechanismen des Trainers. Statt auf die Kräfte der Öffentlichkeit zu horchen, denkt er hierarchisch und richtet den Blick nach innen. Er sucht das Vertrauen in der Gruppe, der Organisation, auch das ist ein Merkmal seiner Arbeit mit der Mannschaft. In Wagners Darstellung dominiert das Wir, ohne Drama. Wagner bleibt bei seinem Muster – am Ende seiner Überlegungen steht immer das Spiel, steht der Sport. Dann geht es weder um seinen persönlichen Druck noch um die Bedingungen, die im ausverkauften Stadion herrschen werden.

Dann geht es um das Duell auf dem Rasen, und glatt verfällt er ins Passiv. „Es muss ein Spiel gewonnen werden“, stellt er kühl fest, und das „passiert im Zweifel nicht nur mit Emotionen. Wir müssen einen klaren Kopf behalten, die Jungs müssen einen klaren Kopf haben, um den Matchplan zu befolgen.“ Wie das mit dem klaren Kopf unter Druck läuft, weiß er vom 1:2 gegen den Hamburger SV, als er einräumen musste, dass seine Spieler es vor dem Eckball zum 0:1 nicht geschafft hatten, „sich dort hinzustellen, wo wir stehen wollten“. Was unter dem Druck des Derbys passieren könnte, ist noch einmal unklarer.

Auch wegen der vielen Fehler zuletzt will Wagner nicht nur den persönlichen Druck kontrollieren. Ihm ist auch wichtig, dass seine Mannschaft zwar um die Relevanz der Partie weiß. Sich aber nicht selbst aus der Fassung bringt. Dafür ist er zu sehr Fußballlehrer, ist es für ihn viel zu bedeutsam, ein Fußballspiel seinem Plan folgen zu lassen.

Viel Arbeit mit der Mannschaft

In dieser Woche hat er zum Beispiel an der Standardschwäche arbeiten lassen, sich Gedanken gemacht, wer nach den Verletzungen im Sturm die Tore besorgen könnte. Es gab genug zu arbeiten, um sich von der Situation abzulenken, die er ohnehin nur durch Ergebnisse beeinflussen kann. Über die sportlichen Herausforderungen der jüngsten Tage sprach er jedenfalls ausführlicher und auch engagierter als über das Derby und die Bedeutung, die es haben könnte.

Im Falle einer Niederlage wird er den Großteil der Verantwortung tragen, nicht seine Spieler. Während Derbysiege viele Helden hervorbringen, kennen Niederlagen nur einsame Schuldige. Auch das weiß Wagner. Ob er die Rolle des Motivators vor einem solchen Duell in dieser komplizierten Lage ausfüllen kann, wird sich am Sonntagnachmittag erweisen müssen. Möglicherweise zeigt Wagner nach dem Spiel dann eine persönliche Note. Egal, wie es ausgeht.