Umstrittene Fan-FreundschaftWarum Fans des 1. FC Köln die Dortmunder Meisterschaft feiern werden

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Ein Fußball-Fan hält einen Fan-Schal hoch, auf dem die Logos und Schriftzüge von Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln zu sehen sind.

Ein Fan des 1. FC Köln zeigt einen Schal mit den Farben beider Vereine.

Ein möglicher Titelgewinn von Borussia Dortmund wird sehr wahrscheinlich auch im Rhein-Energie-Stadion gefeiert werden.

Sollten die Dortmunder am bevorstehenden letzten Bundesliga-Spieltag zeitig oder gar deutlich auf Titelkurs sein, wird im Rhein-Energie-Stadion wohl „Deutscher Meister wird nur der BVB!“ oder ein vergleichbarer Gesang vom FC-Anhang zu hören sein.

Manche werden mitsingen, weil nach einem Jahrzehnt endlich mal wieder eine andere Mannschaft als die des FC Bayern München den Titel holt – oder einfach aus Häme gegen die Süddeutschen. Andere freuen sich ehrlich mit den Dortmundern, weil sie zu deren Fans freundschaftliche Beziehungen pflegen.

Alte West-Rivalen

Es werden aber bei weitem nicht alle FC-Fans einstimmen. Zu tief sitzt die alte West-Rivalität. Man kann es natürlich als extrem nachtragend ansehen, wenn Kölner sich über das unsportliche Verhalten der Dortmunder am letzten Spieltag der Saison 1977/78 ereifern, das den 1. FC Köln beinahe noch den Titel gekostet hätte.

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Vor der Jahrtausendwende noch waren sich Fans der beiden Vereine weitaus weniger wohl gesonnen. Vor allem in den 1980er Jahren, als die „Red Army Cologne“ auf der einen und die „Borussen-Front“ auf der anderen Seite den Ton in den jeweiligen Fan-Kurven angaben, gab es oft gewalttätige Auseinandersetzungen.

Kontakte unter den Ultras

Seit Ende der Nullerjahre gibt es freundschaftliche Kontakte zwischen Ultragruppierungen aus Köln und Dortmund. Gegenseitige Unterstützung findet dabei dem Vernehmen nach nicht immer nur in akustischer Form an den Spieltagen statt. So waren mutmaßlich Fans aus Dortmund an den Ausschreitungen beim Conference-League-Spiel des 1. FC Köln in Nizza im vergangenen Jahr beteiligt. Bei einem Überfall auf Fans von Schalke 04 Mitte Februar wiederum waren möglicherweise Kölner Anhänger beteiligt.

Es sind aber nicht nur Ultras oder Gewalttäter, die Gefallen an dieser freundschaftlichen Verbindung finden. Am 32. Spieltag der Saison 2010/11 verhalf der 1. FC Köln mit einem 2:0 über den rheinischen Nachbarn Bayer 04 Leverkusen den Dortmundern zur deutschen Meisterschaft. Dortmunds Stadionsprecher Norbert Dickel brüllte förmlich in sein Mikrofon: „Eins zu Null für Köln!“

Hohn für den gemeinsamen Rivalen

Weitere Sympathiepunkte sammelte der Kölner Anhang am letzten Spieltag der gleichen Saison, als beim 2:1-Sieg gegen den FC Schalke 04 „Deutscher Meister ist nur der BVB“ angestimmt wurde. Die Rivalität zu den Königsblauen aus Gelsenkirchen eint Kölner und Dortmunder Fans. So tragen nicht wenige Fans beider Seiten etwa Schals mit den Farben beider Vereine.

Allerdings teilen längst nicht alle Fans des 1. FC Köln die Sympathie für den alten Rivalen. Vor allem in der Oberliga West, vor Einführung der Bundesliga, war die sportliche Konkurrenz von FC und BVB groß. So verlor der 1. FC Köln in Stuttgart das letzte in dieser Form ausgetragene Endspiel um die deutsche Meisterschaft 1962/63 gegen Borussia Dortmund mit 1:3.

Erinnerungen an 1978

Bei FC-Fans um die fünfzig Jahre und älter dürfte aber die Erinnerung an das Saisonfinale 1977/78 weitaus schwerer wiegen. Mit der besseren Tordifferenz im Vergleich zum punktgleichen Erzrivalen Borussia Mönchengladbach ging es in den letzten Spieltag.

Als der FC in der 28. Minute beim FC St. Pauli durch Heinz Flohe in Führung ging, hatte Mönchengladbach im Düsseldorfer Rheinstadion bereits einen Vier-Tore-Vorsprung gegen den BVB herausgeschossen.

Am Ende fehlten den Gladbachern nur drei Tore, um den FC abzufangen. Mit sage und schreibe 12:0 hatten sich die Dortmunder abschießen lassen. Das haben viele den Schwarz-Gelben nicht vergessen. So ist das Verhältnis zu Borussia Dortmund also auch eine Frage des Alters.

Prominenter Fan

Ein prominenter Verfechter der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Rhein und Emscher ist übrigens der ehemalige BVB-Profi Kevin Großkreutz. Sein Verhältnis zum 1. FC Köln beschrieb der Fußballer so: „Ich kenne viele Fans, Verantwortliche und Spieler. Ich kenne auch die Fan-Lieder, und wenn ich im Stadion bin, singe ich sie mit. Die Atmosphäre beim Einlaufen ist besonders gut. Ich bin Fan vom FC.“

Der Fußball-Profi Kevin Großkreutz steht in Trainingssachen vor einer Tribüne im Kölner Rhein-Energie-Stadion.

Kevin Großkreutz ist gelegentlicher Gast bei den Spielen des 1. FC Köln.

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