Das Derby des 1. FC Köln gegen Bayer 04 Leverkusen ging am Sonntagnachmittag in Müngersdorf mit 2:1 an die Werkself. Im TV sah man viel davon, aber nicht Ragnar Ache. Weder auf dem Rasen noch auf der Bank war der Stürmer zu sehen, und das ausgerechnet in einem Spiel, in dem im Sturm große Not herrschte. Der Grund ist so banal wie ernüchternd: Der Stürmer stand nicht im Kader von Trainer René Wagner.
Dabei hätte man mit ihm rechnen dürfen. Der 28-Jährige hatte seine Muskelverletzung auskuriert und war in der Vorwoche wieder voll ins Mannschaftstraining eingestiegen. Noch am Freitag sprach Wagner von Ache als möglicher „Option“. Am Sonntag war davon nichts mehr zu hören. Im Sturm herrscht nach den Ausfällen von Thijs Dallinga und Imad Rondic große Not, doch die Antwort des Trainers lautete: lieber nicht. Ache drängt zurück in den Kader, aber die Kölner entschieden nach Rücksprache mit der medizinischen Abteilung, kein Risiko einzugehen.
Sportgeschäftsführer Thomas Kessler verriet das nach dem Abpfiff. „Ja, klar, das ist natürlich eine Abwägung“, sagte der FC-Sportchef auf die Frage, ob er die Entscheidung nachvollziehen könne. Ache sei aus einer Verletzung gekommen und habe bereits in der Woche vor dem Spiel trainiert, sei aber eben noch nicht vollständig belastbar gewesen. Kessler führte aus: „Das Risiko, dass du in so einer Spielbelastung, in so einem Spiel, wenn du reinkommst, vielleicht auch nochmal einen anderen Impuls in den Körper bekommst, haben wir uns einfach gemeinschaftlich entschlossen, zu sagen, dass wir ihn noch einmal rauslassen.“ Zudem habe Malek El Mala, der ein Jahr ältere Bruder von Jungstar Said El Mala, zuletzt ebenfalls sehr gute Arbeit geleistet, so Kessler.
Das Argument ist schlagend: Malek El Mala traf beim Profi-Debüt gleich zum 1:1-Endstand bei Union Berlin. Am Sonntag gegen Leverkusen legte er mit einer perfekten Flanke den (zu späten) Anschlusstreffer seines Bruders Said zum 1:2 auf. Ein Familienbetrieb mit Zukunft.
Für die Spiele nach der Länderspielpause hat Ache bei Kessler wieder einen festen Platz: „Ragnar ist ein extrem wichtiger Faktor, und er wird auch in den nächsten Wochen ein extrem wichtiger Faktor sein.“ Bis dahin bleibt ihm die Rolle des aufmerksamen Beobachters.
Apropos Besuch: Kessler sprach unmittelbar vor den Kabinen, und dort dürfte ihm auch Dominique Heintz (33) über den Weg gelaufen sein. Der langjährige Kölner Profi war im vergangenen Sommer nach dem Auslaufen seines Vertrags zu Fortuna Düsseldorf gewechselt und ließ es sich nicht nehmen, der Mannschaft und vielen seiner früheren Kollegen in der Kabine einen Besuch abzustatten. Den Geißbock hätte er gern kurz gegrüßt. Doch Hennes IX. blieb erneut daheim: Wegen eines Vogelgrippe-Falls befindet er sich weiter vorsorglich in Quarantäne.

Der 1. FC Köln trauert im Stadion um Karl „Büb“ Fuhrmann
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Vor Ort war außerdem Rav van den Berg (22), vor anderthalb Jahren ein teurer Einkauf, inzwischen eher ein teures Ausstellungsstück. Der junge Verteidiger fällt derzeit wegen eines im Oktober bei der niederländischen U21 erlittenen Faserrisses im Oberschenkel aus. Trotzdem stellte er sich im Medienraum den Fragen der ganz jungen FC-Fans, und das mit mehr Herz als manche Hereingabe. Dies war eine exklusive Aktion des FC im vereinseigenen Pänzclub. Rund 15 Minuten stand van den Berg Rede und Antwort, danach gab es Applaus von den jungen Anhängern. Der Abwehrspieler hatte die Aufgabe offenbar gut gelöst.
Sportlich läuft es für ihn bisher eher mau. Für einen Einkauf von über acht Millionen Euro ist diese Rolle schwer zu rechtfertigen. Sportchef Kessler hat klargestellt, dass man sich im Winter mit ihm und seiner Berateragentur zusammensetzen werde, um eine Trennung voranzutreiben, sollte sich an seiner Chancenlosigkeit nichts ändern. Dabei gab er sich großzügig: „Wir werden keinen Spieler mit Gewalt halten, der unzufrieden ist und keine Perspektive sieht.“ Ein bemerkenswert faires Angebot an einen Profi, dessen Perspektive derzeit vor allem aus der Tribüne besteht. Die wahrscheinlichste Option lautet deshalb: Die Insel ruft. Van den Berg kam 2025 vom FC Middlesbrough, und dorthin könnte er vielleicht zurückkehren.
Vor dem Anpfiff gedachte der FC einer Legende. Stadionsprecher Michael Trippel verkündete mit sonorer Stimme: Karl „Büb“ Fuhrmann ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Das Gründungsmitglied war als Spieler, Schiedsrichter, Zeugwart und Betreuer aktiv, vor allem im Amateurbereich. Ab 1967 betreute er 30 Jahre lang die Amateurmannschaft als Zeugwart. Wer so lange Dienst tut, wird nicht nur unentbehrlich, sondern auch unvergessen.
„Leeven ‚Büb‘, mach et joot, die FC-Familie wird Dich und Deine Verdienste um den Verein nicht vergessen!“, hieß es im Nachruf des Vereins. Auch Trainer Erich Rutemöller erinnert sich gern an ihn: „Das war eine schöne Zeit. Büb war unglaublich zuverlässig und immer da, wenn man ihn brauchte. Er meckerte nicht, sondern suchte immer direkt nach der besten Lösung. Er war FC durch und durch und lud regelmäßig zu Geburtstagen in seine Stammkneipe Klaaf in Lindenthal ein.“
Laut Vereinsangaben starb Fuhrmann bereits am 19. Oktober. Wenige Wochen zuvor war er noch im Geißbockheim, beim Treffen der Amateur-Meistermannschaft von 1981. Bis zuletzt mittendrin, dort, wo es beim FC am schönsten ist.

