Aleix García lief vor den Gästeblock, zeigte auf die Zuschauer, machte eine Geste des Plapperns und tippte dann auf sein Ohr. Kurz zuvor hatte der Mittelfeldspieler mit einem Freistoß das 1:0 beim 1. FC Köln erzielt. Es war sein Moment nach einer Woche, in der er im Mittelpunkt der Kritik stand. Beim 2:1 im Derby war er einer der besten Leverkusener auf dem Platz.
Die Woche davor war für Bayer schwer. Beim 0:1 in der Europa League gegen Olympique Marseille verlor García den Ball im Mittelfeld, anschließend blieb er stehen, und Amine Gouiri traf zur Entscheidung. Es war die dritte Niederlage aus vier Spielen. Robert Andrich ging danach hart mit seinem Mitspieler ins Gericht: „Man kann Fehler machen, man kann auch einen Ball verlieren und man kann auch einen Zweikampf verlieren. Aber dann einfach stehen bleiben ist für mich eine Sache, die darf nie passieren“, sagte Andrich im. Dann setzte er nach: „Das hat ein Stück weit auch mit Einstellung zu tun.“
Trainer Carles Martínez wollte die Sache nicht vertiefen. Nach der Niederlage sagte er: „Aleix hat den Ball verloren.“ Auf weitere Fragen in der Pressekonferenz antwortete er: „Es ist nicht der Ort, um darüber zu diskutieren.“ Gegen Köln ging García das Spiel anders an. Mitspieler Edmond Tapsoba sagte nach dem Abpfiff: „Ich weiß, was Sie meinen, aber so hat Rob es nicht gemeint. Wir reden als Mannschaft darüber. Das nehmen wir nicht als ernste Sache, wir klären das intern. Wir leben wie eine Familie, da kann so etwas passieren. Man muss es in guter Weise aufnehmen und weiter zusammenarbeiten, denn gemeinsam kann man etwas Größeres aufbauen.“
Klärendes Gespräch zwischen García und Andrich
Ibrahim Maza, der ebenfalls im Mittelfeld Verantwortung trägt, sieht darin mehr als ein Tor. „Das zeigt seine Einstellung und Mentalität“, sagte er und verwies auf ein klärendes Kabinengespräch zwischen Andrich und García. „Heute hat man gesehen, was für ein wichtiger Spieler er für uns ist. Er hatte vielleicht eine etwas schlechtere Phase in den letzten Spielen. Das passiert auch. Er hat bisher jedes Spiel durchgespielt. Natürlich geht das auf Körper und Kopf. Heute hat er mit einem unglaublichen Tor geantwortet, und danach hatte er das Spiel unter Kontrolle. Ich fand das eine super Reaktion von ihm.“
Auch Martínez sieht die Entwicklung im Detail. „Fehler gehören zum Fußball. Wichtig ist, dass man reagiert und versteht, warum etwas passiert ist. Wenn dieselbe Situation wieder kommt, muss man sie anders lösen. Heute war er aggressiver.“ Zu Andrichs Kritik sagte er: „Nach Niederlagen wird man manchmal hart und sagt Dinge, die schwer sind. Die beiden haben eine gute Verbindung und reden miteinander. Das wird draußen manchmal übertrieben. Drinnen geht das Leben weiter.“
Maza wehrte sich gegen den Eindruck, Fehler seien ein Makel. „Kritik gehört immer dazu. Wir sind erwachsene Männer und wissen, wie viel in so einem Spiel steht. Fehler passieren jedem, ich mache auch viele. Letzte Saison habe ich auch ein paar Fehler gemacht, die zu Toren geführt haben. Das ist okay. Wenn man keine Fehler macht, spielt man nicht gut. Man muss das Risiko eingehen.“
Für Tapsoba zählte vor allem das Ergebnis, obwohl das Spiel nicht glänzend war. „Die letzte Woche war hart für uns. Heute war das Wichtigste, das Derby zu gewinnen und bei unserem Fußball zu bleiben. Wir haben uns nur auf den Sieg konzentriert. Am Ende nehmen wir die drei Punkte mit, und wir sind glücklich darüber.“
Martínez beschrieb, wie schwierig die Partie war. „Wenn man in Führung liegt, will man das zweite Tor erzielen. Aber der Gegner hat schnelle Spieler für die Umschaltmomente, und wer nicht konzentriert und organisiert ist, bekommt sehr schnell ein Gegentor. Wir haben die Emotionen gut gemanagt. Wir mussten Fußball spielen, um zu gewinnen, aber nicht verrückt werden, sondern effektiv sein.“ Das waren sie. Patrik Schicks 2:0 war am Ende der entscheidende Treffer, von dem sich Köln nicht mehr erholen konnte. Nach der Länderspielpause wartet ein Heimspiel gegen den SC Paderborn. Aleix García hat nun zwei Wochen Zeit, die vergangenen Tage richtig einzuordnen.


