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Analyse zum Gladbach-SpielBayer 04 Leverkusen siegt über den Frust

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Jubel B04

Die Spieler von Bayer 04 Leverkusen jubeln über das Siegtor gegen Gladbach.

Mönchengladbach – Bayer 04 Leverkusen ist mit einem 1:0-Sieg bei Borussia Mönchengladbach nach mehr als einem Monat ohne Sieg ein vorläufiger Befreiungsschlag gelungen. Trotz zehn Ausfällen zeigte die Mannschaft von Trainer Peter Bosz eine ordentliche Leistung, hatte im Spielverlauf aber auch ein wenig Glück, den Borussia-Park mit drei Punkten zu verlassen. Der Rückstand auf Champions-League-Platz vier beträgt nur noch drei Punkte.

Das Tor

Mitten in einer Gladbacher Drangphase gewann Jonathan Tah in der 76. Minute im defensiven Mittelfeld den Ball gegen Hannes Wolf, Nadiem Amiri schickte Moussa Diaby in den freien Raum, der Franzose lief allen davon und kam aus günstigem Winkel zum Abschluss. Gladbachs Torhüter Yann Sommer verhinderte den direkten Torerfolg mit einem fantastischen Reflex, der Ball landete jedoch vor den Füßen von Patrik Schick, der ihn an mehreren Beinen vorbei im Tor unterbrachte.

Das war gut

Die Disziplin und das Selbstvertrauen, mit denen eine durch viele Ausfälle und Rückschläge geschwächte Werkself das Spiel begann. Von Panik oder Krise war zunächst nichts zu sehen. Basis des dringend benötigten Erfolgserlebnis war, dass zum ersten Mal seit dem 16. Dezember (4:0 gegen Köln) kein Gegentor fiel. So genügte eine konsequent zu Ende gespielte Offensivaktion für drei Punkte. Bosz ließ alle elf Spieler bis zur letzten Sekunde auf dem Platz. Das hatte es in der Bundesliga seit fünf Jahren nicht mehr gegeben.

Das war schlecht

Leichtsinnsfehler und Schlampigkeiten, die eine unter der Trainer-Diskussion um Marco Rose wankende Borussia in der ersten Halbzeit ins Spiel zurück brachte und in der zweiten Halbzeit nah an den Führungstreffer. Zweimal entging die Werkself nur mit Glück einem Elfmeter, mehrmals fehlte der Borussia der letzte Pass oder ein entschlossener Abschluss. Aber Coolness und Souveränität sind von einer Mannschaft, die zuletzt so oft enttäuscht hatte wie die Leverkusener, in einem solchen Spiel nicht über 90 Minuten zu erwarten.

Mann des Spiels

Lennart Grill, 22-jähriger Torhüter in Diensten von Bayer 04. Im Sommer geholt, fand sich der U-21-Nationaltorwart in der Rangfolge der Torhüter auf Platz drei wieder, hinter Lukas Hradecky und Niklas Lomb. Nach Ansicht des Trainerteams waren seine Defizite, vor allem im Spiel mit dem Fuß, zu groß. Erst nach Lombs Patzern gegen Augsburg und Bern bekam der im Sommer hoch Eingeschätzte seine Chance.

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Gegen Freiburg war er noch chancenlos an den Gegentoren, gegen Mönchengladbach verhinderte er bei einem Schuss von Herrmann mit einer Glanztat in der Nachspielzeit den Ausgleich. Viel überraschender waren jedoch Grills Ruhe und Ausstrahlung. Die Frage, wer bis zur Rückkehr von Hradecky im Bayer-Tor steht, scheint beantwortet.

Moment des Spiels

In der 58. Minute, als Mönchengladbach das Spiel im Griff hatte, versuchte Valentino Lazaro einen Fallrückzieher im Strafraum, verfehlte den Ball aber. So kam es zum Zweikampf zwischen Frimpong und Thuram, den der Gladbacher gewann, weil dem Leverkusener ein Foul unterlief. Schiedsrichter Siebert zeigte auf den Punkt. Bensebaini baute sich bereits als Schütze auf, da zeigten die Bilder des VAR, dass Lazaro im Abseits gestanden hatte. Gut für Bayer, mit einem Rückstand in dieser Phase wäre es schwer geworden, das Spiel nicht zu verlieren.

Das sagen die Trainer

Peter Bosz (Bayer 04 Leverkusen): „Ich bin zufrieden mit den drei Punkten, das war heute das Wichtigste. Ich bin aber auch zufrieden mit der Art, wie wir, vor allem in der ersten Halbzeit, Fußball gespielt haben. In der zweiten Halbzeit haben wir den Zugriff ein wenig verloren, aber die Mannschaft hat gut dagegen gekämpft. Ich habe nicht ausgewechselt, weil man das ja nicht muss. Das spricht für alle, die auf dem Platz waren.“

Marco Rose (Borussia Mönchengladbach): „Ich bin unzufrieden mit dem Ergebnis, wir hätten nicht verlieren müssen. Der Gegner war in derselben Situation wie wir, und man sieht, was so ein Sieg ausmacht. Die Lage ist sehr herausfordernd.“

Das sagen wir

Bayer 04 Leverkusen hat die vielleicht letzte Chance genutzt, Anschluss an die Champions-League-Plätze zu halten. Nach Wochen der Frustration gelang der ersehnte Sieg mit einer durch eine Vielzahl von Ausfällen geschwächten Mannschaft, die kompakt und entschlossen wirkte, auch wenn nicht alle Spieler auf ihrem höchsten Leistungsniveau agierten. Die Verantwortlichen werden froh sein, nicht jeden Tag nach der Zukunft von Trainer Bosz gefragt zu werden.