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Frust in LeverkusenDas Derby als letzte Chance

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LEVERKUSEN, GERMANY - APRIL 24: Kasper Hjulmand Head coach Bayer 04 Leverkusen during the pre game press conference, PK, Pressekonferenz before the Bundesliga match between Bayer 04 Leverkusen and 1. FC Koeln at BayArena on April 24, 2026 in Leverkusen, Germany. North Rhine Westphalia Germany Copyright: xSteffiexWunderlx

Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand bei der Pressekonferenz vor dem Spiel beim 1. FC Köln.

Bayer Leverkusen braucht Punkte, Feuer und eine Antwort auf die Frage, wie lange Kasper Hjulmand noch Trainer bleibt. Das Derby beim 1. FC Köln kommt zur Unzeit – und zur rechten Zeit.

Immerhin der Albtraum von der Conference League dürfte für Bayer 04 Leverkusen nicht mehr Wirklichkeit werden. Nach dem Einzug des VfB Stuttgart ins Pokalfinale am Donnerstagabend steht fest: Der sechste Rang in der Bundesliga reicht für die Europa League. Die Werkself hat auf Platz sechs derzeit neun Punkte Vorsprung vor dem SC Freiburg – bei zwölf noch zu vergebenden Zählern dürfte das reichen.

Das Saisonziel war und ist aber ein anderes: die Champions League. Vier Punkte muss Leverkusen auf die Stuttgarter aufholen. Die Stimmung um die Bay-Arena ist angespannt. Die Leistungen und Ergebnisse der vergangenen Wochen waren zu enttäuschend für Optimismus. Dazu steht die Frage im Raum, ob es Kasper Hjulmand gelingt, seine Mannschaft für das Derby beim 1. FC Köln am Samstag zu emotionalisieren. Der Trainer steht auf dem Prüfstand – dass er über die Saison hinaus in Leverkusen bleibt, wird immer unwahrscheinlicher.

„Mit diesen Spekulationen verbringe ich wirklich keine Zeit“, sagt Hjulmand. „Ich habe einen vollen Terminkalender. Ich bin von dem Moment, in dem ich aufwache, bis ich schlafen gehe, komplett fokussiert. Alles, was ich tue, dient dazu, der Mannschaft zu helfen. Wir sind drei Wochen vom Saisonende entfernt und haben vier sehr, sehr wichtige Spiele. Mein ganzer Fokus liegt genau dort.“

Köln will Bayers Schwäche nutzen

Er selbst und sein Team hatten am Mittwoch im Pokalspiel gegen den FC Bayern (0:2) auf ganzer Linie enttäuscht und der Dominanz des Meisters nichts entgegenzusetzen – spielerisch, vor allem aber kämpferisch. Kölns Trainer René Wagner skizzierte bereits den Plan des FC, der auf Leverkusens Schwächen setzt. „Ich glaube, dass die Leverkusener mit Intensität immer mal Probleme hatten. Daher müssen wir uns trauen, im eigenen Stadion die richtigen Mittel zu wählen“, sagte der 37-Jährige. Es gehe darum, „den Ball zu behalten, die Laufwege für die Leverkusener weit zu machen, so dass sie irgendwann vielleicht auch keine Lust mehr haben, dem Ball hinterherzulaufen.“

Wenn Hjulmand auf Themen wie Feuer, Mentalität, Mut oder Galligkeit angesprochen wird, verzieht er meist die Miene. Seine Vorstellung von Fußball basiert vor allem auf einem spielerischen Ansatz, über den die Spieler Überzeugung gewinnen. Das Problem: Zuletzt – so auch gegen die Bayern – lief der spielerische Ansatz häufig ins Leere, von Überzeugung war dementsprechend wenig zu sehen. Am Freitag versuchte der Däne seine Haltung klarer zu formulieren: „Es geht nicht nur mit spielerischem Fußball. Die Basis ist auch zu kämpfen, mit der richtigen Mentalität alles zu geben“, sagte er. „Es ist aber wichtig, nicht nur mit Emotionen zu spielen, sondern mit unserer Struktur und unserer Qualität. Fußball lebt von Emotionen – und in einem Derby sind sie größer. Die müssen wir kontrollieren und gleichzeitig mit Leidenschaft und diesem Gefühl spielen. Aber die Antwort ist immer unsere Struktur, immer fußballerisch – das ist das Wichtigste.“

Eine besondere Motivation für das Derby sei von seiner Seite nicht nötig. Hjulmand: „Die Spieler wissen alle, was das Derby bedeutet. Die, die hier schon lange spielen, sagen das natürlich auch den anderen. Wir machen nichts Spezielles – wir wissen genau, wie die Bedeutung ist. Nicht nur im Derby: Wir haben vier Spiele, und die müssen wir alle gewinnen.“ Sonst wird es wohl nichts mit der Champions League – und mit Hjulmands Zukunft in Leverkusen.