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Hjulmand unter DruckBayer 04 muss gegen Wolfsburg liefern

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Kasper Hjulmand beim Verlassen der Pressekonferenz in der Bay-Arena am Freitag.

Kasper Hjulmand beim Verlassen der Pressekonferenz in der Bay-Arena am Freitag.

Bayer 04 muss gegen den abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg gewinnen – sonst wird die Trainerdiskussion um Kasper Hjulmand noch lauter.

In einer Phase des maximalen Drucks griff Kasper Hjulmand am Freitag in die Kiste mit Kalendersprüchen. „Man muss versuchen, die Dinge zu ändern, die man ändern kann – und auch den Mut dazu haben. Man muss Frieden finden mit Dingen, die man nicht ändern kann. Und man muss so klug sein, den Unterschied zu erkennen“, sagte der Trainer von Bayer 04 Leverkusen über seine Handlungsgrundlagen.

Dass einige Dinge bei der Werkself einer dringenden Überholung bedürfen, zeigt die Tabelle. Sieben Spieltage vor Saisonende beträgt der Rückstand auf den vierten Platz vier Punkte. Ein Heimsieg gegen den abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr) ist Pflicht – andernfalls würde die Trainerdiskussion noch einmal richtig Fahrt aufnehmen.

„Es geht nicht um meine Person – es geht um die Mannschaft“, betonte Hjulmand. „Mein Fokus ist hier zu 100 Prozent – jede Stunde, jeden Tag, von morgens bis abends. Natürlich gehöre ich selbst auch zur Analyse. Wie kann ich der Mannschaft helfen? Wir haben alles mit dem Staff besprochen und haben einen klaren Plan.“ Die Länderspielpause habe das Trainerteam genutzt, um das bisherige Jahr zu analysieren und sich neu zu justieren. Die vergangenen Wochen waren ein Auf und Ab: Bayer 04 glänzte nur phasenweise, individuelle Fehler häuften sich, die Ergebnisse blieben meist enttäuschend.

Nur ein Sieg aus neun Spielen

Nur sieben Siege aus 19 Partien im Jahr 2026, aus den vergangenen neun Partien resultierte nur ein Sieg. „Wir haben viele Spiele gut gespielt – aber wir müssen diese Spiele auch gewinnen“, sagte Hjulmand. „In Freiburg hatten wir zwei große Chancen und haben sie nicht genutzt, in Heidenheim haben wir Fehler gemacht.“ Das Ergebnis seiner Analyse: „Unsere Prinzipien im Verteidigen müssen klarer sein. Manchmal gehen wir hoch, manchmal stehen wir kompakt – das muss präziser werden. Es ist nicht etwas komplett anderes, was wir ändern – es muss alles ein bisschen schärfer werden.“

Das Problem: Hjulmand hatte nur den Freitag, um einem Großteil seiner wichtigsten Spieler seine Schlüsse zu vermitteln. Neun Profis kehrten erst am Donnerstag und Freitag von ihren Länderspieleinsätzen zurück, teils mit enormen Reisestrapazen: Christian Kofane spielte mit Kamerun in Australien, Exequiel Palacios reiste aus Argentinien an. Immerhin kehren zwei Spieler nach ihren Verletzungen zurück in den Kader: Verteidiger Loïc Badé (Muskelverletzung im Oberschenkel) und Offensivspieler Eliesse Ben Seghir (Bänderverletzung im Sprunggelenk) stehen gegen Wolfsburg zur Verfügung. Beide Sommerzugänge wollen in den verbleibenden Wochen einen besseren Eindruck hinterlassen als bisher. Badé, für 25 Millionen Euro vom FC Sevilla als neuer Abwehrchef geholt, wurde seiner Rolle noch nicht gerecht. Ben Seghir, für mehr als 30 Millionen Euro von der AS Monaco verpflichtet, kämpfte mit Anlaufschwierigkeiten und Verletzungen: 14 Einsätze, meist nur wenige Minuten, keine Torbeteiligung.

Verzichten muss Hjulmand dagegen auf Martin Terrier. Der Angreifer erlitt beim 3:3 in Heidenheim eine Muskelverletzung mit Sehnenbeteiligung im Oberschenkel. Hjulmand verkündete am Freitag das Saisonaus für den Franzosen. Auch Verteidiger Jarell Quansah, der sich ebenfalls auf der Ostalb verletzt hatte, fehlt am Samstag. „Wir haben Hoffnungen, dass er für das Spiel in Dortmund am kommenden Samstag fit wird“, sagte Hjulmand. Die spannendste Personalfrage stellt sich im zentralen Mittelfeld: Aleix García fehlt gesperrt. Exequiel Palacios gilt als gesetzt, ein Duo mit Equi Fernández als unwahrscheinlich. Plausibler ist, dass entweder Ibrahim Maza oder Malik Tillman neben Palacios auflaufen wird – der jeweils andere dann eine Reihe weiter vorne.

Egal, wie die Aufstellung ausfallen wird, die sportliche Führung wird genau hinschauen. Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes hatte zuletzt zwar betont, ein Trainerwechsel sei kein Szenario. Eine Niederlage gegen Wolfsburg könnte diese Sichtweise jedoch schnell ändern.

Leverkusen: Flekken – Andrich, Badé, Tapsoba – Culbreath, Tillman, Palacios, Grimaldo – Maza, Poku – Schick; Wolfsburg: Grabara – Belocian, Vavro, Koulierakis – Kumbedi, Maehle – Eriksen, Vinicius Souza – Lindström, Amoura – Pejcinovic; Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart).