Noch kämpft die Werkself um die Champions League – doch im Hintergrund laufen die Planungen für die kommende Saison längst.
Trainerwechsel, Transfers, TalenteWie Bayer 04 schon jetzt die Zukunft plant

Simon Rolfes, Geschäftsführer Sport bei Bayer 04 Leverkusen
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Bei Bayer 04 ist alles der Zeit bis zum 16. Mai untergeordnet. An jenem Samstag entscheidet sich, an welchem internationalen Wettbewerb Leverkusen in der kommenden Saison teilnimmt: Europa League oder doch noch die als Saisonziel deklarierte Champions League.
Nach den vergangenen beiden Spieltagen ist die Werkself wieder in einer komfortablen Ausgangslage und hat die Qualifikation zur Königsklasse in der eigenen Hand – mit dem Spiel beim direkten Konkurrenten Stuttgart am Samstag (15.30 Uhr, Sky und Dazn) und dem Heimspiel gegen den bereits geretteten Hamburger SV an eben jenem 16. Mai. „Jetzt müssen wir noch heißer rangehen an die Spiele, jetzt liegt es wirklich an uns“, betonte Ibrahim Maza. „Wir müssen jedes Spiel gewinnen und wenn wir es wirklich wollen, dann schaffen wir es auch.“
Doch natürlich gilt der Fokus auf die letzten Tage dieser Bundesliga-Saison vor allem für den sportlichen Bereich. Im Hintergrund wird bereits an der Zukunft gearbeitet – die große Analyse dieser Spielzeit folgt zwar noch, doch zumindest werden schon Weichen gestellt. Ein Überblick:
Trainer: Kasper Hjulmand hat sich voll dem Erreichen des Saisonziels verschrieben. In der vergangenen Woche änderte er erstmals die Tonart, forderte von seiner Mannschaft mehr Feuer und Mentalität – intern wie öffentlich. Mit Erfolg. Beim überzeugenden 4:1 gegen Leipzig war eine ganz andere Körpersprache des gesamten Teams zu sehen. Womöglich kam der Sinneswandel jedoch zu spät. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Verantwortlichen schon seit Wochen intensiv mit einem Trainerwechsel im Sommer beschäftigen – trotz Vertrags mit Hjulmand bis 2027.
Was läuft mit Filipe Luís?
Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes pflegt stets eine Liste mit potenziellen Trainerkandidaten für Bayer 04. Nach Informationen dieser Redaktion steht auf dieser Liste auch Filipe Luís. Der 40-Jährige war als Spieler beim FC Chelsea, vor allem aber bei Deportivo La Coruña und Atlético Madrid aktiv. Rolfes verfolgt in Leverkusen einen Spielstil, der sehr spanisch geprägt ist, viel gepflegtes Passspiel und Dominanz in Ballbesitz beinhaltet.
Luís und Rolfes kennen sich bereits aus ihrer Spielerzeit, trafen auch im vergangenen Sommer während Bayers Trainingslager in Rio de Janeiro aufeinander. Luís trainierte zu dieser Zeit Flamengo, holte mit dem Rio-Klub 2024 und 2025 sechs Titel, darunter die brasilianische Meisterschaft und die Copa Libertadores, das südamerikanische Äquivalent zur europäischen Champions League. Nach Verwerfungen mit Flamengos Vorstand und einem schlechten Saisonstart 2026 wurde Luís Anfang März entlassen und ist seitdem vereinslos. Auch Oliver Glasner (Crystal Palace) gilt weiter als Kandidat.
Zugänge: Auch wenn einige Beobachter fordern, dem Kader mehr Erfahrung zuzuführen, sehen die Verantwortlichen vor allem an einer Stelle mehr Bedarf für die kommende Spielzeit: Tempo auf den Offensivpositionen. Die beiden längeren Ausfallphasen von Nathan Tella machten dieses Problem in dieser Saison deutlich.
Rolfes und Kaderplaner Kim Falkenberg sind vor allem auf der Suche nach schnellen Spielern, die Leverkusen im Angriff gefährlicher machen. Zudem halten die Verantwortlichen immer die Augen nach neuen Talenten offen. In Ndjicoura Bomba (18) von CS Bamako aus seiner Heimat Mali hat Bayer 04 bereits das nächste Sturmtalent aus Afrika verpflichtet. Er soll möglichst in die Fußstapfen von Christian Kofane treten, der in dieser Saison eine herausragende Entwicklung genommen hat.
Bayer 04 an Kenneth Eichhorn dran
Wie alle Topklubs in Deutschland lotet auch Leverkusen die Möglichkeiten aus, Toptalent Kenneth Eichhorn (16) von Hertha BSC zu verpflichten. Weitere Talente aus dem sogenannten Future Team sind derzeit noch auf Leihbasis bei anderen Teams unter Vertrag: Francis Onyeka und Farid Alfa-Ruprecht (VfL Bochum), Abdoulaye Faye (FC Lorient) oder Artem Stepanov (FC Utrecht). Ihre Perspektiven bei Bayer 04 werden in der Sommerpause bewertet.
Abgänge: Die Rückkaufoption für Kerim Alajbegovic von RB Salzburg hat die Werkself Ende März aktiviert – sie beläuft sich auf sechs bis sieben Millionen Euro. Der 18-Jährige wird von italienischen Topklubs umworben. Sollte es zu einem Wechsel kommen, fordert Bayer 04 mindestens 30 Millionen Euro. Zunächst steht jedoch ein Treffen zwischen Bayer 04, dem Spieler und seinem Vater Semin Alajbegovic an. Alle Szenarien sind für die kommende Saison denkbar: eine tragende Rolle im Kader von Leverkusen, eine erneute Leihe oder ein Verkauf.
Verkaufen könnte Bayer auch wieder seinen Rekordtransfer Malik Tillman. Der US-Nationalspieler war im vergangenen Sommer für rund 35 Millionen Euro von PSV Eindhoven aus den Niederlanden gekommen, konnte aber nicht überzeugen. Es gibt Interesse aus England. Die ebenfalls holprig gestarteten Loic Badé und Eliesse Ben Seghir sollen wohl im zweiten Jahr noch eine Chance in Leverkusen bekommen.
Bei Jarell Quansah ist man nach der Vertragsverlängerung von Ibrahima Konaté beim FC Liverpool überzeugt, dass die Engländer die Rückkaufklausel nicht ziehen werden. Für Jonas Hofmann, dessen Vertrag noch bis 2027 läuft, gibt es bei Bayer 04 wohl keine Zukunft mehr.

