Der 30. Bundesliga-Spieltag ist im Kasten. Und alles läuft auf ein Herzschlagfinale hinaus.
Kolumne zur Fußball-BundesligaAlles bereit für die Party am 27. Mai


Schalkes Dominick Drexler (l) erzielt das 2:1 gegen Werder Bremen.
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Bitte halten Sie sich Samstag, den 27. Mai unbedingt frei.Warum? Weil Sie dann aller Voraussicht nach eines der spannendsten Bundesliga-Saisonfinals der vergangenen Jahre verfolgen können. Egal, ob Meisterschaftsduell, Kampf um die europäischen Plätze, oder der Fight um die weitere Zugehörigkeit zur Beletage – das alles wird womöglich erst an diesem Samstag im Mai entschieden werden.
Ist der Titelkampf nicht schon jetzt entschieden?Gefühlt tatsächlich ja. Der Patzer der Dortmunder beim 1:1 in Bochum am Freitag und das gestrige 2:0 der Bayern gegen Hertha BSC lässt Fußballdeutschland kurzzeitig mit dem Gefühl zurück: Das war’s, das lassen sich die Bayern jetzt nicht mehr nehmen. Doch die Tuchel-Truppe ist nur einen Zähler vorn, zwölf sind noch zu vergeben. Und sie hat gestern gegen den Tabellenletzten keineswegs den Eindruck hinterlassen, nun unaufhaltsam Richtung Titel zu marschieren. Dortmund darf also trotz des 1:1-Patzers in Bochum weiter hoffen.
Wie ist denn die Stimmungslage in Dortmund?Wohlwollend ausgedrückt: Angespannt. Der BVB befindet sich in einem Gefühlswirrwarr aus Leid, Selbstgeißelung und Wut. Letztere richtet sich vor allem auf das Schiedsrichtergespann vom Freitagabend: Schiedsrichter Sascha Stegemann und Videoassistent Robert Hartmann.
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Was war los?Dass beim rüden Einsteigen von Bruno Soares gegen Karim Adeyemi der Elfmeterpfiff ausblieb, sorgte nicht nur bei BVB-Angestellten für Entsetzen. Es kommt selten vor, aber bei dieser Szene waren sich wirklich alle Fußballanhänger einig: Klare Fehlentscheidung. Tags darauf stellte sich Stegemann immerhin der Medienlandschaft und bekannte mehrfach, dass er einen Fehler gemacht habe und sich „beschissen“ fühle.
Wie reagieren die BVB-Anhänger auf den Schiedsrichter-Fehler?Zum Teil mit angemessener Kritik, zum Teil aber auch völlig überzogen. Stegemann hat mittlerweile sogar Strafanzeige gestellt, weil er und seine Familie bedroht worden sind. BVB-Chef Hans-Joachim Watzke fand zu diesen widerlichen Anfeindungen die richtigen Worte: „Anfeindungen jeder Art, Verunglimpfungen oder Drohungen, sei es persönlich oder anonym über Social-Media-Kanäle, können wir – aller Enttäuschung zum Trotz – aber nicht einmal im Ansatz tolerieren.“ Der Klub habe seine Sicht der Dinge direkt nach dem Spiel mit dem Schiedsrichter besprochen. Dieser habe anschließend versichert, „wie leid es ihm tut. Damit ist die Sache für uns erledigt“.
Ist für Hertha BSC auch der Kampf um den Klassenerhalt schon erledigt?Es sieht sehr danach aus. Die Niederlage bei den Bayern dürfte allem Anschein nach der endgültige Nackenschlag für die Hauptstädter gewesen sein. Auch die Rückkehr von Urgestein-Coach Pal Dardai wird den geplanten „Big City Club“ wohl nicht vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit bewahren. Allerdings haben die Berliner in Stuttgart und Bochum noch zwei direkte Konkurrenten im Olympiastadion zu Gast. Eine Resthoffnung bleibt der „Alten Dame“ also noch.
Gibt es sonst schon Vorentscheidungen im Abstiegskampf?Nein. Es ist vier Spieltage vor dem Saisonende wirklich alles offen. Den Vorletzten und den Tabellen-13. trennen gerade mal vier Punkte. Auch die davor stehenden Bremer und Kölner sollten sich noch nicht zu 100 Prozent sicher sein, zumal die Kellerkinder zuletzt konsequent gepunktet haben.
Welche Mannschaft hat das größte Momentum im Tabellenkeller?Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Den wohl emotionalsten Sieg am Wochenende verbuchten die Schalker. In der Hauptrolle dabei: der Ex-Kölner Dominick Drexler. Schalke hatte in der Schlussphase nach 0:1-Rückstand gegen Bremen den Ausgleich erzielt. In der Nachspielzeit blockte Drexler dann spektakulär mit der Brust kurz vor der eigenen Torlinie einen Schuss von Marvin Ducksch, der wohl im langen Eck eingeschlagen wäre. Im direkten Gegenzug – nicht mal eine Minute später – erzielte Drexler nach Sahnepass von Rodrigo Zalazar den 2:1-Siegtreffer. Die Schalker Arena explodierte vor Emotionen. Es war der vierte Sieg für die Elf von Trainer Thomas Reis seit Ende Februar, von den vergangenen 13 Spielern verloren die Königsblauen nur drei. Doch auch Stuttgart hat unter Neu-Coach Sebastian Hoeneß einen Lauf. Durch das 2:1 gegen Gladbach haben die Schwaben acht Punkte aus vier Spielen geholt. Alles läuft also auf ein Herzschlagfinale am 27. Mai hinaus. Patrick Scherer

