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Viktoria KölnTrainer Patrick Glöckner vor dem Aus – Übernimmt Jürgen Kohler?

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Jürgen Kohler

  1. Viktoria Köln hat den ersten Aufstiegs-Matchball beim SV Straelen kläglich vergeben und 0:2 verloren.
  2. Trainer Patrick Glöckner steht vor dem Aus, Jürgen Kohler könnte die Höhenberger am letzten Spieltag betreuen.

Straelen – Alle waren bereit für die große Sause. Vorstand, Sponsoren und Anhänger des Fußball-Regionalligisten FC Viktoria Köln hatten sich am Samstagmittag ins niederrheinische Straelen begeben, um am Rande der Niederlande den lang ersehnten Drittliga-Aufstieg bestenfalls ausgiebig zu feiern. Es kam jedoch anders: Gut zwei Stunden später hatte auf Kölner Seite der ganz große Kater eingesetzt; ungläubiges Kopfschütteln und versteinerte Gesichter allenthalben. Die Viktoria hat den ersten Matchball vergeben, sich von limitierten Straelenern schlicht vorführen lassen und nach einem kläglichen Auftritt beim von Inka Grings betreuten Aufsteiger mit 0:2 (0:0) verloren.

Die Entscheidung um den Aufstieg ist also vertagt und erfährt am nächsten Wochenende den ultimativen Showdown: Der einst souveräne Spitzenreiter ist gegen die Reserve von Borussia Mönchengladbach zum Erfolg verdonnert, anderenfalls wäre der Traum von der Dritten Liga wohl ausgeträumt.

Der Vortrag des FC Viktoria am Niederrhein glich einem Offenbarungseid: Wie in einem Trainingsspielchen schoben sich die Spieler den Ball hin und her, gelangten kaum einmal gefährlich vor das gegnerische Tor und agierten ohne Aggressivität und Tempo. Dabei hatte der stets joviale, inzwischen aber zunehmend verzweifelte Trainer Patrick Glöckner seine Formation auf vier Positionen verändert und zudem in ein wundersames 3-6-1-System gepackt.

Ein Experiment ohne jegliche Wirkung. Glöckner selbst wirkte nach dem Desaster schwer angeschlagen und fand kaum Worte für die Tragödie: „Wir haben keine Lösungen gefunden“, stammelte der 42-Jährige ungläubig. „Ich bin sprachlos und über die Art und Weise, wie wir hier aufgetreten sind, natürlich fürchterlich enttäuscht.“

Patrick Glöckner vor dem Aus

Dass der Fußballlehrer das Endspiel gegen Gladbach noch bestreiten darf, erscheint unwahrscheinlich: In gerade einmal zwei Monaten haben die Höhenberger einen komfortablen Neun-Punkte-Vorsprung verspielt; darüber hinaus hat der Tabellenführer seit fünf Pflichtspielen zu Hause nicht mehr gewinnen können.

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Viktoria-Trainer Patrick Glöckner

Am Sonntag steckten Viktoria-Mäzen Franz-Josef Wernze und Sportvorstand Franz Wunderlich die Köpfe zusammen und schmiedeten fieberhaft an einem Plan für die nächsten Tage. Im Umfeld macht schon der Name Jürgen Kohler die Runde. Der Weltmeister hat Viktorias U 19 am Samstag souverän in die Bundesliga geführt und könnte womöglich die einzige Lösung für das wichtigste Spiel in der jungen Klub-Historie sein. Der Auftrag an den einstigen Weltklasse-Verteidiger müsste lauten: In die Köpfe der komplett verunsicherten Mannschaft zu gelangen und wieder Leidenschaft zu entfachen.

Auch Marcus Steegmann, Kölns Sportlicher Leiter, war völlig fassungslos, seine Blicke irrten ins Leere. „Es kommt alles zusammen“, sagte Steegmann traurig. „RWO macht wieder mit überragender Moral ein spätes Tor und wir müssen diesen bitteren Moment erleben.“

Erst spät, unmittelbar nach der Kunde von Oberhausens Führung in Lippstadt, erhöhte die Viktoria das Risiko, lief aber in ihr Verderben und fing sich zwei späte Gegentreffer durch Aaram Abdelkarim (90.) und Denis Sitter (90.+5). Was am Ende eines völlig frustrierenden Wochenendes Anlass zur Hoffnung gibt: Viktoria Köln hat den Aufstieg weiter in der eigenen Hand.