Nach Dominik Bokks sehenswertem Overtime-Siegtreffer gegen die Eisbären am Mittwoch ist die Halbfinal-Serie wieder ausgeglichen - und die Haie hoffen, dass nun das Momentum zu ihnen gewechselt ist.
Halbfinale gegen BerlinDominik Bokk ist auf dem Weg zum wertvollsten Spieler der Kölner Haie

Dominik Bokk (Zweiter von rechts) erzielte im vierten Halbfinale gegen die Eisbären Berlin den entscheidenden Treffer für die Kölner Haie.
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Dass Dominik Bokk ein technisch herausragender Eishockeyspieler ist, war lange bekannt. Das Eishockey-Portal „Eliteprospects“ charakterisiert den 26-jährigen Haie-Angreifer, der im KEC-Nachwuchs groß wurde, als einen „hochveranlagten Flügelstürmer mit starken Eins-gegen-Eins-Fähigkeiten, schnellen Händen und kreativem Passspiel.“ Er könne „Torhüter auch mit seinem Schuss vor Probleme stellen.“
Letztere Fähigkeit bewies Bokk am Mittwoch in Partie vier des Playoff-Halbfinals der DEL gegen die Eisbären Berlin, als er vor 18.600 Zuschauern in der ausverkauften Lanxess-Arena in der 18. Minute der Verlängerung den Treffer zum 4:3-Sieg der Kölner erzielte – mit einem bemerkenswerten Handgelenkschuss von 141 km/h.
Es ist und bleibt ein Teamsport. Wir haben das Spiel gewonnen, und das tut gut – die Atmosphäre war wieder sehr besonders
Einen solchen Schuss kann nur abfeuern, wer über herausragende Schusstechnik, Explosivität und die Fähigkeit verfügt, auch bei hohem Tempo die Energie sauber aus der Bewegung in den Abschluss zu übertragen. Bokk kann all dies, und er ist auf dem besten Wege, zum wertvollsten Playoff-Spieler der Kölner Haie zu avancieren. Wie es sich für einen guten Teamplayer gehört, betonte er am Mittwoch aber umgehend, dass es für ihn zwar schön sei, ein solches Tor zu schießen. „Aber es ist und bleibt ein Teamsport. Wir haben das Spiel gewonnen, und das tut gut – die Atmosphäre war wieder sehr besonders.“
Nur den Tag nicht vor dem Abend loben. Die Haie haben in der Serie „Best of 7“ gegen den Titelverteidiger zum 2:2 ausgeglichen, das fünfte Spiel findet am Freitagabend um 19.30 Uhr in Berlin statt, wo die KEC-Profis zuvor im Halbfinale zweimal verloren haben. Natürlich hoffen sie, dass nach dem starken Auftritt in der heimischen Halle das Momentum, das kleine Stück Glück, das in engen Duellen den Unterschied ausmacht, nun endlich zu ihnen übergesprungen ist – und sie ihren ersten Sieg beim Gegner feiern können. Denn dann hätten sie am Montag (19.30 Uhr) in Partie sechs in der Lanxess-Arena einen Matchpuck zum Finaleinzug.
Dominik Bokk hat bei den Kölner Haien seinen defensiven Schlendrian abgelegt
Dass Bokk, mit fünf Toren und zwei Vorlagen bester Kölner Playoff-Scorer, im vergangenen Sommer nach Köln zurückkehrte, geht auf die Initiative des KEC-Sportdirektors Matthias Baldys zurück, der sich bei Trainer Kari Jalonen erfolgreich für den Transfer einsetzte. Baldys hatte die jüngere Entwicklung des in Schweinfurt geborenen Spielers beeindruckt.
Bokk, der 2018 im NHL-Draft in der ersten Runde von den St. Louis Blues an Position 25 gezogen wurde, spielte von 2022 bis 2025 in Frankfurt für die Löwen. Dort kam er auch in Unterzahl zum Einsatz, war verlässlich im System und hatte 2024 als Führungsspieler dazu beigetragen, dass die Löwen den Klassenerhalt schafften. Eine erstaunliche Entwicklung. Bokk wurde zuvor ein gewisser defensiver Schlendrian nachgesagt, den er nach einer längeren Odyssee aber abgelegt hat.
Als 17-Jähriger wechselte der Stürmer von den Junghaien in die schwedische Liga zu Växjö Lakers. Nach dem Draft blieb er zunächst in Schweden und spielte in Absprache mit dem NHL-Team für Rögle und Djurgardens. 2020 ging er nach Nordamerika, lief aber nur für die Chicago Wolves in der AHL auf – und nicht in der NHL. „Einen konkreten Grund, warum es nicht geklappt hat, kann ich nicht nennen. Ich befasse mich damit aber nicht mehr. Ich nehme es an und versuche, das Beste daraus zu machen“, sagte Bokk im vergangenen Sommer im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger.
Nach einem mehrmonatigen Intermezzo in Berlin, wo er 2022 einen Titelgewinn feierte, folgte das Engagement in Frankfurt – schließlich kam er zu den Haien, die mit ihm sehr zufrieden sind. „Unabhängig von sehenswerten Toren und technischen Highlights spielt Dominik eine stabile und konstante Saison“, sagt Baldys. Bokks Vertrag mit dem KEC läuft bis 2027. Aber wer weiß, welche Eishockey-Vereine auf ihn aufmerksam werden, falls er eine Fähigkeiten in den Playoffs weiter so eindrucksvoll präsentiert wie am Mittwoch. Neben Deutsch, Englisch und Schwedisch spricht Bokk durch seine Eltern auch Russisch.
Der freie Vorverkauf für Spiel sechs am Montag in der Lanxess-Arena startet am Freitag um 10 Uhr, es dürfte genauso schnell ausverkauft sein wie die Begegnungen zuvor. Sollte es danach in der Serie 3:3 stehen und somit ein siebtes Spiel nötig werden, würde es am Mittwoch in Köln ausgetragen.
