Der ehemalige Tennisprofi spricht im Interview über sein Engagement beim Titelverteidiger und die Chancen von Alexander Zverev auf den Gewinn eines Grand-Slam-Titels.
Marc-Kevin Goellner„Wir wollen mit Schwarz-Weiß Köln wieder Deutscher Meister werden“

Marc-Kevin Goellner, Tennisspieler der Herren 55 von Schwarz-Weiß Köln
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Herr Goellner, Sie sind seit der vergangenen Saison Spieler der Herren 55 des KKHT Schwarz-Weiß Köln. Wie kam es dazu?
Marc-Kevin Goellner: Ich bin Kölner und der Verein hat ambitionierte Ziele. Eigentlich wollte ich gar nicht mehr spielen. Aber dann haben die Verantwortlichen mich überzeugt, dass sie mich ja zumindest melden können und dass wir dann gemeinsam schauen, ob ich mal zum Einsatz komme. So ist das eine zum anderen gekommen und ich habe wieder Lust bekommen, in dieser Truppe zu spielen. Das ist wirklich eine tolle Mannschaft und es macht einen riesigen Spaß, ein Teil davon zu sein. Mit meiner Tennisakademie bin ich im Kölner Süden. Theoretisch könnte ich zu Schwarz-Weiß Köln sogar mit dem Fahrrad fahren. Aber dafür bin ich mittlerweile zu unsportlich (lacht).
Im ersten Jahr sind Sie direkt Deutscher Meister geworden. Was ist in dieser Saison das Ziel?
Wir wollen natürlich wieder Deutscher Meister werden und unseren Titel erfolgreich verteidigen.
Die Spieler kommen nicht nur, um ihre Begegnungen zu bestreiten und dann sind sie wieder weg. Wir sitzen immer danach noch zusammen und haben eine gute Zeit
In der Mannschaft spielen unter anderem mit Younes El Aynaoui, Magnus Larsson, Francisco Clavet, Paul Haarhuis und Andrei Cherkasov weitere namhafte Ex-Profis. Wie sehen Sie das Niveau im Team?
Das sind alles immer noch sehr gute Tennisspieler. Und vor allem sind die fit. Aber noch wichtiger ist meiner Meinung nach, dass wir ein gutes Team sind. Die kommen nicht nur zu den Spielen, um ihre Begegnungen zu bestreiten und dann sind sie wieder weg. Wir sitzen immer danach noch zusammen und haben eine gute Zeit.
Sie haben früher im Davis Cup für Deutschland gespielt und gewonnen, die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen geholt und zwei große Turniersiege gefeiert. Wie schauen Sie heute auf Ihre Karriere zurück?
Im Rückblick denkt man ja immer, dass noch mehr möglich gewesen wäre, wenn das oder das passiert wäre. Auch bei mir ist das so. Aber das ist meiner Meinung nach Quatsch. Ich bin einer von sieben deutschen Tennisprofis, die den Davis Cup gewonnen haben. Ich kann mich noch sehr gut an das Endspiel 1993 in Düsseldorf gegen Australien erinnern. 14.000 Zuschauer waren da. Ich habe mit Michael Stich, Patrick Kühnen, Charly Steeb und Bernd Karbacher das deutsche Team gebildet. Es war einfach gigantisch.
Alexander Zverev muss jetzt schleunigst etwas einfallen, wie er Jannik Sinner stoppen kann
Am Sonntag beginnen die French Open in Paris. Wie sehen Sie die Chance, dass Alexander Zverev seinen ersten Grand-Slam-Titel holt?
Die Chance ist auf jeden Fall schon deshalb deutlich größer geworden, weil Carlos Alcaraz verletzt absagen musste. Novak Djokovic scheint nicht die Form zu haben, um solch ein Turnier gewinnen zu können. Aber so oder so wird es spätestens ab dem Halbfinale extrem schwer. Und selbst wenn Alex Zverev es ins Endspiel schaffen sollte, wartet dort aller Voraussicht nach die Maschine Jannik Sinner, die zudem noch der absolute Angstgegner von Zverev ist. Die letzten neun Duelle mit Sinner hat er alle verloren.

Die deutschen Davis Cup-Sieger von 1993: v.l. (hinten) Marc-Kevin Goellner, Team-Chef Niki Pilic, Patrik Kühnen, (vorn) Bernd Karbacher, Michael Stich und Carl-Uwe Steeb
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Zuletzt in Madrid sogar klar mit 1:6 und 2:6.
Zverev muss jetzt schleunigst etwas einfallen, wie er Sinner stoppen kann. Aber das wird extrem schwer. Sinner spielt im Moment wie von einem anderen Stern. Allerdings ist nichts unmöglich. In diesem Zusammenhang fällt mir eine super Geschichte des ehemaligen Tennisspielers Vitas Gerulaitis ein: Der hat gegen Jimmy Connors 16 Mal in Folge verloren. Und dann hat er diese Serie tatsächlich durchbrechen und gewinnen können. Hinterher hat er in der Pressekonferenz gesagt, dass niemand Vitas Gerulaitis 17 Mal in Folge besiegt. So muss Zverev es auch angehen. Er wird seine Chance bekommen, dann muss er sie beim Schopfe packen.
Was hat ihm bisher gefehlt, um einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen?
Er hatte einerseits immer Gegner, die einfach besser waren als er. Und wenn er dran war, hat es im Kopf nicht funktioniert – zum Beispiel bei seiner Fünfsatz-Niederlage im Finale der US Open in New York. Oder er hat sich verletzt. Ich denke an dieses epische Match gegen Rafael Nadal bei den French Open. Da war er überragend in Form. Das Turnier hätte er gewonnen.
Haben Sie Zverez persönlich kennengelernt?
Ich habe mehr Kontakt zu seinem Bruder Mischa. Alexander Zverev hat mal bei einem Turnier in Leverkusen gespielt, das ich vor vielen Jahren ausgerichtet habe. Damals war er 15 oder 16 Jahre alt und ist in der ersten Runde ausgeschieden. Er war noch sehr jung, aber sein riesiges Potenzial war schon damals zu erkennen.
Marc-Kevin Goellner ist einer von zahlreichen Ex-Profis, die den Kader der Herren 55 des KKHT Schwarz-Weiß Köln bilden. Zum Team zählen unter anderem Younes El Aynaoui, Magnus Larsson, Francisco Clavet, Paul Haarhuis und Andrei Cherkasov.
Goellner gewann 1993 mit dem deutschen Team den Davis Cup im Endspiel gegen Australien in Düsseldorf. Darüber hinaus holte er eine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen und feierte zwei große Turniersiege.
Die Herren 55 des KKHT Schwarz-Weiß Köln sind mit drei Siegen in die Regionalliga-Saison gestartet und Tabellenführer. Das nächste Heimspiel findet am 30. Mai (ab 14.30 Uhr) gegen den Marienburger SC statt. Der Eintritt zu den Begegnungen auf der Anlage am Kuhweg in Köln-Riehl ist frei.
