Die Saison 2025/26 im Fußball-Verband Mittelrhein wird von mehreren Mannschafts-Rückzügen getrübt. Rudi Rheinstädtler, Vizepräsident Sport des FVM, spricht über die Gründe.
Rückzugswelle im FVM„Vereine sollten nicht nur in Beine investieren“

In der Saison 2025/2026 haben sich allein auf Mittelrhein-Ebene sieben Herren-Mannschaften vom Spielbetrieb abgemeldet.
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Herr Rheinstädtler, in der Saison 2025/26 wurden auf Mittelrhein-Ebene gleich sieben Herren-Mannschaften aus dem Spielbetrieb zurückgezogen. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?
Jeder einzelne Rückzug ist einer zu viel. Damit sind natürlich auch wir als Verband nicht zufrieden, zumal jeder Rückzug spieltechnische Konsequenzen und Spielplananpassungen nach sich zieht. Auf der anderen Seite ist die Zahl der Rückzüge in dieser Saison im Vergleich zu den Vorjahren nicht überdurchschnittlich hoch. Wir möchten die Vereine gerne dabei unterstützen, dass wir zukünftig wieder weniger Rückzüge haben.
Wie kann das gelingen?
Leider liegen uns nicht zu jedem Rückzug die Gründe vor, weil es für die Vereine keine Verpflichtung gibt, diese zu benennen. Wir haben uns aber Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig mehr Informationen zu den Gründen erhalten. Eine Möglichkeit sind Austrittsinterviews, wie man sie aus dem Personalbereich kennt.
Was wissen Sie zu den Gründen?
Uns erreichen vermehrt Hinweise auf wirtschaftliche Probleme der Vereine. Es kann daher gut sein, dass sich der ein oder andere Verein in dieser Saison oder in der Vergangenheit wirtschaftlich übernommen hat. Das Verfehlen von sportlichen Zielen führt dagegen selten zu einem Rückzug. Dafür überwiegt bei unseren Mannschaften zu sehr der sportliche Gedanke.
Steht im Amateurfußball der monetäre Aspekt inzwischen zu sehr im Mittelpunkt?
In unserem Interesse ist das nicht. Wir geben den Vereinen ja nicht vor, Aufwandsentschädigungen zu zahlen. Das ist eine Entwicklung von Angebot und Nachfrage auf Ebene zwischen den Vereinen und Spielern. Wenn es nach uns geht: Wir empfehlen, dass Spieler auf andere Weise an den Verein gebunden werden. Das wiederum wirkt sich häufig positiv auf die Zuschauerzahlen aus. Denn dort, wo viele bekannte Gesichter spielen, geht man am Wochenende im Dorf eher hin.
Welche Rolle spielt der Wertewandel in der Gesellschaft, insbesondere zurückgehende Identifikation und Treue?
Wir kennen nicht jeden Einzelfall. Daher vermag ich nicht zu beurteilen, inwiefern sich die Rückzüge auf gesellschaftliche Entwicklungen herunterbrechen lassen. Dieses Urteil kann ich nicht fällen.

Rudi Rheinstädtler, Vizepräsident Sport im Fußball-Verband Mittelrhein
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Welche alternativen Ansätze gibt es?
Es gibt viele Vereine, die einen anderen Weg gehen – und auf Zusammenhalt sowie Rahmenbedingungen setzen. Wir empfehlen unseren Vereinen einen ganzheitlichen Ansatz, zum Beispiel mit einem guten Angebot im Mädchen- und Frauenbereich. Wenn man als Verein ein Angebot für die ganze Familie bieten kann, dann ist der Anreiz, dem Verein langfristig treu zu bleiben, viel größer, als wenn man sich nur auf die 1. Mannschaft fokussiert. Zielgruppenerweiterung holt die ganze Familie ab und nicht nur den Einzelnen.
Wie schwierig ist dieser Spagat gerade für die höherklassigen Vereine?
Das ist genau die Herausforderung. Wenn man es als Verein nicht schafft, die Liga mit eigenen Kräften zu halten, muss man sich darüber im Klaren werden, ob man den Weg weitergehen möchte. Vereine, die ein gewisses sportliches Niveau halten wollen und deshalb auf die Verpflichtung externer Spieler angewiesen sind, geben sich dem Risiko hin, dass es irgendwann vielleicht nicht mehr klappt.
Was wünscht sich der Verband?
Natürlich wollen wir, dass alle Spieler in erster Linie Fußball spielen, weil sie einen sportlichen Vergleich haben wollen. Weil sie Spaß am Fußball haben, weil sie gemeinsam etwas erreichen und gemeinsam Sport ausüben wollen. Das sollte an erster Stelle stehen. Diejenigen Spieler, die nur auf das Monetäre aus sind und einen Vereinswechsel an den nächsten reihen, könnten wahrscheinlich eine kurze Karriere haben.
Muss der Verband sein Strafmaß bei Rückzügen verschärfen?
Das ist nicht unser Weg. Eine Erhöhung der Ordnungsgelder hätte keine abschreckende Wirkung. Die Abschreckung ist auch nicht das Entscheidende, sondern die Frage: Wie schaffen wir es, Rückzüge in Zukunft zu verhindern? Deshalb glaube ich, dass wir einen anderen Weg gehen müssen. Unser Spielausschuss setzt auf Dialog, den wir weiter verstärken wollen. Wir haben immer wieder Schwerpunktthemen, die wir mit den Vereinen besprechen. In nächster Zeit sollte die wirtschaftliche Planung Thema sein.
Welche Fragen sollten sich Vereine darüber hinaus stellen?
Aus unserer Sicht wäre es für Vereine gesünder, sich mit grundlegenden Fragen auseinanderzusetzen: Ist die aktuelle Liga für meinen Verein die richtige – und kann ich sie dauerhaft halten? Ist mein Konzept nur auf ein Jahr ausgelegt oder auf mehrere? Wie ist mein Unterbau aufgestellt? Und: Wie stehen die Chancen, externe Spieler zu halten? Klar ist aber auch: Wir können kein Musterkonzept vorgeben. Unser Appell lautet, dass die Vereine nicht nur in Beine investieren sollten, sondern nachhaltig in Steine. Es gibt verschiedene Förderprogramme, um die eigene Infrastruktur voranzubringen, bei deren Beantragung wir unsere Vereine gerne unterstützen.
Mit dem FC Pesch zog sogar ein Mittelrheinligist kurz vor Saisonende seine Mannschaft zurück. Hat Sie dieser Rückzug besonders verärgert?
Es ist schade, dass Rückzüge selbst in der höchsten Liga des FVM passieren. Immerhin ist es dem FC Pesch positiv anzurechnen, dass er im engen Dialog mit dem Verbandsspielausschuss war und seine Mannschaft bewusst zu einem Zeitpunkt zurückgezogen hat, der es den anderen Vereinen ermöglicht, die Saison vernünftig zu Ende zu spielen.
Mit Teutonia Weiden ist zudem ein weiterer Mittelrheinligist einmal nicht angetreten. Sehen Sie einen Imageschaden für das Aushängeschild des FVM?
Dauerhaft nicht, weil wir bislang von einzelnen Fällen sprechen. Sollte so etwas vermehrt vorkommen, dann allerdings schon.
Was stimmt Sie zuversichtlich?
Beim täglichen Erleben im FVM sehen wir auch ganz viele positive Beispiele von Vereinen, wo es wunderbar läuft und wo es keine Rückzüge gibt. Leider geht das etwas unter, weil die Rückzüge in der öffentlichen Wahrnehmung überwiegen. Als Verband versuchen wir, den Menschen ein Fußballangebot für jedermann in den Vereinen zu bieten. Das Frauen-Pokalfinale am Tag der Arbeit im Troisdorfer Aggerstadion war dafür ein tolles Beispiel.
