Vor allem bei jüngeren Spielern zeigt der deutsche Profi von Real Madrid wenig Verständnis.
„Da beginnt es schwierig zu werden“Toni Kroos kritisiert Spieler für Wechsel nach Saudi-Arabien

Fühlt sich wohl in Madrid: Toni Kroos
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Fußballprofi Toni Kroos sieht die Wechsel vieler seiner Kollegen nach Saudi-Arabien kritisch und schließt einen solchen Schritt für sich selber aus. Die Menschenrechtslage dort sei „das eine, was mich von so einem Wechsel abhalten würde“, sagte der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler von Real Madrid dem Magazin „Sports Illustrated“ (Donnerstag).
Diese Entscheidung müsse jeder für sich selbst treffen. Schwierig werde es aber, „wenn sich Spieler, die mitten in ihrer Karriere sind, die die Qualität haben, für Top-Clubs in Europa zu spielen, für solche Wechsel entscheiden“, sagte Kroos. „Und dann wird erzählt, dass man dort ambitioniert Fußball spielt - wobei es nur ums Geld geht“, kritisierte der 106-malige Nationalspieler.
Am Ende sei es eine Entscheidung für das Geld und gegen den Fußball. „Und ab da beginnt es schwierig zu werden für den Fußball, den wir alle kennen und lieben“, sagte der frühere Bundesliga-Profi.
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Schon früher hat sich Kroos zu dem Thema gäußert. Nach dem Wechsel von Real-Stürmerstar Karim Benzema nach Saudi-Arabien vor einigen Wochen kommentierte er: „Man kann das machen oder man kann es lassen. Das ist eine Entscheidung von jedem selbst. Ich hätte gedacht, dass er grundsätzlich die Idee verfolgt, seine Karriere in Madrid zu beenden“, sagte der 33-Jährige. Benzema hatte bei Meister Al-Ittihad einen Dreijahresvertrag unterschrieben. „Ich würde die Aussage wagen, dass er den Verein zwei Wochen vorher nicht gekannt hat“, sagte Kroos.
Toni Kroos kann sich künftiges Familienleben in Madrid gut vorstellen
Kroos hatte seinen auslaufenden Vertrag beim spanischen Spitzenclub Real Madrid kürzlich um ein Jahr bis zum 30. Juni 2024 verlängert. Der Weltmeister von 2014 geht damit in seine zehnte Saison beim spanischen Erfolgsclub. In bisher 417 Spielen gewann er mit Real 20 Titel, darunter allein viermal die Champions League, insgesamt kommt er auf fünf Triumphe in der Königsklasse. Er ist damit nach Titeln der mit Abstand erfolgreichste deutsche Fußball-Profi.
Nach seinem Karriereende will Kroos mit seiner Familie erstmal in Madrid bleiben. „Die ersten Jahre sagt man sich: Das ist ein schönes Abenteuer in Madrid. Und parallel überlegt man, wann man nach Deutschland zurückgeht, weil es die Heimat ist, die Familie dort lebt“, sagte Kroos. Nach neun Jahren sei das eine andere Geschichte. „Das Leben allgemein in Madrid ist schön, wir haben uns alles so eingerichtet, dass das gut passt für uns“, sagte Kroos.
Ceferin: Champions League weiter ohne Clubs aus Saudi-Arabien
Unterdessen hat sich UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zur Rolle Saudi Arabiens im internationalen Fußball geäußert. Der 55-Jährier wies Berichte zurück, wonach wonach künftig womöglich auch Clubs aus Saudi-Arabien in der Champions League mitspielen könnten. „Nur europäische Vereine können an der Champions League, der Europa League oder der Europa Conference League teilnehmen“, antwortete der er auf eine entsprechende Frage der französischen Sportzeitung „L'Équipe“. An diesem Donnerstag findet in Monaco die Auslosung der Gruppenphase statt.
Trotz des Aufrüstens der finanzstarken saudischen Liga sieht Ceferin darin keine Gefahr für den europäischen Fußball. „Wir hatten einen ähnlichen Ansatz von China, das Spieler am Ende ihrer Karriere kaufte und ihnen viel Geld bot. Das Ergebnis: Der chinesische Fußball hat sich danach nicht weiterentwickelt und sich nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert“, erklärte Ceferin.
Aleksander Ceferin: „Mbappé und Haaland träumen nicht von Saudi-Arabien“
In diesem Sommer sind etliche Stars wie Neymar oder Sadio Mané für viel Geld nach Saudi-Arabien gewechselt, was Ceferin kritisch sieht: „Das ist nicht der richtige Weg, sie sollten an der Ausbildung von Spielern und Trainern arbeiten, aber das ist nicht mein Problem.“
Nur Spieler am Karriereende und solche, die nicht ehrgeizig genug seien, zieht es nach Ansicht von Ceferin in die Wüste: „Soweit ich weiß, träumen Mbappé und Haaland nicht von Saudi-Arabien“, sagte er mit Blick auf die in Europa spielenden Superstars Kylian Mbappé und Erling Haaland. „Wir werden sehen, was passiert, aber ich glaube nicht eine Sekunde lang, dass dies unsere Wettbewerbe gefährden könnte.“ (oke, mit dpa)

