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Verstörender Beginn, starkes Comeback: Viktoria Kölns Spektakel-Start in Liga drei

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Viktoria-Coach Pavel Dotchev

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dpa

Köln -

Spätestens, als Albert Bunjaku zum doppelten Flick-Flack ansetzte, stand fest: Der FC Viktoria Köln ist  in der Dritten Liga angekommen. „Den habe ich zuletzt vor acht Jahren ausgepackt“, witzelte der 35-Jährige Stürmer-Veteran, dem beim spektakulären 3:3 (1:3) zum Auftakt bei Hansa Rostock  zwei Tore gelungen waren.

Verstörender Auftritt von Bernard Kyere

Zuvor hatte der Aufsteiger bei seiner Premiere im Profifußball ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Nach haarsträubenden Fehlern und einer verstörend schwachen Performance von Bernard Kyere in Kölns Innenverteidigung, war die Viktoria bereits nach knapp 20 Minuten scheinbar hoffnungslos in Rückstand  geraten. Der bullige Abwehrspieler erwischte im tosenden Ostseestadion einen fürchterlichen Arbeitstag: Zunächst produzierte der Zugang von Fortuna Köln ein zugegeben unglückliches Eigentor (9.), anschließend legte er Rostocks Pascal Breier den Ball mustergültig zum 0:2 auf (13.).

Zur Halbzeit wurde der heillos überforderte Deutsch-Ghanaer von seinen Qualen erlöst und durfte unter die Dusche. Dass der Mannschaft ein Debakel erspart blieb, sie nach dem dritten Gegentor durch Aaron Opoku (19.) gar Comeback-Qualitäten bewies, nahm Trainer Pavel Dotchev erleichtert zur Kenntnis: „Wir können sehr glücklich sein, den Rückstand  gedreht zu haben“, analysierte der 53-Jährige nach einem aberwitzigen Fußballspiel. „Mit etwas Glück hätten wir sogar noch gewinnen können.“

Albert Bunjaku trifft zweimal

Für den erfahrenen Coach bot der Saisonstart ohnehin genügend Stoff für ein ganzes Buch. Noch bis Januar hatte der einstige Nationalspieler Bulgariens bei Hansa an der Seitenlinie gestanden, ehe er in der Winterpause entlassen wurde. Die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte rief bei Dotchev also durchaus emotionale Regungen hervor: „Vor dem Spiel war das für mich wirklich nicht ganz leicht“, gab der Coach offen zu. „Später war ich aber so konzentriert, dass ich meine Gefühle ganz gut im Griff hatte.“

Für derlei Sentimentales hatte der Fußballlehrer nach dem Anschluss Bunjakus, der einen Eckstoß von Kapitän Mike Wunderlich per Kopf zum 1:3 verwertete (27.), ohnehin kaum noch Zeit. Nachdem der starke Kevin Holzweiler die 50 mitgereisten Anhänger mit einem wunderbaren Schlenzer in den linken Torgiebel endgültig in den Wahnsinn getrieben hatte (49.), bestimmte der Aufsteiger das Geschehen an der Ostsee und hatte favorisierte Rostocker deutlich im Griff. Erneut Bunjaku vollendete ein Zuspiel des eingewechselten Moritz Fritz zum Ausgleich (62.) –  am Ende war der FC Viktoria dem Siegtreffer gar näher als taumelnde Gastgeber.

 Die mehr als  600 Kilometer lange Heimfahrt im Mannschaftsbus bot den Aktiven die Möglichkeit zur Regeneration. Präsident Günter Pütz fuhr  mit dem ICE zurück und schien nach dem wahnsinnigen Drittliga-Start völlig mitgenommen: „Jetzt trinke ich erst mal ein paar Kölsch. Ich bin  um Jahre gealtert, dafür aber umso glücklicher.“        

FC Viktoria: Mesenhöler - Gottschling, Kyere (46. Lanius), Willers, Lang - Ristl, Saghiri (46. Fritz) - Holzweiler, Wunderlich, Handle - Bunjaku (85. Najar). –  Zuschauer: 15.581. –  Tore: 1:0 Kyere (9./Eigentor), 2:0 Breier (13.), 3:0 Opoku (19.), 3:1 Bunjaku (27.), 3:2 Holzweiler (49.), 3:3 Bunjaku (62.). –  Schiedsrichter: Stieler (Hamburg).