In der Bay-Arena lieferten sich der FC und Leverkusen ein heißes Finale. Ein Jahr später ist allerdings nur ein Spieler Bundesliga-Stammkraft.
NachwuchsfußballWas wurde aus den Kölner und Leverkusener Final-Talenten von 2025?

Justin von der Hitz steht in Nürnberg unter Vertrag.
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24.250 Fans erlebten vor etwas mehr als einem Jahr in der Bay-Arena ein Spektakel: Mit 5:4 rang damals die U19 des 1. FC Köln den Lokalrivalen Bayer 04 Leverkusen in der Verlängerung nieder und sicherte sich die Deutsche Meisterschaft. Der Spielverlauf war dramatisch, die Stimmung eines Bundesliga-Spiels würdig.
Allerdings hat sich zwölf Monate später abermals gezeigt: Selbst für die Leistungsträger der zwei besten A-Junioren-Mannschaften des Landes ist der Schritt aus dem Juniorenbereich in den Profifußball weit und anspruchsvoll. Von den 36 Talenten in den Kadern beider Teams konnte sich bisher nur eines nachhaltig in der Bundesliga etablieren: Montrell Culbreath stand in der Rückrunde unter Trainer Kasper Hjulmand für die Werkself neunmal in der Startelf und kam in der Champions League zum Einsatz. Auf dem rechten Flügel glänzte der 18-Jährige mit seinem Tempo und seinem Einsatzwillen – in Leverkusen gilt Culbreath als großes Versprechen für die Zukunft.
Kerim Alajbegovic könnte Bayer 04 viel Geld einbringen
Kerim Alajbegovic wurde der Durchbruch bei den Bayer-04-Profis nicht auf Anhieb zugetraut, weshalb der bosnische Edeltechniker an RB Salzburg verkauft wurde. In Österreich gelang ihm ein großer Entwicklungssprung (44 Spiele, 13 Tore). Leverkusen machte von seiner Acht-Millionen-Rückkaufklausel Gebrauch – nun wollen italienische Topklubs den WM-Fahrer für 30 Millionen Euro verpflichten.
Erfolgreich verlief auch die Leihe des früheren U-19-Kapitäns Francis Onyeka zum VfL Bochum. Beim Zweitligisten stieg der robuste Mittelfeldmann zur torgefährlichen Stammkraft auf (32 Einsätze, 8 Tore). Angreifer Artem Stepanov suchte sein Glück zunächst in Nürnberg, blieb beim Zweitligisten aber erfolglos. Seit Jahresbeginn stürmt der Ukrainer auf Leihbasis für den niederländischen Erstligisten Utrecht (15 Spiele, 5 Tore). Doch es gibt auch Negativbeispiele: Ken Izekor sitzt nach seinem Winter-Wechsel zu Zweitligist Braunschweig entweder auf der Bank oder spielt für die zweite Mannschaft. Akim Kister, Leverkusens Linksverteidiger im Finale, war zunächst vereinslos und ist inzwischen bei Fortuna Köln II in der Mittelrheinliga gelandet.
Justin von der Hitz als Negativbeispiel
Insgesamt gibt es aufseiten von Bayer 04 mehr Entwicklungssprünge als beim FC. Der Großteil der Kölner Meistermannschaft ist immer noch im Verein. Der damals jüngere Jahrgang könnte am Sonntag gegen Hoffenheim (13 Uhr) den Titel verteidigen, viele andere Spieler sind mit der U21 im Mittelmaß der Regionalliga West unterwegs. Fynn Schenten und Youssoupha Niang kamen zu einigen Bundesliga-Einsätzen, konnten dem FC aber noch nicht auf Dauer weiterhelfen. Kian Hekmat wurde zur Fortuna verliehen, war beim künftigen Drittligisten aber nur Ergänzungsspieler. Der Fall Justin von der Hitz ist exemplarisch, wie es trotz herausragender Nachwuchsbilanz im Profibereich laufen kann: Mit zwei Toren und einer Vorlage war der U-17-Weltmeister überragender Mann des Finals. Den Flügelstürmer zog es nach dem Titel nach Nürnberg – doch unter Trainer Miroslav Klose kam von der Hitz überhaupt nicht zurecht. Nur sechsmal stand er in der 2. Bundesliga auf dem Feld, 20-mal musste er dafür in der Regionalliga Bayern fürs Reserveteam ran.
Es ist kein neues Phänomen, dass die allermeisten Nachwuchsspieler am Sprung in die Bundesliga scheitern. Statistisch gelingt nur zwei bis drei Prozent der U-19-Fußballer der Schritt. Das ist auch Stefan Ruthenbeck bewusst. „Wir müssen den Jungs ein bisschen Zeit geben“, sagt der Erfolgstrainer der Kölner U19. „Und es gibt nicht den einen richtigen Weg.“ Es könne über die eigene U21, das Ausland oder Leihgeschäfte in die Zweite und Dritte Liga funktionieren. „Aber René Wagner findet ein paar Jungs sehr, sehr spannend. Ich bin überzeugt davon, dass der eine oder andere oben aufschlagen wird“, sagt Ruthenbeck über seinen aktuellen Kader.
