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BildungsprojektMusik für Kinder ohne Kita-Platz

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Ein kleiner Junge sitzt mit einer Papp-Geige in den Armen neben seiner Mutter, dahinter sind viele Notenständer zu sehen.

Ahmed, 4, nimmt am Panorama-Musiprojekt in Chorweiler teil, sehr zur Freude seiner Mutter Nour al Mania

Das musikalische Bildungsprojekt „Panorama“ bietet seit zwei Jahren 40 Kindern in Chorweiler kostenlosen Unterricht an.

Ahmed ist vier Jahre alt. Wenn er drei Mal pro Woche zum „Panorama“-Musikkurs kommt, trifft er andere Kinder, singt, spielt und bewegt sich zur Musik. Einen Kita-Platz hat er bisher nicht bekommen, denn er lebt in Chorweiler, einem Veedel das stadtweit in Köln die geringste Kita-Versorgungsquote aufweist.

Seit vier Monaten besucht er das kostenlose Angebot des Vereins „Panorama“, das sich vornehmlich an Kinder ohne Kita-Platz richtet. „Wir kommen hierher, damit Ahmed Kontakt mit Kindern hat und mit anderen Kindern spielt, und wir sind sehr, sehr glücklich. Ahmed hat hier viel Spaß“, erzählt seine Mutter Nour al Mania. Die Mutter ist vor zehn Jahren aus Syrien nach Köln gekommen. Für ihren Sohn ist der Kurs inzwischen ein fester, schon Tage vorher ersehnter Termin. Gesungen und musiziert wird gemeinsam, aber auch Regeln und ein strukturierter Ablauf gehören dazu.

Mit Musik die eigenen Potenziale entdecken

Der bundesweit tätige Verein „Panorama“ bietet präventive Bildungsprojekte. Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen soll durch gemeinsames Musizieren ermöglicht werden, eigene Fähigkeiten und Potenziale zu entdecken. Seit zwei Jahren gibt es in Chorweiler kostenlose musikpädagogische Kurse für drei- bis vierjährige Kinder, die keinen Kindergartenplatz haben. Im Mittelpunkt stehen zunächst musikalische Früherziehung, Singen, Rhythmus und Bewegung – vor allem aber das gemeinsame Erleben.

Lisa Olischläger

Die Kinder lernen durch das regelmäßige Angebot Regeln, Kontinuität und eine gewisse Tagesstruktur kennen. Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass diese Kinder mit einem deutlich besseren Start in die erste Schulklasse gehen
Lisa Olischläger, „Panorama“-Standortleiterin

Theaterpädagogin Susanne Galonska leitet seit zwei Jahren die Kurse, die drei Mal pro Woche in Chorweiler stattfinden. Sie erlebt dabei auch, wie schwierig es ist, Familien dauerhaft für das Angebot zu gewinnen. „Es kommen leider zu wenige Kinder regelmäßig in den Unterricht. Kontinuität ist ein großes Thema bei uns. Ich glaube, das ist in den Familien noch nicht angekommen. Es kann schon mal vorkommen, dass ich mit einem Kind hier sitze.“ Aufgeben möchte Galonska dennoch nicht. „Das Projekt lohnt sich auf jeden Fall. Peu a peu bauen die Mütter Vertrauen zu mir auf. Und wenn mir die Mütter vertrauen, geben sie das an die Kinder weiter.“ Auch Standortleiterin Lisa Olischläger sieht die geringe Teilnehmerzahl nicht als Grund, das Projekt infrage zu stellen. Vielmehr setzt sie auf einen langen Atem.

Persönlich an jeder Wohnungstür in Chorweiler ngeklopft

„Wir müssen noch offener auf die Menschen zugehen und ihnen zeigen, dass sie einfach kommen können, ohne irgendwelche Vorbehalte oder Voraussetzungen, zum Beispiel ob sie die deutsche Sprache beherrschen oder nicht.“ Aus diesem Grund habe Olischläger in den vergangenen zwei Jahren auch die Schwerpunkte ihrer Öffentlichkeitsarbeit verändert.

Fünf Grundschulkinder stehen in blauem T-Shirt mit der Aufschrift „Panorama“ und einer Blume in der Hand vor dem CJD-Orchester

Die Panoramakinder vor ihren Auftritt in Chorweiler mit Susanne Galonska (Theaterpädagogin, links) und Lisa Olischläger (Projektleiterin)

„Wir sind in jedes Haus hier in Chorweiler gegangen und haben in jeden Briefkasten eine Postkarte oder einen Flyer geworfen. Wir sind bei allen Stadtteilfesten anwesend und arbeiten sehr eng mit Beratungsstellen und Kinderarztpraxen zusammen. Wir sind erst am Anfang. Ich habe mit einer Frau gesprochen, sie hat zwölf Jahre gebraucht, bis ihr Kurs angenommen wurde. Wir sind erst im dritten Jahr.“

Gut gewappnet für den Schulalltag

Um mehr Kinder zu erreichen, hat Panorama sein Angebot in Chorweiler erweitert – und für Kita-Kinder geöffnet. „Wir besuchen aktuell zwei Kindergärten und erreichen somit insgesamt rund 40 Kinder. Der Vorteil: Sie sind bereits vor Ort und müssen nicht von ihren Eltern zu einem Kurs gebracht werden. Die Kinder lernen durch das regelmäßige Angebot Regeln, Kontinuität und eine gewisse Tagesstruktur kennen. Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass diese Kinder mit einem deutlich besseren Start in die erste Schulklasse gehen.“

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Vergangenen Samstag haben sechs Panorama-Kinder das CJD-Orchester beim Konzert in der Stadtkirche Chorweiler begleitet. Mit Xylofon, Triangel und blauen „Panorama“-Shirts gewappnet spielten sie zum Start das Kinderlied „Bruder Jakob“. Nicht nur für das Publikum war das ein sehr bewegender Moment. „Auch für die Kinder war das ganz bedeutend – ein erster großer Auftritt vor Publikum. Es war großartig zu sehen, wie die kleinen Kinder den Mut hatten, aufzutreten. Das ist ein Riesenschritt in ihrer Persönlichkeitsbildung, fördert Selbstbewusstsein und den Glaube an das eigene Können“, sagt Lisa Olischläger.

Spenden sind herzlich willkommen

Damit das Angebot weitergeführt – und im besten Fall ausgebaut werden kann, ist der Verein „Panorama“ auf Spenden – wie die von „wir helfen“ oder der Deutschen Fernsehlotterie – angewiesen. „Ohne die Unterstützung von wir helfen hätten wir das Projekt nicht bis heute anbieten können. Jeder weitere Cent hilft, noch mehr Kinder zu erreichen, und fließt direkt in das Projekt, etwa in neue Instrumente oder in das Honorar für die Pädagoginnen.“

Ahmed hat bereits enorm profitiert, denn der Vierjährige hat nicht nur großen Spaß an der Musik sondern auch Freunde gefunden. Für seine Mutter Nour al Mania bedeutet das Angebot mehr als musikalische Früherziehung, nämlich, dass ihr Sohn endlich einen Ort gefunden hat, an dem er Gemeinschaft erleben kann.