Das Angebot der „Frühen Hilfen“ richtet sich an überforderte Eltern und schützt Kinder – Zu Besuch bei einer Kölner Familienhebamme.
FamilienhebammenSchnelle Hilfe für Eltern in der Krise

Monika Vogel arbeitet für den Verein „wir für pänz“ als Familienhebamme im Veedel Ehrenfeld.
Copyright: wir für pänz e.V.
„Ich bin so dankbar, dass Monika Vogel mich in der Schwangerschaft und nach der Geburt unterstützt hat. Diese frühe Hilfe ist so kostbar. Allein hätten mein Mann und ich diese schwierige Phase nach der Geburt unserer Zwillinge nicht geschafft“, sagt Maria P. Die 47-Jährige ist vor zwei Jahren erstmals Mutter geworden.
Monika Vogel ist wie 13 weitere Kolleginnen eine sogenannte Familienhebamme, die verschiedene soziale Träger in den einzelnen Kölner Veedeln anbieten. Vogel etwa arbeitet im Auftrag des Vereins „wir für pänz e.V.“ und betreut im Bereich „Prävention durch frühe Hilfen“ aktuell acht Familien im Stadtbezirk Ehrenfeld. Familienhebammen sind ausgebildete Hebammen oder Kinderkrankenschwestern mit einer zusätzlichen Qualifikation. Sie begleiten Familien präventiv von der Schwangerschaft bis zum ersten Lebensjahr des Kindes und sorgen für dessen möglichst guten Start ins Leben.
Unsicher, überfordert, gestresst
„Ich betreue Eltern, die sich während der Schwangerschaft oder nach der Geburt unsicher, überfordert oder gestresst fühlen und Unterstützung im Umgang mit ihrem Baby brauchen“, sagt Vogel. Die Gründe dafür seien sehr unterschiedlich: „Manche Eltern sind aufgrund der Geburt von Drillingen überfordert oder weil sie alleinerziehend und Vollzeit-berufstätig sind, sehr jung oder psychisch belastet, andere haben schwierige eigene Kindheitserfahrungen gemacht.“
Manche Eltern sind aufgrund der Geburt von Drillingen überfordert oder weil sie alleinerziehend und Vollzeit-berufstätig sind, sehr jung oder psychisch belastet, andere haben schwierige eigene Kindheitserfahrungen gemacht
Seit 26 Jahren arbeitet die gelernte Kinderkrankenschwester und Heilpädagogin bei „wir für pänz“. „Ich versuche, die Familien zu stärken – indem ich beobachte, gegebenenfalls unterstütze und vor allem zuhöre. Viele Mütter sind sehr jung, alleinerziehend und leben ohne Verwandte oder stabiles soziales Netzwerk in der anonymen Großstadt.“ Die Unterstützungsbedarfe reichen von alltäglichen Fragen wie „Das Baby schläft nicht“, „trinkt nicht“ oder „schreit ständig“ über Hilfe bei Behördengängen, Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen bis hin zur Vermittlung von Eltern-Kind-Gruppen.
Ziel ist eine stabile Familie
Auch kritische Themen wie Kindeswohlgefährdung oder Missbrauch zählen zum Arbeitsalltag von Vogel. „Das habe ich immer im Blick. Wenn ein Vertrauensverhältnis aufgebaut ist, lassen sich auch sensible Themen ansprechen. Sollte eine akute Gefahr bestehen, greife ich sofort ein und informiere das Jugendamt. Das ist mir in all den Jahren allerdings nur zweimal passiert.“ In den meisten Fällen erlebt die 60-Jährige positive Entwicklungen: „Es ist schön zu beobachten, wie aus verunsicherten Eltern stabile Familien werden.“
Eine dieser Frauen, die Vogel durch schwierige Zeiten gelotst hat, ist Jutta K., 37. Die Beziehung zum Kindsvater war bereits während der Schwangerschaft konfliktreich. „Er war sehr patriarchalisch. Nach der Geburt meines Sohnes kam es zu Gewalt, Erpressung und psychischem Terror. Ich fühlte mich völlig allein und überfordert“, sagt die alleinerziehende Mutter eines dreijährigen Sohnes. „Frau Vogel war mein Rettungsanker. Ich konnte mit ihr über meine Ängste sprechen. Ohne sie hätte ich mein Kind nicht unbeschadet durch diese Zeit gebracht.“
Nach der Geburt meines Sohnes kam es zu Gewalt, Erpressung und psychischem Terror. Ich fühlte mich völlig allein und überfordert. Frau Vogel war mein Rettungsanker. Ich konnte mit ihr über meine Ängste sprechen. Ohne sie hätte ich mein Kind nicht unbeschadet durch diese Zeit gebracht
Monika Vogel arbeitet halbtags, für jede betreute Familie ist nur eine Stunde pro Woche vorgesehen, dennoch ist die Familienhebamme für die Eltern und deren Kinder in Notsituationen jederzeit erreichbar. Die offiziell zur Verfügung stehende Zeit reicht bei weitem nicht aus, um die Familien entsprechend zu unterstützen – und die Kinder zu schützen.
„Als mein Mann sich mit unserem Kind im Schlafzimmer eingeschlossen hatte und nicht mehr herauskam, habe ich panisch Monika Vogel angerufen. Sie hat mir ruhig erklärt, was zu tun ist. Dafür werde ich ihr ewig dankbar sein“, sagt Jutta K., für die Monika Vogel zeitweise „so etwas wie ein Mutterersatz“ war. Besonders schätzte sie den medizinischen Blick der erfahrenen Kinderkrankenschwester, die die Entwicklung ihres Sohnes fachkundig begleitet hat.
Dankbar für medizinischen Beistand der Familienhebamme
Auch Zwillingsmutter Maria P. ist für den medizinischen Beistand sehr dankbar. Ihre beiden Söhne wurden mit einer Kraniosynostose, einer Schädelfehlbildung, geboren, die im frühen Stadium durch das Tragen eines Spezialhelms korrigiert werden kann. „Monika Vogel war die Einzige, die das bemerkt und ernst genommen hat. Sie hat uns medizinisch unterstützt und stand uns bei Arztgesprächen zur Seite. Allein hätte ich mich gegenüber dem Kinderarzt, der die Situation völlig falsch eingeschätzt hat, oft nicht durchsetzen können. Ich möchte nicht darüber nachdenken, wie es meinen Kindern ohne Monika Vogel heute gehen würde.“
Diese Wertschätzung berührt die Familienhebamme sehr. Besonders aber freut es sie, dass sie trotz der begrenzten Zeit so viel bewirken kann. Eine Stunde Unterstützung pro Woche klingt wenig, doch gerade diese Kontinuität ist für viele junge Eltern eine wichtige Stütze. Sie gibt Sicherheit in einer neuen, von Selbstzweifeln geprägten Lebensphase. „Eigentlich muss man die Familien nur ein bisschen anschubsen – und dann stärken, stärken, stärken“, sagt Monika Vogel.
Frühe Hilfen, ein wichtiges Präventionsangebot
Die gesundheitsorientierte Familienbegleitung von „wir für pänz“ ist Teil der Bundesinitiative „Frühe Hilfen“. Für die Familien ist das Angebot, das von dem Land NRW gefördert wird, kostenlos. Doch diese Mittel reichen bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf vollständig zu decken. Daher wird das Projekt auch zusätzlich von „wir helfen“ unterstützt. Frühe Hilfen sind ein wichtiges Präventionsangebot und ein großes Anliegen von „wir für pänz“. Im Mittelpunkt steht die Hilfe zur Selbsthilfe. Gleichzeitig wird durch diese frühzeitige Hilfe ein wichtiger Beitrag zur Vermeidung von Folgekosten geleistet, da mögliche Problemlagen schon frühzeitig erkannt und bearbeitet werden, bevor sie zu größeren Belastungen für die Kinder, die Eltern und auch für die Gesellschaft führen.
So können Sie helfen

Auszug aus dem neuen „wir helfen“-Folder 2025_2026
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- Mit unserer neuen Jahresaktion „wir helfen: Kinder frühzeitig auf einen guten Weg zu bringen“ bitten wir um Spenden für präventive Projekte in Köln und der Region, die gefährdete Kinder und Jugendliche schützen, fördern und ihnen zu einer guten Zukunftsperspektive verhelfen.
- Die Spendenkonten lauten: wir helfen e.V."
- Kreissparkasse Köln, IBAN: DE03 3705 0299 0000 1621 55
- Sparkasse Köln-Bonn, IBAN: DE21 3705 0198 0022 2522 25
- Wünschen Sie eine Spendenbescheinigung, geben Sie bitte +S+ im Verwendungszweck an. Sollten sie regelmäßig spenden, ist auch eine jährliche Bescheinigung möglich. Bitte melden Sie sich hierzu gerne per E-Mail bei uns. Soll Ihre Spende nicht veröffentlicht werden, notieren Sie +A+ im Verwendungszweck. Möchten Sie anonym bleiben und eine Spendenbescheinigung erhalten, kennzeichnen Sie dies bitte mit +AS+.
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- Möchten Sie anlässlich einer Trauerfreier, einer Hochzeit oder eines Geburtstags zu einer Spendenaktion aufzurufen, informieren Sie uns bitte vorab per E-Mail über die Aktion. Sehr gerne lassen wir Ihnen dann, zwei Wochen nach dem letzten Spendeneingang, die gesammelte Spendensumme zukommen.
- Kontakt: „wir helfen e.V.“, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln, Telefon: 0221-224-2789 (Allgemeines, Anträge, Regine Leuker, Meike Voyta) 0221-224-2130 (Geschäftsführung/Redaktion, Caroline Kron), wirhelfen@kstamedien.de
- Mehr Infos und die Möglichkeit, online zu spenden, finden Sie auf unserer Vereinshomepage, www.wirhelfen-koeln.de

