Kölner Klinikclowns„Wir bringen Kindern einen Moment Leichtigkeit“

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Die beiden Klinikclowns Pippa Plunda (Christina Wiesemann) und Pimpi (Pia Strömer) besuchen zweimal in der Woche die Kinderstation der Kölner Uniklinik.

Die beiden Klinikclowns Pippa Plunda (Christina Wiesemann) und Pimpi (Pia Strömer) besuchen zweimal in der Woche die Kinderstation der Kölner Uniklinik.

Zweimal pro Woche besuchen die Kölner Klinikclowns die Kinderstationen der Uniklinik Köln. Wir waren mit ihnen unterwegs.

„Hallo, dürfen wir hereinkommen?“, lautet die kurze Frage, und schon schauen zwei rote Nasen durch den Türspalt ins Krankenzimmer: Pippa Plunda und Pimpi sind da. Die beiden Klinikclowns besuchen zweimal in der Woche die Kinderstationen der Uniklinik Köln. Unter den weißen Mänteln sind sie kunterbunt gekleidet: Pippa Plunda trägt ein gelbes Kleid mit einer grünen Schürze, überdimensional große Schuhe in den gleichen Farben. Pimpi ist von Kopf bis Fuß übersät mit roten Herzchen. Und auch die Ukulele und die Einhorn-Handpuppe sind bei den „Visiten“ immer dabei.

Bevor die Clowns die Patientenzimmer betreten, werden sie von den Stationsschwestern über Besonderheiten der jungen Patientinnen und Patienten informiert: Ob Kinder vielleicht nicht lachen dürfen, weil sie eine frische Narbe haben. Oder ob das Thema„ Pizzaessen“ aktuell unpassend ist, weil ein Kind vor einer Operation steht und nüchtern bleiben muss. Die Kinder, die in der Uniklinik behandelt werden, haben unterschiedliche Erkrankungen. Das Spektrum reicht von Beinbrüchen über Blinddarmdurchbrüchen über Diabetes, Mukoviszidose bis hin zu Krebserkrankungen.

Kontaktclownerie: Ähnlich wie Improvisationstheater

„Wir wissen nie ganz genau, was uns hinter der nächsten Tür erwartet. Wir haben kein festes Programm, sondern bieten Kontaktclownerie. Der Augenblick, die Stimmung, die Wünsche derer, die uns empfangen, geben die Richtung vor. Jedes Kind braucht eine andere Ansprache, in jedem Raum werden andere Stichworte oder Gegenstände aufgegriffen und dann mit Methoden, ähnlich wie im Improvisationstheater, weitergesponnen“, sagt Pippa Plunda. Die Besuche in den einzelnen Zimmern dauern fünf bis zehn Minuten.

Wir spüren, ob ein Kind Angst hat, dann ziehen wir uns sofort zurück. Im Unterschied zur Bühnenclownerie geht es hier nicht darum, dass wir unsere Performance durchziehen, sondern dass wir auf die kleinen Patienten eingehen, dass es ihnen nachher in irgendeiner Form besser geht
Pia Strömer, alias Klinikclown Pimpi

Die Figur Pippa Plunda wird von Christina Wiesemann dargestellt und Pia Strömer verkörpert Pimpi. Beide junge Frauen sind gelernte Schauspielerinnen und haben eine spezielle Clownfortbildung absolviert. Ihr vermeintlicher „Clown-Quatsch“ ist eine besondere Form der Kommunikation, von der alle profitieren. Denn mit Humor ist vieles leichter zu transportieren. Die Kinder sind anschließend aufgeschlossener und optimistischer. Die professionellen Albernheiten trocknen ihre Tränen und brechen Schweigen, wo Worte fehlen.

Bunte Seifenblasen retten die Situation

Die dreijährige Xenia teilt sich auf der Kinderstation der Uniklinik das Zimmer mit Karlo, der gerade zwei Jahre alt ist. Als die Tür aufgeht und die Clowns hereinmarschieren, ist es zunächst mucksmäuschenstill. Als das Einhorn dann auch noch ein Stück Apfel von Xenias Teller probieren möchte, scheint die Stimmung zu kippen. Die Clowns reagieren sofort und retten die Situation mit bunten Seifenblasen. Spätestens in dem Moment strahlen die Augen der kleinen Patienten.

Xenia (3) und Karlo (2) genießen mit ihren Müttern die lustigen Klinikclowns Pippa und Pimpi.

Xenia (3) und Karlo (2) genießen mit ihren Müttern die lustigen Klinikclowns Pippa und Pimpi.

„Wir spüren, ob ein Kind Angst hat, dann ziehen wir uns sofort zurück. Im Unterschied zur Bühnenclownerie geht es hier nicht darum, dass wir unsere Performance durchziehen, sondern dass wir auf die kleinen Patienten eingehen, dass es ihnen nachher in irgendeiner Form besser geht“, sagt Pia Strömer, die auch in zwei Kinder-Hospizen arbeitet. Da die Clowns verschiedene Stationen besuchen, kann es durchaus sein, dass sie einen Virus oder Bakterien von A nach B weitertragen. Um dieser Gefahr zu begegnen, haben sie während ihrer Ausbildung in einem Hygienekurs gelernt, derartige Risiken zu minimieren.

Lachen als Ausgleich in belasteten Situationen

„Normalerweise gibt es für Clowns keine Grenzen, aber in Krankenhäusern, gerade auf Kinderstationen, gelten andere Regeln. Auf einer Intensiv– oder Isolationsstation agieren wir vorsichtiger und etwas zurückhaltender. Hier gilt es, nicht alles anzufassen, nicht auf Tische zu steigen, sich nicht an den Bettrand zu setzen“, sagt Christina Wiesemann. Weil Eltern sich viele Sorgen machen, vergessen sie oft, dass auch kranke Kinder spielen und lachen möchten. Das ist aber gerade in belastenden Situationen ein wichtiger Ausgleich.

„Wir beziehen auch die Eltern mit ein. Denn wenn sie, je nach Diagnose, traurig oder verzweifelt sind, überträgt sich das auch auf die Kinder, die für so etwas ein feines Gespür haben
Christina Wiesemann, alias Klinikclown Pippa Plunda

Ein Krankenhausaufenthalt ist für Kinder häufig sehr langweilig, da ist jede Abwechslung willkommen. „Wir bringen den kleinen Patienten Ablenkung. Manchmal halten wir nur kurz die Hand oder erzählen eine kleine Geschichte“, sagt Pia Strömer. „Wir beziehen auch die Eltern mit ein. Denn wenn diese, je nach Diagnose, traurig oder verzweifelt sind, überträgt sich das auch auf die Kinder, die für so etwas ein feines Gespür haben“, ergänzt Christina Wiesemann.

Auch schon mal aus dem Krankenzimmer geschmissen worden

Wenn eine Patientin oder ein Patient ablehnend ist, verlassen die Clowns freiwillig den Raum — manchmal werden sie auch rausgeschmissen. „Das passiert meist bei Teenagern. Sind sie schlecht gelaunt, lassen sie ihre Wut auch schon mal an uns aus. Für mich ist das Okay, mit dieser Wutentladung geben wir den Heranwachsenden ein Stück ihrer Selbstbestimmung zurück. Man muss das verstehen, schließlich laufen den ganzen Tag Ärzte und Eltern herein und nerven“, sagt Christina Wiesemann, die seit fünf Jahren bei den Klinikclowns aktiv ist.

Das wichtigste Element der Clownfigur sei, dass sie häufig scheitert, sich aber stets Freude und Neugierde bewahrt. Dass sie nie aufgibt. Genau diese Botschaft soll die jungen Patientinnen und Patienten erreichen: Niemals aufgeben, immer das Beste auch aus der schwierigsten Situation machen! „Auf den Kliniketagen gibt es viel Angst, Schmerzen, Traurigkeit und Ungewissheit. Die Eltern sind häufig sehr gestresst, müssen zeitweise wochenlang gemeinsam mit ihrem Kind auf dem Zimmer wohnen. Wir schenken ihnen einen kurzen Moment Leichtigkeit“, sagt Pia Strömer, stimmt ihre Ukulele an und betritt auch schon das nächste Patientenzimmer.

Die Klinikclowns in Aktion.

Die Klinikclowns in Aktion.

Auch „wir helfen“ unterstützt die Kölner Klinikclowns

An einem Vormittag erreichen die Klinikclowns bis zu 40 Kinder im Alter zwischen einem Jahr und 18 Jahren. „Dadurch, dass wir regelmäßig kommen, sind wir schon Teil der Kinderklinik. Wir finanzieren uns über Spenden und sind sehr dankbar, dass auch ‚wir helfen‘ uns seit Jahren unterstützt – und damit gewisse Spielzeiten der Krankenhaus-Clownerie sichert“, sagt Pia Strömer, die dem Verein „Kölner Klinikclowns“ schon seit zehn Jahren angehört. Der Verein wurde 1995 von Kölner Künstlerinnen und Künstlern ins Leben gerufen und ist Gründungsmitglied des Dachverbands „Clowns für Kinder im Krankenhaus Deutschland“. Die professionell ausgebildeten Clowns besuchen Menschen in Kliniken, Seniorenheimen, Hospizen, auf Pflegestationen in Köln und Umgebung und sie arbeiten auf Honorar-Basis. Der Verein finanziert ihre Besuche mithilfe von Spenden, Sponsoring, Benefizveranstaltungen und Mitgliedsbeiträgen.


So können Sie helfen

  • Mit unserer aktuellen Jahresaktion „wir helfen: weil jedes Kind wertvoll ist“ bitten wir um Spenden für Projekte, Initiativen und Vereine in Köln sowie in der Region, die Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, einen Platz in unserer Mitte zu finden, an dem sie gesund, glücklich und sicher aufwachsen können. 
  • Die Spendenkonten lauten: „wir helfen – Der Unterstützugsverein von M. DuMont Schauberg e.V.“
  • Kreissparkasse Köln, IBAN: DE03 3705 0299 0000 1621 55
  • Sparkasse Köln-Bonn, IBAN: DE21 3705 0198 0022 2522 25
  • Kontakt: „wir helfen — Der Unterstützugsverein von M. DuMont Schauberg e.V.“, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln, Telefon: 0221-2242789 (Allgemeines, Anträge), 0221-224-2130 (Redaktion) wirhelfen@kstamedien.de
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