Es ist verdammt trocken in NRW, längerer Regen ist nicht in Sicht. Die Landwirte in der Kölner Region sind besonders betroffen.
„Wirklich katastrophal“Landwirte aus dem Rheinland leiden besonders unter der Dürre

Die Weizenernte begann in diesem Jahr deutlich früher also sonst.
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Wochenlang kaum Regen und hohe Temperaturen: Die Dürre setzt den rheinländischen Landwirten besonders zu. Während sich die Lage in anderen Teilen des Landes als weniger gravierend darstelle, sei es in der Region rund um Köln ungewohnt trocken gewesen, sagt Jan-Malte Wichern von der Landwirtschaftskammer NRW in Münster. „Die Lage ist ernst – wir brauchen möglichst bald einen schönen langen Landregen, also langen gleichmäßigen Niederschlag“, sagt der Agrarexperte.
Das bestätigt auch Bio-Landwirt Kilian Busch aus dem Kreis Düren. Die nutzbare Feldkapazität, also der Wassergehalt im Boden, bewege sich auch auf seinen Ackern im kritischen Bereich. Anders als in den Vorjahren reichen die Flüssigkeitsvorräte nicht aus, da richten auch die vereinzelten kräftigen Gewitter nichts aus. „Wir reden da von Dürre- beziehungsweise Trockenstress“, erklärt Busch.
Ackerbohnen droht Minusgeschäft
Besonders hart treffe es seine Ackerbohnen. Die nährstoffreichen Hülsenfrüchten werden vor allem an Nutztiere verfüttert. „Das ist wirklich katastrophal, die sehen gar nicht gut aus“, sagt der Öko-Bauer, der seinen Betrieb erst im vergangenen Jahr von konventionell auf Bioanbau umgestellt hat. Genau zur Blütezeit habe das Wasser gefehlt. „Die Früchte, die sich vor der 40-Grad-Periode entwickelt haben, haben richtige Ansätze gebildet. Spätere Blüten wurden abgeworfen.“ Idealerweise tragen die Pflanzen 15 bis 20 Hülsen. In diesem Jahr seien es zwei bis vier. Das mache sich auch im Ertrag bemerkbar. Wo er mit drei bis vier Tonnen pro Hektar rechnete, komme nun bestenfalls eine Tonne zusammen.
„Es passiert nicht oft im Rheinland, aber der Anbau der Ackerbohne könnte in diesem Jahr ein Minusgeschäft werden. Wenn wir Glück haben, arbeiten wir kostendeckend, was das Saatgut und die Maschinenkosten angeht.“
Anders als die Ackerbohne sei die bereits abgeschlossene Gerstenernte von den Folgen der Trockenheit weitgehend verschont geblieben, berichten Busch und Wichern. Beim Roggen und der inzwischen angelaufenen Weizenernte rechnen die Fachleute wiederum mit zusätzlichen Einbußen. „Weil es im Juni so heiß und trocken war, sind die Pflanzen zur Notreife übergegangen: Die Körner sind abgereift und es wurden keine weiteren Körner gebildet – das wird sich im Ertrag bemerkbar machen“, so Wichern.
Weizenernte vorgezogen
Dadurch hätten die Landwirte die Weizenernte deutlich früher starten müssen als im langjährigen Schnitt. Kilian Busch etwa begann zwei Wochen eher mit dem Dreschen. Was das für die Qualität bedeute, könne er nicht sagen – die Proben werden derzeit untersucht. „Für eine ordentliche Abreife“, da ist er sich sicher, „hätte das Weizen aber eigentlich noch länger stehen müssen“. Das würden vereinzelte grüne Halme zeigen, die nach der Ernte auf dem Feld übrig geblieben sind. Doch die Samen in der Ähre seien eben schon trocken gewesen.
Es gebe aber regionale Unterschiede, differenziert Wichern von der Landwirtschaftskammer. „Es kann sein, dass doch mal Niederschläge durchgezogen sind und der Boden nicht so trocken ist wie zwei Dörfer weiter“, sagt er. Das zeigt sich am Beispiel Mais: Zwischen gut entwickelten und von der Trockenheit klar gekennzeichneten Beständen sei über das Land verteilt alles dabei. Zwar könne Mais in der Regel mit Trockenheit gut umgehen, doch irgendwann brauche jede Pflanze Wasser.
Das Getreide über Sprinkleranlagen zu bewässern, würde sich derweil finanziell nicht rechnen, sagt Busch. Anders sieht es bei Kartoffeln und Gemüse aus, was allerdings zu höheren Kosten für die Landwirte führe. „Da die Preise für Kartoffeln aktuell recht niedrig sind, bringen die Bewässerungskosten Landwirte zusätzlich unter Druck“, so Wichern.
Einen guten Nebeneffekt habe die Ausnahmesituation aber, sagt Busch. „Endlich wird in der Öffentlichkeit ernsthaft über das Thema Klimakrise gesprochen.“ Verärgert habe ihn allerdings eine Beobachtung am Mittwochmorgen zurückgelassen: „Wir reden über Wassermangel. Landwirte stehen in der Kritik, weil sie ihre Felder und Pflanzen bewässern. Währenddessen stehen die Leute an der Auto-Waschanlage Schlange.“ Es sei abstrus. (mit dpa)
