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Mehr als 5000 Dollar pro UnzeGoldpreis steigt und steigt – Verkäufer stürmen Kölns Juweliere

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Goldschmuck auf einer Waage

Goldschmuck auf einer Waage

Der Goldpreis erklimmt immer neue Höhen. Kölns Juweliere sind vom Goldrausch wenig begeistert. Worauf Goldverkäufer achten müssen.

Die Welt erlebt dieser Tage einen Goldrausch. Zu Beginn der Woche durchschritt der Kurs für eine Feinunze Gold (31,10 Gramm) erstmals die Marke von 5.000 Dollar, und das nicht nur knapp. Am Mittwoch stieg der Preis auf 5.265 US-Dollar, also einen deutlichen Schnaps über der Marke. Umgerechnet sind das 4.397 Euro. Allein in den zurückliegenden eineinhalb Wochen hat der Goldkurs um fast 700 Dollar oder knapp 15 Prozent angezogen.

So beeindruckend die Zahlen, so wenig ist das eine echte Sensation. Zwar dümpelte der Goldpreis bis 2018 über sehr viele Jahre bei 1300 Dollar. Doch schon damals begann die beispiellose Rekord-Serie. Die 2000er Marke wurde 2020 geknackt, im Jahr 2024 fiel die Größe von 3.000 Dollar. Die 4.000er Grenze wurde im vergangenen Jahr genommen, und jetzt auch die 5.000er. Und die Goldrally geht mit hohem Tempo weiter. Nachdem Aussagen von US-Präsident Donald Trump zum Dollar den Goldpreis am späten Dienstagabend auf ein weiteres Rekordhoch getrieben hatten, zog die Notierung am Mittwoch weiter an. Damit steuert das Edelmetall den achten Tag mit Gewinnen in Folge an.

Seit Ende 2025 kletterte der Goldpreis um rund 22 Prozent, nachdem er im vergangenen Jahr um 65 Prozent gestiegen war. Gold bleibt damit eine der gefragtesten Anlageklassen.

Gold bringt keine Zinsen, essen kann man es auch nicht, was also  treibt die Anleger aktuell so massenhaft zum glänzenden Edelmetall? In den ersten Wochen des Jahres ist die Suche nach einem sicheren Anlagehafen stärkster Preistreiber am Goldmarkt. Geopolitische Risiken wie der US-Angriff auf Venezuela, die Niederschlagung von Massenprotesten im Iran und der Grönland-Streit haben Anleger immer wieder verunsichert. „Eine Verschlechterung der weltweiten geopolitischen Verhältnisse führt in der Regel dazu, dass sowohl private als auch institutionelle Anleger den Goldanteil in ihren Portfolios erhöhen“, heißt es in einer Studie der genossenschaftlichen DZ Bank.

Trumps Politik treibt den Goldpreis

Ein Jahr nach dem Amtsantritt wird zunehmend klar, dass US-Präsident Donald Trump die Weltordnung erschüttert hat. Experten erkennen einen klaren Zusammenhang zwischen der starken Nachfrage nach Gold und den Rissen, die sich dort mittlerweile erkennen lassen. Investoren betrachten das Edelmetall zunehmend als eine Absicherung vor Risiken, die aus der Politik der US-Regierung unter Trump entstehen.

Hinzu kommen ständige Angriffe von Trump auf die US-Notenbank Fed. Deren Vorsitzender Jerome Powell wurde zuletzt immer wieder von Trump heftig kritisiert und beschimpft, was an den Finanzmärkten die Sorge um die Unabhängigkeit der Zentralbank schürt. Befürchtet wird ein Schaden der Zentralbank, der den US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen belastet. Investoren suchen daher zunehmend nach Alternativen und setzten verstärkt auf Gold.

Wer jetzt glaubt, dass jene, die mit Gold ihr Geld verdienen, in einen Glücksrausch verfallen, der liegt schief. Aktuell wollen viele Menschen in Köln und Umgebung ihr Altgold und Schmuck zu Geld machen, so schnell es nur geht.

Goldschmuck wird für viele kaum erschwinglich

„Das ist ein Wahnsinn und tut dem Einzelhandel nicht gut“, sagt Petra Slowik, Inhaberin des Juweliergeschäfts Slowik im Herzen von Köln-Nippes an der Neusser Straße/Ecke Florastraße. Der hohe Goldpreis ist für sie ein Problem: „Das Endprodukt wird immer teurer. Und deshalb verkauft es sich nicht. Ich traue mich schon nicht mehr, Goldkettchen für Anhänger einzukaufen.“ Das Geschäft hat sie von ihrem Vater übernommen. „Auch zuvor war hier ein Juwelier. Hier wurden nie Brötchen verkauft.“ Deshalb kommen die Menschen auch vertrauensvoll zu ihr und wollen nun verkaufen statt kaufen. „Es bringen viele den längst vergessenem Schmuck der Oma oder ungeliebte Stücke.“

Die meisten hätten die Erwartu"ng, dass sie exakt den Preis bekommen, der aktuell an der Börse notiert ist. Manche gingen sogar von Juwelier zu Juwelier, um zu schauen, wer am meisten zahlt. Doch Petra Slowik sagt, den Börsenpreis könne sie nicht bieten. „Ich habe ja auch Kosten: die Prüfung, das Sortieren und das Einschmelzen. Das muss ich beim Ankauf natürlich berücksichtigen.“

Ansturm auf die Juweliere

Das Gold gibt Slowik in der Regel an die Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt (Degussa) weiter. Erst wenn dort geschmolzen ist, bekommt sie ihr Geld. Was ihr ein großes Anliegen ist: Wer verkaufen wolle, solle nicht auf Lockangebote hereinfallen wie 'Wir kommen zu Ihnen nach Hause und zahlen Höchstpreise für Ihren alten Schmuck'. Das seien Betrüger, so die Schmuckhändlerin.

28.01.2026, Köln: Was bedeutet der hohe Goldpreis für die Kölner Juweliere? Ein Besuch in Nippes bei Petra Slowik. Foto: Arton Krasniqi

Zu Petra Slowik in Nippes kommen viele Kölner, die ihr Gold verkaufen möchten.

Bila Bebek vom Juweliergeschäft Asmin an der Dürener Straße in Köln-Lindenthal empfindet die derzeitige Situation als „Wahnsinn“. Er wirbt schon immer mit dem Ankauf von Gold – aber Werbung sei im Moment überflüssig. Familienschmuck, Zahngold, alte Schmuckschatullen – die Kunden strömten nur so zu Ankäufern. „Die Leute wollen Bargeld, das ist ihnen im Moment das Wichtigste.“ Bei einigen Kunden nehme er außerdem noch die Nachwirkungen des Schließfach-Diebstahls von Gelsenkirchen wahr. Schmuck scheint für viele zurzeit nicht mehr sicher genug als Rücklage, so sein Eindruck.

Wie Petra Slowik verkauft auch Bila Bebek zurzeit nur wenig Ware. „Aber ich bin froh, dass ich Gold im Laden habe, das ist meine Rente.“ Er konzentriert sich nun auf andere Artikel wie Uhren und Perlenketten und seine Serviceangebote.

Die Trauringe werden schmaler

In die Schmuckgalerie Mommen am Neumarkt, die mit individuellem Schmuckdesign und großer Trauringauswahl wirbt, kommen nur selten Menschen, die Gold verkaufen möchten. „Wir sind da auch äußerst zurückhaltend“, sagt Inhaber Christoph Mommen. „Bargeschäfte machen wir ohnehin nicht.“

Der hohe Goldpreis sei auch im gehobenen Segment durchaus ein Thema. „Vor einigen Jahren hat ein klassischer Verlobungsring 600 Euro gekostet, jetzt sind es mehrere Tausend. Das hat natürlich Auswirkungen.“ In den absoluten Spitzenbereichen „ab fünfstellig“ spiele der Goldpreis zwar keine große Rolle. „Aber das ist eine kleine Spitze des Marktes. Betroffen ist vor allem die mittlere Preiskategorie zwischen 2.500 und 7.000 Euro.“

Bei Trauringen rate man bei Mommen schon seit geraumer Zeit dazu, statt Weißgold lieber Platin zu wählen. Das sei preisgünstiger – was für viele immer noch sehr überraschend sei, da Platin traditionell als besonders teuer galt – und außerdem technisch besser zu verarbeiten. Und wenn das Paar doch auf Gold besteht? „Da kommt uns der Trend zu schlankeren Trauringen entgegen“, sagt Christoph Mommen. Deutschland habe schon seit längerem die angelsächsische Tradition übernommen, dass zu einem schmalen Verlobungsring später ebenso schlanke Eheringe und zum Beispiel auch Jahrestagringe vorgesteckt werden. Das heißt, jeder Ring hat etwas weniger Material und ist deshalb preisgünstiger.

Verbraucherzentrale warnt vor Betrug

Insgesamt teile sich der Markt: „Wir haben in den vergangenen sieben Jahren noch nie so viele Stücke aus dem Top-Bereich verkauft, nach oben hin gibt es keinen Grenzen. Aber der Alltagsluxus leidet.“ Und der Goldpreis tut dazu sein Übriges.

Wer eigenen Goldschmuck oder Altgold veräußern möchte, dem gibt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Tipps zum Verkauf. „Rechnen Sie sich die Größenordnung des reinen Materialwerts aus. Neben der Gravur brauchen Sie dafür das Gewicht – hier hilft im Zweifel eine Briefwaage – und den aktuellen Goldpreis pro Gramm“, heißt es von der Verbraucherzentrale in Düsseldorf.

Die Gravuren belegen den Goldanteil im jeweiligen Stück. 333er Gold hat einen Goldanteil von 33,3 Prozent. Steht 585 auf dem Schmuckstück, dann kann man den aktuellen Unzenpreis analog errechnen. Weisen die Schätze keine Gravur auf, können eine Scheideanstalt, örtliche Edelmetallhändler oder Juweliere bei der Wertermittlung helfen. Diese können den Feingehalt an Gold oder anderen Metallen mittels geeigneter Verfahren feststellen. „Erkundigen Sie sich aber vorher, was diese Ermittlung kostet“, raten die Verbraucherschützer. 

Gold: Kunden bekommen keinen reinen Materialwert

Den reinen Materialwert werden Kunden aber nicht vollständig erzielen, da die Händler noch einen Risikoabschlag oder einen Abschlag für Einschmelzkosten einkalkulieren werden. Diese Abschläge können durchaus zwischen 8 und 15 Prozent liegen. Daher lohnt es sich, vor dem Verkauf verschiedene Angebote einzuholen.

Nach einer Haltedauer von mehr als zwölf Monaten sind Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold (Schmuck, Münzen, Barren) steuerfrei. Wird der Schmuck innerhalb eines Jahres verkauft und der Gewinn übersteigt die Freigrenze von 600 Euro, ist der gesamte Gewinn mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern. Die Freigrenze von 600 Euro gilt pro Kalenderjahr für alle privaten Veräußerungsgeschäfte zusammen.

Aber wie geht es nun weiter beim Goldpreis? Entwickelt sich eine Blase, oder geht es munter weiter aufwärts? Experten sehen nach der jüngsten Rekordrally immer noch deutlich Luft nach oben. Zuletzt sorgte die US-Investmentbank Goldman Sachs für Aufsehen und setzte das Preisziel für Ende 2026 auf 5.400 Dollar kräftig nach oben. Dabei sehen die Experten auch in der Zinspolitik der US-Notenbank Fed einen wichtigen Preistreiber. Allgemein wird in diesem Jahr fest mit weiter sinkenden US-Zinsen gerechnet. Allerdings noch nicht bei der Entscheidung in der laufenden Woche. Und da Gold keine Marktzinsen abwirft, sorgen fallende Zinsen etwa für Staatsanleihen für eine stärkere Nachfrage nach dem Edelmetall.

Beim Goldpreis gibt es viele Gründe für den Höhenflug und derzeit scheint für Experten kein Ende in Sicht zu sein. „Längerfristig dürfte sich die Aufwärtsbewegung vor dem Hintergrund der intakten Treiber fortsetzen“, heißt es in der Studie der DZ Bank. (mit dpa)