Gegen den allgemeinen Wirtschaftstrend wächst die Kölner Prüfgesellschaft bei Umsatz und Gewinn. Mittlerweile arbeiten zwei von drei Beschäftigten im Ausland. Aktuell werden 1200 neue Mitarbeiter gesucht.
BilanzberichtTüv Rheinland wächst stark durchs Ausland

„Wir haben unseren Wachstumskurs fortgesetzt“, sagt Michael Fübi, Vorsitzender des Vorstands der Tüv Rheinland AG.
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Die aktuell angespannte Wirtschaftslage scheint am Tüv Rheinland vorbeizugehen. Der Prüfkonzern mit Hauptsitz in Köln-Poll hat dank einer hohen Nachfrage nach Elektroniktests und anderen Kontrollen stark profitiert. Der Umsatz sei im vergangenen Jahr um 9,7 Prozent auf 2,98 Milliarden Euro gewachsen, teilte das Unternehmen in Köln mit. Schon in den Jahren 2022 bis 2024 hatte die Firma starke Zuwächse verbucht. Der Gewinn (Ebit) schnellte sogar um 19,3 Prozent auf 268,3 Millionen Euro in die Höhe.
Gut die Hälfte des Geschäfts macht das Tüv-Unternehmen inzwischen schon im Ausland, dort zog der Umsatz um 15,4 Prozent stark an. 66 Prozent der Tüv-Mitarbeiter sind im Ausland beschäftigt. In Deutschland lag das Plus hingegen nur bei drei Prozent.
Der Konzern hatte zum Jahreswechsel 28.600 Beschäftigte und damit rund 1500 mehr als Ende 2024 und 5400 mehr als Ende 2022. Derzeit sucht die Firma 1200 Fachkräfte, 400 davon in Deutschland. „Für uns war 2025 ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr, wir haben unseren Wachstumskurs fortgesetzt“, sagte Firmenchef Michael Fübi. Schon in den Jahren 2022 bis 2024 hatten die Geschäfte angezogen, den Wachstumskurs möchte die Firma dieses Jahr fortsetzen.
Vier Übernahmen im Jahr 2026 abgeschlossen
Ein Teil des Wachstums geht auf Zukäufe zurück, allein im ersten Quartal 2026 kam es zu vier Übernahmen. Das waren zwei Firmen aus Deutschland aus den Bereichen Arbeitssicherheit und Windenergie sowie eine Produktprüfungsfirma in Südkorea und eine technische Beratung in den USA. Rechnet man die Akquisitionen heraus, so lag das Umsatzplus im vergangenen Jahr immerhin bei 5,4 Prozent.
Der Tüv hat mehrere Geschäftsfelder, das bekannteste ist wohl die Hauptuntersuchung für Autos. Damit macht das Unternehmen 16 Prozent seines Umsatzes. Dieser Anteil ist zuletzt wieder gestiegen, was laut Fübi auch auf eine Akquisition in Skandinavien zurückzuführen ist. Der Tüv Rheinland hatte Ende 2024 eine Vereinbarung zur Übernahme von Bilprovningen, einem der führenden Unternehmen für Fahrzeuguntersuchungen in Schweden, unterzeichnet. Es befand sich bislang in staatlichem Besitz.
Größter PV-Anlagenprüfer der Welt
Mit Führerscheinprüfungen macht der Tüv Rheinland 1,5 Prozent seines Umsatzes. Außerdem prüft er die sichere Anwendbarkeit von Produkten, nimmt die Arbeitssicherheit unter die Lupe, bietet Schulungen an und verbessert die Cybersicherheit. Die Firma ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Prüfer von Photovoltaik-Anlagen.
Die Unternehmenszentrale sitzt in Köln. Im Stadtteil Poll hat der Tüv Rheinland rund 5000 Beschäftigte. Weitere große Standorte sind in Berlin mit 1100 Beschäftigten und Nürnberg mit 630. Historisch gesehen ist der Tüv Rheinland durch Fusionen auch der Tüv für Berlin, Brandenburg und die Pfalz. Weitere Fusionen schließt Michael Fübi aktuell aber aus.
Für dieses Jahr peilt die Firma ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich an, das wäre weniger als 2025. Unternehmenschef Fübi verwies darauf, dass die Entwicklung der Weltwirtschaft angesichts des Irankriegs und anderer Konflikte schwer absehbar sei. So sei es möglich, dass Chemie- und Ölfirmen angesichts einer Rohstoffknappheit vor Instandhaltungen und Produktionserweiterungen zurückscheuten - das würde wiederum auch den Tüv Rheinland treffen. „Es wird nicht so ein schönes Jahr wie 2025, aber wir sind optimistisch“, so Fübi.
