Die Kölner Gamescom ist offiziell eröffnet. Während sich die Veranstalter über einen Ausstellerrekord freuen, lassen einige wichtige Unternehmen das Event sausen.
Gamescom 2026Warum GTA-Hersteller Rockstar Games der Spielemesse die Show stehlen könnte

Mit Gästen wie Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), EU-Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) rückt die Kölner Gamescom ins politische Rampenlicht – wirtschaftlich spielt der deutsche Markt immer noch eine Nebenrolle.
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Hat sie sich verzockt? Obwohl Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) dieser Tage in der Kritik stand, zu viel auf die Videospiel-Industrie zu setzen, gab sie sich bei der Eröffnung der Gamescom am Mittwochabend selbstbewusst. „Nein, hat sie nicht“, sagte sie und betonte einmal mehr das Potenzial, das in der Branche stecke.
Mit einiger Verzögerung war sie gemeinsam mit Finanzminister Lars Klingbeil von der schwarz-roten Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg nach Köln aufgebrochen – mit Aussicht und wohl auch Vorfreude darauf, den Kabinettskollegen von der SPD an einer der neuesten Konsolen abzuziehen. Ein Halt an den Ständen ist für die Politiker traditionell obligatorisch.
Politische Eröffnung durch Klingbeil, Bär und Wüst
Mehr noch als Bär und Klingbeil dürften dem Start der weltgrößten Messe für Computer- und Videospiele aber die Gamerinnen und Gamer selbst entgegengefiebert haben. Stunden vor Beginn warteten weit angereiste Hardcore-Fans auf ihren Campingstühlen vor den Einlasskontrollen. Neben ihnen streiften die ersten Cosplayer in aufwendig gestalteten Kostümen ihrer Lieblingscharaktere durch den Eingangsbereich, während die Schlange hinter ihnen immer länger wurde.
Der Mittwoch war nur ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Tagen folgen wird. Hunderttausende Besucher werden bis Sonntag in den Hallen in Deutz erwartet. Drei von fünf Veranstaltungstage sind restlos ausgebucht, genauso wie die Ausstellungsfläche von 233.000 Quadratmetern – das entspricht fast 33 Fußballfeldern, auf denen mehr als 1700 Unternehmen und Entwickler ihre neuesten Spiele und Geräte präsentieren. Den Ausstellerrekord hatten die Veranstalter, die Messe Köln und der Verband Game, von ursprünglich 1600 am Mittwoch nach oben korrigiert, nachdem die letzten spontanen Buchungen eingegangen waren.

Viele Besucher verkleiden sich bei der Gamescom in Kostümen von Figuren aus der Gaming-Welt.
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Zu den Ausstellern zählen bekannte Konzerne und ihre Sparten, darunter Nintendo, Electronic Arts, Ubisoft, Capcom, Google und Xbox. Ein entscheidender Publisher fehlt in diesem Jahr hingegen: Rockstar Games, Herausgeber der bekannten Action-Abenteuer-Serie Grand Theft Auto, besser bekannt als GTA. Sie ist eines der bedeutendsten Entertainment-Produkte der Mediengeschichte. Im November kommt die mit Spannung erwartete Fortsetzung der Reihe auf den Markt. Schon in der ersten Woche sollen die Vorbestellungen rund 260 Millionen US-Dollar eingebracht haben. Doch statt die Besucher der Gamescom mit ersten Einblicken darauf einzustimmen, stellt Rockstar Games das Spiel am Donnerstagabend ausgerechnet online bei Netflix und nicht in Köln vor. Auch der Streaminganbieter lässt die Messe erstmals seit 2022 ausfallen.
Mehr Fläche für Indie-Studios – Rockstar Games und Netflix fehlen
Dass sich die beiden Unternehmen für das GTA-Preview dennoch die Gamescom-Woche ausgesucht haben, dürfte kein Zufall sein. Game-Geschäftsführer Felix Falk probiert, es positiv zu sehen: „Es zeigt die Relevanz der Gamescom und wird unser Event bereichern, selbst, wenn es nicht direkt vor Ort erlebbar ist.“ Es könnte der Messe aber auch die Show stehlen.
Andere werden es richten müssen. Etwa die 420 Indie-Studios – unabhängige Unternehmen, die ohne die Hilfe großer Publisher und mit verhältnismäßig kleinen Budgets agieren. Ihnen haben die Veranstalter aufgrund der steigenden Beliebtheit eine größere Fläche als in den Vorjahren eingeräumt. Insbesondere in Deutschland seien die Spiele angesagt, schreibt der Games-Verband.
Zum Start der Gamescom veröffentlicht er weitere Zahlen für den hiesigen Markt: Sechs von zehn Menschen spielen demnach Games. Hierbei geht es um die Altersgruppe der 6- bis 69-Jährigen. Andere Erhebungen liefern ähnliche Erkenntnisse: Der Bitkom befragte unlängst 1205 über 16-Jährige in Deutschland, von denen 55 Prozent hin und wieder oder häufiger Video- oder Computerspiele spielen – Tendenz steigend. Auch global geht es nach oben: Das Marktforschungsunternehmen Newzoo rechnet damit, dass die Anzahl der weltweiten Gamer von 3,55 Milliarden 2025 auf 4,07 Milliarden im Jahr 2029 steigt.

Die Konsole landet im Ranking der beliebtesten Gaming-Geräte auf dem zweiten Rang. Am häufigsten nutzen Gamer Handys zum Spielen.
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Laut Bitkom wird dabei am häufigsten zum Smartphone gegriffen, dahinter folgen die Konsole und der Laptop als Gaming-Devices. Am beliebtesten sind Casual Games wie „Candy Crush“, aber auch Jump'n'Runs, Strategiespiele, Shooter-Games und Sportspiele sind gefragt.
Angesichts der besseren virtuellen Möglichkeiten im Digitalzeitalter sind die Perspektiven positiv. Die Lage könnte jedoch besser sein. Erst brachte Corona einen Wachstumsschub, danach aber sank die Nachfrage, Investoren hielten sich zurück, Studios mussten schließen oder die Belegschaft reduzieren, von 2025 auf 2026 etwa um drei Prozent auf 12.235. Im ersten Halbjahr 2026 sank darüber hinaus der Gaming-Umsatz laut Branchenverband in Deutschland um ebenfalls drei Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Besonders teurere Hardware sorgte für Konsumentenfrust.
Noch bleibt dem deutschen Markt die Nebenrolle
Wenn Bär und Klingbeil auch bemüht waren, die Bedeutung der Games-Industrie für den Standort hervorzuheben, spielt Deutschland im global ausgerichteten Markt nur eine Nebenrolle. Die Herstellung eines AAA-Games lässt weiterhin auf sich warten. Und nur circa fünf Prozent des Geldes, das in Deutschland für Gaming ausgegeben wird, fließt in Spiele „Made in Germany“.
Künftig aber soll Deutschland stärker mitmischen, wenn auch mit gleichbleibenden Mitteln. Finanzminister Lars Klingbeil stellte der Branche fürs kommende Jahr wieder 120 Millionen Euro Fördergelder in Aussicht. In einer schwierigen Haushaltslage könne das Level gehalten werden, so Klingbeil.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gab sich derweil zuversichtlich. „Unser Ziel ist klar“, sagte der CDU-Politiker. In Nordrhein-Westfalen entwickelte innovative Games sollen „in Zukunft Menschen auf der ganzen Welt angeboten und am besten auch verkauft“ werden. Tatsächlich stellte die Film- und Medienstiftung mit 3,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr mehr Fördermittel als jedes andere Bundesland bereit. Das liegt an einer neuen Förderrichtlinie. Seit September orientiere sich das neue Regelwerk an internationalen Standards. Statt rückzahlbarer Darlehen setzt NRW auf Zuschüsse. „Das ist deutlich praxisnaher und passt besser zur Unternehmensrealität“, lobt der Branchenverband.

Üppige Stände sind üblich für die Gamescom. Nur ein Beispiel von vielen: die Präsentation von „Tomb Raider: Legacy of Atlantis“ von Crystal Dynamics und Flying Wild Hog.
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Trotzdem moniert Geschäftsführer Falk mit Blick auf die Wettbewerbsmöglichkeiten einen großen Nachteil am Standort Deutschland: Die in anderen Staaten wie Kanada längst üblichen Steuererleichterungen sind weiterhin nicht absehbar. Sie sind zwar im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD angedacht, Taten sind dem aber nicht gefolgt. Im internationalen Vergleich seien die Kosten in Deutschland zu hoch, heißt es aus der Branche. Aus ihrer Sicht ernüchternd: Das Interesse am Gaming steigt, die Gamescom meldet einen Aussteller-Rekord, und die Reichweite des Events dürfte im Netz wieder riesig sein. In Deutschland aber drückt der Schuh.