- In unserer Wirtschafts-Serie „Marktplatz” erklären wir Trends und Entwicklungen im Handel in der Region.
- Das Kompetenzzentrum Handel startet nun in Köln und geht auf eine Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums zurück.
- Das Ziel: Händlern Wege aufzeigen, wie sie ihre Geschäftsmodelle digitalisieren und modernisieren können.
Köln – Immer häufiger verschwimmen die Grenzen zwischen stationärem und digitalem Einkauf: Ein Bierfachhändler programmiert virtuelle Ladenrundgänge, bei denen sich der Kunde in Computerspielmanier durch das Geschäft klickt.
Eine neue App ermöglicht es, im Supermarkt vergriffene Ware automatisch zum Kunden schicken zu lassen. Ein Rewe-Kaufmann stellt Bildschirme in seinen Supermärkten auf, die Live-Bilder aus Hühner- und Schweineställen senden, um artgerechte Haltung transparent zu machen.
Beim Start des Kompetenzzentrums Handel in Köln haben diese Beispiele Vorbildfunktion. Sie zeigen, mit welchen Mitteln Händler ihre Geschäftsmodelle digitalisieren und modernisieren können.
Initiative des Wirtschaftsministeriums
Und genau das ist Ziel des Kompetenzzentrums, das auf eine Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums zurückgeht: In den kommenden drei Jahren soll es kleine und mittlere Unternehmen in Digitalisierungsfragen unterstützen; Sprechstunden und Workshops organisieren, beraten und anleiten. Beteiligt an der Initiative sind die in Köln ansässigen Handelsforschungsinstitute IFH Köln und EHI, der Handelsverband Deutschland und das Forschungsinstitut ibi research.
„Der Wettbewerb im digitalen Zeitalter wird immer intensiver. Es wird immer schwieriger, mit Produkten Geld zu verdienen“, sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln bei der Auftaktveranstaltung. Für die Händler gehe es nicht darum, sich zwischen digitalem und analogem Modell zu entscheiden: „Es geht um die Verknüpfung.“
Präsenz zeigen
Und immer auch um die Frage: Was muss sich verändern? Noch bevor ein Kunde in den Laden tritt, gilt es zum Beispiel, auch im digitalen Raum Präsenz zu zeigen. „Bevor ich heute um einen Euro Umsatz kämpfe, kämpfe ich um die Aufmerksamkeit der Kunden“, sagt Frank Rehme, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums. Gelegentlich Beiträge in sozialen Medien zu veröffentlichen, reiche dabei nicht mehr aus.
Der virtuelle Rundgang der Bierothek zeigt schon eher, wie die geschickte Verknüpfung funktioniert: Die Kunden können sich sozusagen im digitalen Raum durch den analogen Laden bewegen und dort in den Regalen einige Flaschen anklicken, die im Onlineshop verfügbar sind. Eine Spielerei, die Aufmerksamkeit erzeugt.
Den Einkauf erleben
Aber auch der Laden an sich muss sich verändern: Einkaufserlebnis ist eines der Schlagworte, was immer wieder fällt, wenn beschrieben werden soll, was den stationären Handel von der reinen Online-Konkurrenz abgrenzt. Das beginnt bei einer guten Beratung, reicht über moderne Bezahlvorgänge, die über das Handy oder Handscanner abgewickelt werden, bis zu Projekten wie der Kamera im Hühnerstall. In Zeiten großer Nachhaltigkeitsdebatten ist Transparenz in der Herstellung ein starkes Argument.
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Und die Ladengeschäfte selbst? Sollen laut den Experten am Kompetenzzentrum alle Sinne ansprechen. „Gerüche haben zum Beispiel einen langen Wiedererkennungswert“, sagt Patrick Roepke vom IFH Köln. Die richtige Musik kann dagegen Einfluss darauf haben, wie schnell sich die Kunden durch den Laden bewegen: Liegt das Tempo eines Liedes auf Herzschlagniveau, dann bleibt er gerne etwas länger.



