Die Möbelbranche blickt gespannt auf die diesjährige IMM - mit neuem Konzept und wenig deutschen Ausstellern. Wie der erste Messetag lief und was gerade besonders angesagt ist.
Kölner MöbelmesseSo lief die Premiere der neuen IMM

Die Aussteller buchten schon früh, doch mit alten Zeiten hat die Messe IMM wenig gemein.
Copyright: Arton Krasniqi
Es ist ruhig auf der Möbelmesse IMM. Japanische Vertreter zeigen ihre Massivholztische, serbische Hersteller ihre Memory-Schaum-Matratzen und chinesische Anbieter präsentieren Sofas mit Minibar und Vibrationen beim Fernsehen. Die vorwiegend internationalen Besucher haben Platz an diesem Dienstagvormittag, dem ersten Tag der Fachmesse IMM, die noch bis zum 23. Januar in den Kölner Messehallen läuft.
Mehr als genug Platz zum Bewegen kennt die Branche von der IMM nicht, zumindest bislang. Möbelmesse-Direktor Bernd Sanden hatte bereits im Vorfeld Erwartungsmanagement betrieben. „Für viele Besucherinnen und Besucher aus der Region mag die Messe anders wirken als früher – doch genau diese klare Ausrichtung macht sie für die Branche relevanter denn je und stärkt den Möbelstandort Köln“, sagte er.
Sein Fazit heute: „Der Auftakt der IMM Cologne 2026 entspricht unseren Erwartungen. Die Messe ist bewusst als B2B-Messe konzipiert mit dem Fokus auf Sourcing, Sortimentsplanung und Geschäftsanbahnung. Entscheidend ist deshalb weniger die reine Fachbesucherfrequenz als die Qualität der Kontakte, der Gespräche und die tatsächliche Ordertätigkeit.“ Genau das bestätige das bisherige Feedback der Aussteller, sagt Sanden: Es gebe weniger Laufkundschaft, dafür deutlich mehr gezielte Termine, Einkaufskommissionen sind vor Ort und es gebe bereits konkrete Orders.
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Großes Interesse der Aussteller
Die Kölner Möbelmesse IMM war bis zur Corona-Pandemie jahrzehntelang eine der wichtigsten Leitmessen der Möbelbranche und ein Flaggschiff der Kölner Messe. Für Aufsehen sorgte die Absage der für Januar 2025 geplanten Ausgabe. Ursache war zum einen die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Hersteller, zum anderen ein Zwist innerhalb der Möbelbranche: Während die Premium-Hersteller die Messe auf den Herbst verlegen und teilweise nur noch alle zwei Jahre ausstellen wollten, war das günstigere Segment – darunter Möbelketten, Versandhändler, Einkaufsverbände – mit dem jährlichen Januar-Rhythmus zufrieden.
Ob die diesjährige IMM zum Erfolg wird, lässt sich schwer sagen. Vergleichszahlen gibt es aufgrund des geänderten Konzepts keine. Im Jahr 2024 stellten 750 Firmen bei der IMM aus - hier waren von Massenmarkt bis Premiumhersteller alle Preiskategorien vertreten. Mit der Neuausrichtung der Möbelmesse bekamen die hochpreisigeren Hersteller ein eigenes Format, die IDD Cologne. Während die Anmeldungen für die IDD eher schleppend liefen, meldete die Kölner Messegesellschaft schon im Sommer, dass rund 70 Prozent der geplanten Ausstellungsfläche der IMM bereits vergeben worden sei.
Es gibt weniger Laufkundschaft, dafür deutlich mehr gezielte Termine, Einkaufskommissionen sind vor Ort und es gibt bereits konkrete Orders
Am Ende sind es rund 340 Unternehmen aus 28 Ländern; die am häufigsten vertretenen Sortimente seien Tische und Stühle, Polstermöbel sowie Möbel für Schlaf- und Esszimmer. Mit dabei sind etwa der chinesische Polstermöbelhersteller Kuka, Arocca aus den Niederlanden und Bofigo aus der Türkei. Zudem sind Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Japan, Taiwan und die Türkei mit eigenen Pavillons vertreten und zeigen eine Auswahl ihrer nationalen Hersteller.
Auf Besucherseite hatten sich die relevanten Zielgruppen aus dem internationalen Möbelhandel angekündigt, darunter Einkaufsverbände, Handelsketten, der Groß- und Fachhandel sowie Online- und Versandhandel. Die Kölner Messe erwartet Vertreter von Händlern wie Ikea, Höffner, Jysk, Otto, Porta, Segmüller, Westwing und XXXLutz. Wie viele Besucher es dann am Ende wirklich waren, gibt die Messe traditionell erst zum Ende der Veranstaltung bekannt.
So geht es den deutschen Herstellern
Einkäufer, die abseits des Premium-Segments unterwegs sind, ordern Möbel vorwiegend aus Billiglohnländern. Die deutsche Möbelbranche importiert 60 Prozent der Ware aus dem Ausland, der Großteil davon kommt aus China und Polen. Die Zollpolitik der USA sorgt dafür, dass asiatische Hersteller noch stärker auf den deutschen Markt drängen und den Preisdruck noch zusätzlich erhöhen.
Heimische Herstellung kann sich die Branche fast nur noch im hochpreisigen Segment leisten. „Der deutschen Möbelindustrie geht es nicht gut. Wir hatten schon bessere Zeiten“, sagt Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM). In Zahlen ausgedrückt heißt das: Die Branche hat laut amtlicher Statistik von Januar bis September 2025 rund 11,7 Milliarden Euro umgesetzt. Das ist ein Minus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auf dem Heimatmarkt wurde ein Umsatzrückgang von 5,4 Prozent auf rund 7,7 Milliarden Euro verzeichnet. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einem Umsatzminus von etwa drei Prozent, die genauen Zahlen gibt es erst Ende Februar.
Chinesische Hersteller haben die Nase vorn bei Funktion und Preis
Einer der Profiteure der wirtschaftlichen Situation ist der chinesische Funktionsmöbelhersteller Man Wah. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hongkong ist seit 1992 am Markt, an der dortigen Börse notiert, beschäftigt 30.000 Mitarbeiter und betreibt allein in China 9000 Läden. Im Jahr 2022 hat der Konzern eigenen Angaben zufolge 2,7 Milliarden US-Dollar umgesetzt und zählt damit zu den weltweit größten Herstellern von Funktionsmöbeln. Die 15 Fabriken in China, Vietnam, Mexiko und Osteuropa sind immens dimensioniert: Jede einzelne hat eine Fläche von rund zwei Millionen Quadratmetern, auf fünf Stockwerken. Man Wah stellt nahezu alles selbst her: Motoren für die Sofas, Schaumstoffe und Polsterungen, auch Schreinerarbeiten werden vor Ort erledigt.
Neben den Fabriken wohnen die Arbeiter, berichtet Fritz Bleilinger, der das Unternehmen in den deutschsprachigen Ländern vertritt: „Die Polstermöbelindustrie ist wenig attraktiv, weil man körperlich härter arbeiten muss als etwa bei den Automobilherstellern, wo die Bezahlung sehr gut ist und obendrein Maschinen die anstrengende Arbeit erledigen.“ So sei es durchaus üblich, dass Arbeiter zum chinesischen Neujahr zu ihren Familien fahren und auf dem Weg von anderen Arbeitgebern abgeworben werden. „Wir haben uns einiges überlegt, um unsere Mitarbeiter an uns zu binden“, sagt Bleilinger. Oftmals würden sie mit ihrer kompletten Familie auf dem Fabrikgelände wohnen, dort gebe es sogar 6000 Quadratmeter große Fitnessstudios.
Die Sofas landen am Ende bei großen Händlern wie Höffner und Segmüller. Verstellbare Rücken- und Armlehnen sind bei Man Wah Standard, auch integrierte USB-Anschlüsse und kabellose Ladestationen gehören längst zum Repertoire. Ein Highlight ist das Sofa mit integriertem Kühlschrank - im Sommer hält er Getränke kühl, im Winter wärmt er Kaffee und Tee. Auf dem US-Markt sind Sofas beliebt, die Lautsprecher integriert haben, mit dem Fernseher verbunden sind und vibrieren, wenn auf dem Schirm etwas wackelt. Selbst große Garnituren kosten im Einkauf rund 1500 Euro. „Der Preis ist unschlagbar und geht nur über die Menge“, sagt Bleilinger.
Eine selbst entwickelte Innovation für kleine Wohnräume zeigt der rumänische Hersteller Add Rest. Die Rumänen haben ein Bett entwickelt, das sich entlang zweier Schienen nach oben unter die Decke fahren lässt. Während das Bett hochfährt, kommen entweder ein Schreibtisch oder ein Sofa zum Vorschein - je nachdem, ob man den Platz als Wohnzimmer oder als Heimbüro nutzen möchte. Das System ist vom TÜV-Rheinland zertifiziert.
Neben Funktionalität und platzsparenden Lösungen fällt vor allem Form und Farbe auf. Hell und weich muss es heutzutage sein. Küchenfronten sind abgerundet, Hocker und Sessel kreisrund. Sofas sind mit Stoffen wie Chenille, Bouclé und Velours bezogen. Farblich dominieren Weiß, Beige, helles Grau, warmes Licht – all das soll einen Gegenpol bieten zur harten Welt da draußen.


