Der Leverkusener Konzern sieht Monsanto-Patente aus den 1980er-Jahren verletzt – und wählt den juristischen Weg.
Leverkusener KonzernBayer verklagt die großen Hersteller von Corona-Impfstoffen

Die Patentfrage spielt auf Bayers Hauptversammlungen wie hier im April 2024 immer wieder eine Rolle.
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Mit Impfstoffen gegen das Corona-Virus machten Moderna, Pfizer und vor allem aber Biontech in der Pandemie Milliarden-Umsätze. Bayer hatte sich im Januar 2021 mit Curevac zusammengetan, aber das Tübinger Unternehmen konnte keinen Impfstoff gegen das Virus zu Ende entwickeln. Die Idee, mit Leverkusener Hilfe das Zulassungsverfahren zu beschleunigen und die Logistik in den Griff zu bekommen, ließ sich nicht umsetzen. Für das Tandem Pfizer/Biontech gab es keine Kopie namens Bayer/Curevac.
Jetzt versucht der Leverkusener Konzern auf juristischem Weg, an den Impfstoff-Umsätzen zu partizipieren. Wie ein Sprecher bestätigt, wurden beim Bundesgericht im US-Staat Delaware Klagen gegen Pfizer, Biontech und Moderna eingereicht. Die drei Unternehmen sollen bei der Entwicklung und Herstellung ihrer mRNA-Impfstoffe geschützte Technologien verletzt haben, die ursprünglich von Monsanto entwickelt wurden. Die entsprechenden Patente sind mehr als 40 Jahre alt; sie stammen aus den 1980er Jahren. Monsanto hatte diese Verfahren entwickelt, um Nutzpflanzen widerstandsfähiger gegen Schädlinge zu machen. Das sollte gelingen, indem die Instabilität des genetischen Materials verringert wurde.
mRNA soll mit Monsanto-Methoden stabilisiert worden sein
Genau diese Methoden zur Stabilisierung von mRNA hätten die Hersteller der entsprechenden Corona-Impfstoffe übernommen, bringt Bayer vor. Nur so hätten Sie die empfindliche mRNA haltbar und wirksam machen können.
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Auch gegen Johnson & Johnson gehen die Leverkusener juristisch vor. Bei einem Gericht in New Jersey wurde eine Klage eingereicht, weil der Hersteller ein DNA-basiertes Verfahren angewandt hatte, das nach Auffassung von Bayer ebenfalls ein bestehendes Patent verletzt. Johnson & Johnson hatte den Verkauf seines Covid-19-Impfstoffs in den USA allerdings schon 2023 eingestellt.

In Bayers Konzernzentrale an der Kaiser-Wilhelm-Allee ist der Plan gereift, Corona-Impfstoffhersteller auf Schadenersatz zu verklagen
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Bei alledem geht es um Geld, nicht etwa um Verkaufsverbote. Bayer wolle Schadenersatz in nicht genannter Höhe erwirken, hieß es an der Kaiser-Wilhelm-Allee.
Die Leverkusener sind allerdings nicht die ersten, die im Zusammenhang mit den Corona-Wirkstoffen den Rechtsweg beschreiten. Bereits 2022 hatte Moderna gegen Pfizer geklagt, auch da ging es um Patentstreitigkeiten.
Comirnaty wurde schnell Goldstandard
Zur Erinnerung: Das Mainzer Start-up Biontech hatte mit dem US-Pharma-Riesen Pfizer gemeinsame Sache gemacht, um den Impfstoff Comirnaty marktreif zu machen. Das mRNA-basierte Vakzin wurde schnell als Goldstandard im Kampf gegen die Corona-Pandemie angesehen. Entsprechend hohe Umsätze wurden erzielt: 2021 bilanzierte allein Pfizer mit Comirnaty knapp 37 Milliarden Dollar Umsatz, Biontech meldete rund 17 Milliarden Euro.
Selbst 2024, als das Geschäft schon deutlich abgeflaut war, verzeichneten Pfizer und Biontech mit Comirnaty noch weltweit Umsätze von mehr als 3,3 Milliarden US-Dollar. Moderna bilanzierte rund 3,2 Milliarden Dollar für seinen Impfstoff Spikevax. Auch das sind noch Beträge, die Klagen auf Schadenersatz sehr attraktiv machen.

Monsanto-Patente riefen vor knapp zehn Jahren auch die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall auf den Plan: Sie ließ ein Schwäbisch-Hällisches Landschwein auf die Wiese vor der Bayer-Zentrale.
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In Leverkusen weckt Bayers Patentklage gegen die erfolgreichen Impfstoffhersteller noch eine andere Erinnerung: Im Herbst 2016, als sich eine Übernahme von Monsanto abzeichnete, protestierten Landwirte vor der Konzernzentrale. Einer von ihnen, Rudolf Bühler, hatte 40 Tiere der alten Züchtung Schwäbisch-Hällisches Landschwein mitgebracht, aber nur eins durfte auf der Wiese vor W11 grasen. Die Rasse war Mitte der 1980er-Jahre so gut wie ausgestorben.
Anlass für den Protest des Vorsitzenden der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und seiner Mitstreiter war der Versuch von Monsanto, Zugriff auf die Zucht zu erlangen. Das wollte der Konzern mit Hilfe von Patentanträgen in Europa erreichen. Passiert ist in der Sache dann nichts. Allerdings fürchteten die Züchter lange, von Monsanto mindestens mit Lizenzgebühren überzogen zu werden.
Die Rinderzucht hatte dafür ein schlechtes Beispiel abgegeben: Erst nach fünf Jahren war es der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter gelungen, ein US-Patent abzuwehren.
