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Geheimdiensthilfe und Fake-VideosKreml greift angeblich in Iran-Krieg ein – und sorgt für Putin-Spekulationen

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Kremlchef Wladimir Putin. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin. (Archivbild)

Laut einem Bericht unterstützt Russland den Iran bei Angriffen auf US-Streitkräfte. Putin sorgt derweil mit seinem Verhalten für Aufsehen. 

Russland teilt laut einem neuen Bericht Geheimdienstinformationen mit dem Iran über den Standort amerikanischer Truppen im Nahen Osten, um Teheran bei der Gegenwehr zu helfen. Der Kreml habe seit dem Beginn der Operation „Epic Fury“ die Standorte amerikanischer Kriegsschiffe, Flugzeuge und anderer militärischer Ziele weitergegeben, sagten drei Quellen der „Washington Post“ am Freitag (6. März). „Es scheint sich um eine ziemlich umfassende Anstrengung zu handeln“, sagte einer der nicht namentlich genannten US-Beamten demnach.

Seit dem ersten Angriff am vergangenen Samstag hat der Iran Tausende Drohnen und Raketen auf US-Einrichtungen im gesamten Nahen Osten abgefeuert. Das genaue Ausmaß der russischen Beteiligung an der Weitergabe von Zielinformationen blieb zunächst unklar. Ein iranischer Angriff, bei dem US-Soldaten getötet wurden, soll jedoch mithilfe der Zieldaten aus Russland durchgeführt worden sein.

Tod von Chamenei: Wladimir Putin verliert dritten Verbündeten

Der Kreml hat die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran zuvor als „einen vorgeplanten und unprovozierten Akt bewaffneter Aggression gegen einen souveränen und unabhängigen UN-Mitgliedstaat“ verurteilt. Die Tötung von Irans Anführer Ajatollah Ali Chamenei hatte Kremlchef Wladimir Putin unterdessen als „zynische Verletzung aller Normen“ bezeichnet und von einem Mord gesprochen.

Der erneute Verlust eines engen Verbündeten hatte in Moskau auch für Nervosität gesorgt. Propagandisten und russische Medien warnten davor, dass es Putin und Russland ebenfalls ergehen könnte, wie seinen Verbündeten. Der Tod Chameneis folgte auf die Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro und die Entmachtung des syrischen Diktators Bascher Al-Assad – alle drei Staatschefs galten als enge Verbündete von Putin.

Spekulationen: Wladimir Putin meidet die Öffentlichkeit

Das Verhalten des Kremlchefs nach der Tötung Chameneis sorgt unterdessen für Spekulationen. Bereits in der Vergangenheit, etwa nach dem Tod des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi im Jahr 2011, soll Putin die Maßnahmen zum Schutz seiner persönlichen Sicherheit massiv verstärkt haben.

Im Laufe der Jahre soll der Kremlchef zahlreichen Berichten zufolge dann immer paranoidere Züge entwickelt haben. Während der Corona-Pandemie lebte Putin etwa nahezu vollständig isoliert. Vom laut westlichen Angaben mit Froschgift getöteten russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny hatte Putin deshalb den Spitznamen „Bunkeropa“ verpasst bekommen.

Bericht: Kreml veröffentlicht alte Aufnahmen von Wladimir Putin

Seinem Ruf scheint Putin auch jetzt wieder gerecht zu werden. Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Kremlchef jüngsten Berichten zufolge aus der Öffentlichkeit verschwunden – auch wenn die russische Regierung offenbar einen anderen Eindruck erwecken will, wie Recherchen von „Systema“, dem Investigativteam von Radio Free Europe, nun zeigen.

Die vom Kreml in den ersten Tagen nach dem Kriegsausbruch veröffentlichten Videoaufnahmen, die Putin bei Gesprächen zeigen, sind demnach bereits früher aufgezeichnet worden, auch wenn russische Staatsmedien jeweils behauptet hätten, der Kremlchef habe die sichtbaren Gespräche „heute“ geführt. Als Beweis führt „Systema“ die Pflanzen im Büro des Kremlchefs an. 

Moskaus Täuschungsversuche: Putins Aufenthaltsort verschleiern

In den Videos zeige eine gut sichtbare Pflanze demnach einen früheren Wachstums- und Gesundheitszustand als in zwischenzeitlich veröffentlichten Bildern, was auf „Retortenmaterial“ hinweise, berichtete das Investigativteam, das bereits im Februar ähnliche Manipulationen aufgedeckt hatte. Der Kreml hatte die Pflanzen in Putins Büro daraufhin ausgetauscht.

Für bewusste Täuschungsversuche der russischen Regierung hatte es in der Vergangenheit zudem bereits weitere Hinweise gegeben, etwa manipulierte Bücherregale oder die Nutzung mehrerer nahezu identischer Büros, um Putins tatsächlichen Aufenthaltsort zu verschleiern. Seit Mittwoch (4. März) ist der Kremlchef wieder auf aktuellen Aufnahmen zu sehen.