Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, über die Gründe für die Stellenstreichungen bei RTL.
RTL-Stellenabbau„Das ist ein ernstzunehmendes Alarmsignal“

Tobias Schmid ist Direktor der Landesanstalt für Medien NRW.
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Herr Schmid, Sie haben lange bei RTL gearbeitet. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von den Stellenstreichungen erfuhren? Hat Sie die Neuigkeit überrascht?
Tobias Schmid: Überrascht? Na ja, abstrakt ist ja jedem klar, dass Transformationsprozesse auch Einschnitte mit sich bringen können, vielleicht sogar müssen. Das gilt aktuell wohl für fast alle Industriebereiche und natürlich auch für den Mediensektor. Konkret wünsche ich mir für die vielen guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei RTL, dass dieser Wandlungsprozess so erträglich gestaltet wird wie möglich – für die Betroffenen, aber auch für diejenigen, die bleiben. Und natürlich ist es besonders hart, weil die Situation bei RTL in Köln, aber auch bei den anderen Medienunternehmen, vor allem auch das Ergebnis starker externer Faktoren ist, die die Unternehmen nur eingeschränkt selbst gestalten können.
Wie ordnen Sie diese Entwicklung ein?
Die Entscheidung von RTL ist eine schlechte Nachricht für die journalistische Vielfalt und damit auch für die Sicherung einer demokratischen Medienlandschaft an so einem wichtigen Standort wie Nordrhein-Westfalen und Deutschland. Aber was wir jetzt bei RTL sehen ist wahrscheinlich eher das Symptom und weniger die Krankheit.
Sie sprechen von externen Faktoren, die diese Entscheidung beeinflusst haben. Welche sind das?
Neben vielen anderen Faktoren ist ein zentrales Problem, dass wir sehr unterschiedliche Wettbewerbsverhältnisse in diesem Medienmarkt haben. Gut die Hälfte aller Werbeerlöse geht inzwischen zu den großen internationalen Online-Unternehmen, die nichts in diesen Markt zurückinvestieren, jedenfalls nicht in Journalismus und in journalistische Inhalte. Das ist für eine pluralistische Mediengesellschaft ein Problem.
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Aber was wir jetzt bei RTL sehen ist wahrscheinlich eher das Symptom und weniger die Krankheit
Gibt es weitere Gründe?
Zugleich sind die Möglichkeiten für klassische Medienunternehmen, sich in diesem Medienmarkt im Verhältnis zu ihren Wettbewerbern zu positionieren, sehr gehemmt, weil sie unter engeren Regularien stehen und weil sie ein höheres Maß an Auflagen erfüllen müssen. Das erweist sich nicht nur als nicht gerecht, sondern als zunehmend gefährlich für den Standort.
Was muss sich medienpolitisch ändern, um für Sender wie RTL - aber auch andere Anbieter in Deutschland - bessere Rahmenbedingungen zu schaffen?
Regulatorisch gibt es mindestens zwei Punkte, über die man nachdenken muss. Das eine ist das sogenannte Level-Playing-Field, also die Frage, ob es nicht allerhöchste Zeit ist, dass man die Werbebeschränkungen gleich gestaltet. Für eine Online-Plattform muss das Gleiche gelten wie für einen Fernsehsender. Das ist im Moment nicht der Fall. Das muss die EU in Ordnung bringen.
Und der zweite Punkt?
Das andere ist die Frage, ob man nicht wie in anderen europäischen Ländern eine Digitalabgabe der großen Plattformen nochmal überdenkt. Wer das Geld verdient, darf es auch reinvestieren. Und wenn das nicht aus dem unternehmerischen Impetus heraus erfolgt, kann man darüber nachdenken, ob der Gesetzgeber das einfordert.
Ist der Medienstandort NRW nach Ihrer Einschätzung durch diese Entwicklung bei RTL in Gefahr?
In einem Transformationsprozess kann auch Neues entstehen, auch bei RTL. Ich glaube nicht, dass der Standort NRW existenziell in Gefahr ist. Aber ich glaube schon, dass es ein ernstzunehmendes Alarmsignal ist. Diese Entwicklung legitimiert die Diskussionen rund um eine Digitalabgabe. Das mag alles politisch schwierig sein, aber mit dieser Maßnahme, die RTL jetzt ergriffen hat, wird deutlich, dass es ernst ist.


